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20.09.2012

16:35 Uhr

Erfahrungsbericht

Katzen würden Mäuse kaufen

VonFrank G. Heide

Samtpfoten sind überaus wählerisch: Was gestern noch begeistert gefressen wurde, wird heute mit Nichtachtung gestraft. Wie Herrchen und Frauchen mit einem einfachen Trick wieder die Oberhand bekommen.

Nur als Schattenriss zu erkennen: Eine Katze schleicht auf einer Hausmauer entlang. dpa

Nur als Schattenriss zu erkennen: Eine Katze schleicht auf einer Hausmauer entlang.

DüsseldorfWenn des Deutschen liebstes Haustier (jawohl, die Katze hat den Hund von Platz 1 verdrängt), sich sein Futter selbst aussuchen dürfte, würde sich die Mehrheit der 8,2 Millionen Haus-Samtpfoten wohl für lebende Mäuse entscheiden. Schließlich hat man als Katze dann was Leckeres, eine aufregende Überraschung und was zum Spielen. Körperwarm, blutig mit einem Hauch Getreide sowie Spuren von Obst und Gemüse. Auch das Gefühl auf der rauen Zunge ist in einer nicht zu toppenden Kombination sichergestellt: knusprig, cremig, knackig.

Was die Deutschen für ihre Haustiere ausgeben

Katzenfutter

Im Jahr 2011 wuchs der Markt für Katzenfutter weiter und behauptete sich mit einem Umsatz von 1.486 Mio. Euro (plus 0,7 Prozent). Das Segment „Snacks und Katzenmilch“ erzielte dabei ein Plus von 5,9 Prozent und übertraf damit das Vorjahresergebnis mit jetzt 197 Mio. Euro erneut. Der Bereich „Trockenfutter“ legte ebenfalls zu, mit 0,6 Prozent Zuwachs auf 318 Mio. Euro. Lediglich das Segment „Feuchtfutter“ musste mit nun 971 Mio. Euro einen leichten Rückgang hinnehmen (minus 0,2 Prozent).

(Quelle: Der Deutsche Heimtiermarkt, Industrieverband Heimtierbedarf)

Hundefutter

Der Hundefuttermarkt setzte 2011 insgesamt 1.146 Mio. Euro um und wuchs somit mit einem Plus von 0,9 Prozent wieder stärker als im Vorjahr. Besonders positiv stellte sich im Hundefuttermarkt 2011 mit einem Zuwachs um 5,1 Prozent auf 373 Mio. Euro das Segment „Snacks“ dar. Nach Umsatzeinbußen im Vorjahr entwickelte sich auch der Bereich „Feuchtfutter“ 2011 wieder positiv, mit einem Wachstum um 0,6 Prozent auf 362 Mio. Euro. Das Segment „Trockenfutter“ hingegen verzeichnete erneut einen Rückgang (411 Mio. Euro, minus 2,4 Prozent).

(Quelle: Der Deutsche Heimtiermarkt, Industrieverband Heimtierbedarf)

Zierfischfutter

Nach deutlichen Verlusten in den Vorjahren entwickelte sich das Segment „Zierfischfutter“ im Jahr 2011 erstmals wieder positiv und verzeichnete mit 64 Mio. Euro ein Umsatzplus von 4,9 Prozent. Bedingt wurde dieses erfreuliche Ergebnis vor allem durch positive Veränderungen im Bereich Teichfutter. Die Umsätze in den Segmenten „Kleintierfutter“ (121 Mio. Euro, minus 4,7 Prozent) sowie „Ziervogelfutter“ (49 Mio. Euro, minus 9,3 Prozent) gingen 2011 erneut zurück.

(Quelle: Der Deutsche Heimtiermarkt, Industrieverband Heimtierbedarf)

Spielzeug & Co

Der Markt für Heimtier-Bedarfsartikel erzielte 2011 einen Gesamtumsatz von 916 Mio. Euro (minus 2,2 Prozent). Ein Umsatzplus von 2,6 Prozent verzeichnete dabei der Markt für Hunde-Bedarfsartikel mit 159 Mio. Euro. Nach guten Wachstumsraten in den Vorjahren ging im Jahr 2011 der Umsatz im Markt für Katzen-Bedarfsartikel (182 Mio. Euro, minus 1,1 Prozent) sowie Katzenstreu (238 Mio. Euro, minus 4,0 Prozent) zurück. Auch die Bedarfsartikelmärkte für Ziervögel (42 Mio. Euro, minus 2,3 Prozent), Zierfische (194 Mio. Euro, minus 3,5 Prozent) sowie Kleintiere (101 Mio. Euro, minus 4,7 Prozent) entwickelten sich nicht positiv.

