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20.01.2010

20:05 Uhr

EPR

Frankreichs peinliches Atom-Dallas

VonHolger Alich

Der Bau von EDFs EPR-Atommeiler soll Verspätung haben. Statt 2012 sollen die Bauarbeiten frühestens 2014 fertig sein. Der Bericht liefert der Schlammschlacht zwischen EDF und Areva neue Munition. Dabei geht es um die Frage, wer die Führung in der französischen Atom-Industrie innehaben soll.

EPR-Baustelle im französischen Flamanville im November 2009: Der Bau dauert wohl länger als geplant. Reuters

EPR-Baustelle im französischen Flamanville im November 2009: Der Bau dauert wohl länger als geplant.

PARIS. Der Bau des neuen Atommeilers EPR in Nordfrankreich hinkt laut einem Bericht der Zeitung "Le Figaro" zwei Jahre seinem Zeitplan hinterher. Statt 2012 würden die Bauarbeiten frühestens 2014 fertig sein, meldet die Zeitung. Das verschärft einen laufenden Streit in der französischen Atombranche.

Eine Sprecherin des Stromkonzerns EDF verwies auf Anfrage darauf, dass der Konzern "weiterhin am Kalender festhält, wie er im November 2009 genannt wurde" mit einem Abschluss der Bauarbeiten 2012 und den ersten kommerziellen Stromlieferungen im Jahr 2013. Auf die Nachfrage, ob eine neue Verspätung bekannt sei, verweigerte die Sprecherin aber ein klares "nein".

"EDF spricht intern schon seit längerem vom Datum 2014", heißt es aus französischen Industriekreisen zu möglichen Verzögerungen. Zu den Ursachen der Verspätung werden drei Gründe angeführt: Der EPR (European Pressurized Reactor) sei ein neuer Reaktortyp, den EDF zum ersten Mal gemeinsam mit Areva, Bouygues und Alstom baut. Zweitens würden die Ingenieure von EDF zum ersten Mal seit Jahren wieder einen neuen Atommeiler bauen, viele erfahrene Kräfte seien aber in die Rente gegangen. Drittens würde die Atomaufsicht ASN härtere Auflagen als erwartet machen. Der erste EPR in Europa, dessen Bau Areva in Finnland verantwortet, hängt rund drei Jahre dem Zeitplan hinterher.

Analysten verweisen darauf, dass die Meldungen über die Verspätung des französischen EPR-Baus zu einem heiklen Zeitpunkt auftauchen. Seit Wochen leisten sich der neue EDF-Chef Henri Proglio und die Areva-Chefin Anne Lauvergeon eine öffentliche Schlammschlacht.

Dabei geht es um Macht und um die Frage, wer die Führung in der französischen Atom-Industrie innehaben soll. "Die Verspätung würde das Image von EDF stark beschädigen just in dem Moment, in dem das Unternehmen eigentlich Frankreichs Nuklearindustrie im Export anführen soll", kommentiert Patrice Lambert-de Diesbach vom Broker CM CIC Securities.

Den ersten Akt in diesem "Dallas der Atomindustrie" lieferte Henri Proglio im vergangenen Herbst. Der Top-Manager war noch nicht offiziell zum neuen EDF-Chef ernannt, da forderte er in Gesprächen mit der Presse bereits, Areva zu zerschlagen. Es sei "ein Fehler" gewesen, unter Arevas Dach die Aktivitäten Brennstoffproduktion- und Wiederaufbereitung, Reaktorbau und Uranförderung zu vereinen, so Proglio. Darüber hinaus forderte er, dass künftig EDF allein beim Export der Kerntechnik das Sagen haben soll, Areva sei ein nur Zulieferer. Premierminister Francois Fillon rief daraufhin beide Top-Manager zur Ordnung. "Der Staat ist der wahre Chef der Atom-Industrie", stellte er klar.

Kommentare (1)

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Ariba

21.01.2010, 15:09 Uhr

Proglios bellen zeigt, dass die EDF am boden ist und ums Überleben kämpft. 25 Mrd Schulden dank Staatswirtschaft. Die Überregulierung in Frankreich mit festgesetzten Verbraucherpreisen, staatlich garantierten Monopolen und Günstlingen des Präsidenten an der Unternehmensspitze sollte uns ein abschreckendes beispiel sein und unsere 4 großen Stromversorger in Dtld in einem anderen Licht darstellen.

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