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11.03.2013

16:02 Uhr

„Er ist beschädigt“

Cromme auch bei Siemens unter Druck

Der Rückzug von Gerhard Cromme bei ThyssenKrupp hat auch in München viel Staub aufgewirbelt. Viele fragen sich, wie lange sich Cromme als Siemens-Chefaufseher halten kann. Mögliche Nachfolger werden bereits gehandelt.

Gerhard Cromme gerät nun auch bei Siemens unter Druck. AFP

Gerhard Cromme gerät nun auch bei Siemens unter Druck.

MünchenDas jähe Ende der Ära Gerhard Cromme bei ThyssenKrupp sorgt auch bei Siemens in München für Nachbeben. Wenige Tage nach der Rücktrittsankündigung Crommes als Chefkontrolleur von ThyssenKrupp wird die Frage lauter, wie lange sich der 70-Jährige noch an der Spitze des Siemens-Kontrollgremiums halten kann. Offiziell bleibt man bei dem Elektrokonzern zwar dabei, dass an Cromme nicht gerüttelt wird. „Bei uns gibt es keine Veränderungen im Aufsichtsrat. Der steht“, heißt es vom Unternehmen. Doch schon sind mögliche Nachfolger für den einst so mächtigen Industrieführer im Gespräch.

Siemens hat keine vergleichbaren Probleme wie der krisengebeutelte Stahlriese an der Ruhr. Dennoch warten auch in München schwierige Herausforderungen auf Führungsmannschaft und Kontrolleure - von der Umsetzung des Milliarden-Sparprogramms in einem schwierigeren Umfeld über die verspätete Auslieferung von ICE-Zügen bis hin zu den Problemen beim Anschluss von Nordsee-Windparks.

Kommentar: Lähmung in der größten Krise vom Thyssen-Krupp

Kommentar

Lähmung in der größten Krise vom Thyssen-Krupp

Ein Rauswurf sichert der Traditionsfirma noch keine Zukunftsperspektive. Das Problem Thyssen-Krupp ist zu einem nicht kleinen Teil das Problem des Berthold Beitz selbst.

„Dafür bräuchte es einen unangefochtenen, durchsetzungsfähigen und tatkräftigen Aufsichtsratsvorsitzenden“, sagt Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Nach Kartellverstößen, Korruptionsfällen und dem Milliarden-Debakel um amerikanische Stahlwerke bei ThyssenKrupp aber habe auch Crommes Image gelitten. „Er ist zumindest beschädigt“, meint Bergdolt.

Dabei war es Cromme, der bei Siemens die Aufarbeitung des milliardenschweren Korruptionsskandals maßgeblich vorantrieb und so auch mit dafür sorgte, dass der Konzern von noch schlimmeren Folgen verschont blieb - allen voran vom Ausschluss von Aufträgen in den USA. Auf der Siemens-Hauptversammlung im Januar war der 70-Jährige denn auch mit gut 90 Prozent für weitere fünf Jahre in seinem Amt als Chefaufseher bestätigt worden. Möglich wurde dies durch eine Satzungsänderung, mit der die Altersgrenze für Aufsichtsratsmitglieder aufgeweicht wurde. Aktionärsvertreter warfen Cromme deshalb vor, die Chance für einen Generationswechsel verpasst zu haben.

Auf dem nächsten Siemens-Aktionärstreffen könnte der Gegenwind für Cromme aber stärker werden. Offen fordern seinen Rückzug bei dem Elektrokonzern bisher nur die Siemens-Belegschaftsaktionäre. „Auch Siemens braucht einen Neuanfang - ohne Herrn Cromme“, erklärte ihr Verein am Wochenende in München. So habe Cromme Siemens mit dem Abwerben von Heinrich Hiesinger geschadet, der mittlerweile ThyssenKrupp als Vorstandschef führt.

Während die Nachfolgedebatte bei ThyssenKrupp bereits in vollem Gange ist, werden auch für den Siemens-Chefaufseherposten erste Namen gehandelt. Im Fokus stehen dabei der Siemens-Vize-Aufsichtsratsvorsitzende Josef Ackermann und Linde-Chef Wolfgang Reitzle, der im kommenden Jahr den Vorstandsvorsitz bei dem Industriegase-Konzern abgibt. Zu seiner persönlichen Zukunft hält sich Reitzle derzeit noch bedeckt. Bei Linde kann der 64-Jährige eine glänzende Bilanz vorweisen, erst in der vergangenen Woche verkündete er das dritte Rekordjahr in Folge. Schon in der Vergangenheit war Reitzle immer wieder als möglicher Chefaufseher für Siemens im Gespräch. Bei seinem eigenen Unternehmen verhindert ein Gesetz einen direkten Wechsel auf einen Aufseherposten.


Von

dpa

Kommentare (3)

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An_Interested_Reader

11.03.2013, 20:39 Uhr

I sometimes think Chromme has forgotten what industrial enterprises are supposed to do.

They are supposed to engineer, develop, manufacture and deliver quality products on time and with a profit returned for the funds invested.

Neither of the concerns with which he has been associated with for a decade or more, or led for a half decade or much more, can be said to achieving most of these targets.

I sometimes think Chromme doesn't know what a conflict of interest is.

It is when a person charged with the fiduciary responsibility for one party abdicates that responsibility in undertaking some action, on behalf of a segond party, which is not in the best interest of the first party.

Think of the personnel drained from Siemens to Thyssen, Hiesinger, Achertz, etc. think of how he gladly worked for, and strove to be the eventual leader of, The Stiftung that has periodically brought suffering to employees and investors alike by its need to maintain its grip on the levers of influence and power at Krupp and ThyssenKrupp.

Sometimes I think Chromme doesnt have a clue what constitutes paradocically ironic farce.

If the theft of the gents from Siemens is not worth mentioning, then how could these gents be worth bringing to a struggling Thyssen? If Chromme as a failed AR-member is not germaine to his same role at Siemens, then why did he have to leave ThyssenKrupp or why is he qualified to remain at Siemens?

Who's investors here are second-class, which firm is in the second liga?

Account gelöscht!

12.03.2013, 17:43 Uhr

Dr. Reitzle wäre die Idealbesetzung für den Aufsichtsratsvorsitz bei Siemens.

Account gelöscht!

12.03.2013, 17:46 Uhr

Dr. Reitzle wäre eine Idealbesetzung als Aufsichtsratsvorsitzender für Siemens

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