(Quelle: Der Deutsche Heimtiermarkt, Industrieverband Heimtierbedarf)

Verzichten können Katzen dagegen auf Petersiliengarnitur, Spezial- und limitierte Futter-Editionen zu kirchlichen Feiertagen oder wechselnden Jahreszeiten. Wahrscheinlich werden die Marketingexperten der Tiernahrungshersteller aber dennoch schon bald eine Halloween-Ausgabe, - mit Kürbis, nur für kurze Zeit! - dafür aber nochmal etwas teurer, offerieren. Denn eins ist klar, Herrchen und Frauchen geben gerne mehr aus, wenn ihnen selbst beim Anblick der Verpackung schon fast das Wasser im Munde zusammenläuft.

Beliebteste Haustiere

Platz 5

Im Jahr 2011 waren Vögel aller Art die Nummer fünf unter Deutschlands beliebtesten Haustieren. In 2,79 Millionen hiesigen Haushalten leben derzeit gefiederte Freunde.

Platz 4

Der vierte Platz geht an die Aquarienenthusiasten: 2011 gab es in Deutschland beachtliche 3,83 Millionen Fischbesitzer. Manche mögen es stumm.

Platz 3

Bronze in den Herzen der deutschen Tierliebhaber geht an das gemeine Nagetier. Auch die Meerschweinchen fallen in diese Kategorie. 4,35 Millionen Menschen halten sich privat einen Nager - Schädlinge natürlich ausgeschlossen.

Platz 2

Der beste Freund des Menschen ist seit Jahren nicht mehr der beliebteste: 12,10 Millionen Hundebesitzer gibt es im Jahr 2011.

Platz 1

Am liebsten holen sich die Deutschen tatsächlich eine Katze ins Haus. 12,84 Millionen Samtpfotenbesitzer gibt es hierzulande. Die Zahl der Menschen über 14 Jahre, die kein Haustier haben, liegt übrigens bei 41,85 Millionen.

Was heißt das? Der Trend im Kaufverhalten orientiert sich immer weniger an den echten tierischen Bedürfnissen, er trägt vielmehr den eigenen, menschlichen Bedürfnissen Rechnung. Bei ohnehin konstant steigenden Umsätzen in der Tierfutter-Branche hat im Jahr 2011 laut IHV erstmals das Segment „Snacks und Katzenmilch“ den Vogel abgeschossen (Katzen lieben dieses Sprachbild): um plus 5,9 Prozent auf 197 Millionen Euro.

Mit artgerechter Fütterung hat das wenig zu tun. Katzen brauchen weder Milch noch Snacks. Die braucht nur der Mensch, so suggeriert uns das clevere Marketing der Hersteller, um das gute Gefühl zu haben, die Mieze zu verwöhnen.

Katzen-Klischees und was an ihnen dran ist

Mögen Katzen kein Wasser?

Katzen hassen Wasser nicht, sie haben jedoch ein anderes Verhältnis zu ihm als viele andere Tiere. Als Nachfahren der nubischen Falbkatze waren sie ursprünglich Wüstentiere. Im Laufe ihrer Entwicklung ist die genetische Information, dass Wasser nur zum Trinken dient, erhalten geblieben, obwohl es durchaus auch Katzen gibt, insbesondere Jungtiere, die gern im Wasser planschen.

Können Katzen und Hunde einander nicht leiden?

Grundproblem ist die unterschiedliche Körpersprache, die zu Missverständnissen führt. Schwanzwedeln beim Hund bedeutet Freude, bei der Katze Aggression. Haben Katze und Hund die Möglichkeit, sich aneinander zu gewöhnen, zum Beispiel wenn Jungtiere miteinander aufwachsen, kann sogar eine tiefe Freundschaft entstehen.

Fallen Katzen immer auf die Füße?

Katzen fallen aus großer Höhe tatsächlich oft auf ihre Füße. Ihr Stellreflex bewirkt, dass eine Katze, die aus großer Höhe stürzt, sich automatisch dreht und in die richtige Landeposition bringt. Auch hat das Katzenskelett eine nahezu perfekte Federung, die zusammen mit der flexiblen Wirbelsäule, gepolsterten Pfoten und dehnbaren Gelenken die Aufprallenenergie absorbieren kann. Das bedeutet, dass Katzen bei einem Sturz aus größerer Höhe, etwa ab der siebten Etage, oft kaum oder gar unverletzt landen können.

Sollte man Katzen Milch geben?

Milch ist für Katzen nicht als Getränk geeignet, sondern als Nahrung zu betrachten. Kuhmilch vertragen viele Katzen aufgrund der enthaltenen Laktose nicht. Sie dürfen also nur kleine Mengen bekommen, da es sonst zu Durchfall kommen kann. Besser geeignet ist Kondensmilch, gegebenenfalls mit etwas Wasser vermischt.

Fangen Katzen besonders gerne Mäuse?

Die Katze ist als Beutegreifer für die Jagd kleinerer Tiere prädestiniert. Zu ihrem Beutespektrum gehören nicht nur Mäuse, sondern je nach Lebensraum auch Insekten, Vögel, Eidechsen, Schlangen, Ratten und andere Kleinsäuger. Die Maus allerdings ist das typische Beutetier und passt aufgrund der Größenverhältnisse optimal zum Jäger Katze.

Erfahrene Katzenhalter hegen aber den Verdacht, dass die Samtpfoten selbst in nicht unerheblichem Maße zum Wachstum der Branche beitragen. Sind sie doch überaus wählerisch. Was letzte Woche noch begeistert gefressen wurde, wird in diese Woche mit Nichtachtung gestraft. Bei der Fütterung gilt das Prinzip von Versuch und Irrtum.

Wobei der Irrtum (Feines Soufflee von Seehecht mit Käseklößchen und Krabben, 70 Gramm 1,09 Euro) den Halter dann etwas teurer kommt. Er kauft ja im Zweifelsfall beides, also das, was letzte Woche noch gut in die Katze ging, und zusätzlich die neue verbesserte Rezeptur.

Dabei geht es auch anders, aber das würden uns die Tierfutter-Hersteller natürlich niemals verraten: Ist Ihre Katze besonders wählerisch, so lassen Sie sie einfach mal einen Tag hungern. Sie werden sehen, dass steigert die Zuneigung und den Appetit auf einfaches Futter.

Oder genau umgekehrt. Wie bei Katzen üblich.

Kommentare (7)

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Freilandkatze

20.09.2012, 16:56 Uhr

Unsere Freilandkatze serviert uns gerne zum Frühstück eine Feldmaus und ist ganz stolz darauf. Sie bunkert ihr Spielzeug im Keller und die Mäuse gehen dann an die Rückseite von der Kühltruhe und knabbern am Kühlschlauch.
Am Liebsten mag sie Trockenfutter, aber ab-und-an braucht sie Naßfutter, wenn sie nichts gefangen hat. Bei Leckerlies und Spielzeug ist sie total glücklich.

holyowly

20.09.2012, 17:00 Uhr

Meine Katzen bekommen kein Katzenfutter. Gar keins! Meine Tiere werden gebarft. (siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Barf )Das ist anfangs etwas mühsam, aber man hat schnell drin wie man eine Katzenmahlzeit zubereitet. Sie bekommen auch richtigen Fisch und ganze Hühnerflügel inkl. Knochen. Meine Katzen sind gesund, schlank, haben glänzendes Fell und gesunde Zähne. Sie sind ausgeglichen, machen nix kaputt, stinken nicht rum und sind eine echte Augenweide. Nicht zu vergleichen mit den fett gefütterten Dosenfutter-Katzen oder den inkontinenten Trockenfutterkatzen. Den industriellen Dreck kaufe ich jedenfalls nicht! Ja Dreck - etwas anderes ist da auch nicht drin egal wie bunt die Bilder auf der Verpackung sind.

zappenduster

20.09.2012, 17:21 Uhr

Der Autor hatte wohl noch nie einen Karthäuser Kater sonst hätte er den folgenden Satz nicht geschrieben:
Ist Ihre Katze besonders wählerisch, so lassen Sie sie einfach mal einen Tag hungern. Sie werden sehen, dass steigert die Zuneigung und den Appetit auf einfaches Futter. Karthäuser-Terror ist nichts schönes.

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