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07.02.2012

15:30 Uhr

Erfrischungsgetränke

Deutsche haben Durst auf Coca-Cola

Es läuft gut für Coca-Cola. Im 126. Jahr der Unternehmensgeschichte verdiente der Getränkekonzern mehr als acht Milliarden Dollar. Das größte Wachstum liegt in den Schwellenländern - aber auch die Deutschen lieben Cola.

Die besondere Form der Flaschen von Coca-Cola hat einen der höchsten Wiedererkennungswerte überhaupt - nach dem Hühnerei. Reuters

Die besondere Form der Flaschen von Coca-Cola hat einen der höchsten Wiedererkennungswerte überhaupt - nach dem Hühnerei.

Atlanta/New York/DüsseldorfDer Durst auf Coca-Cola wächst weiter - zumindest weltweit gesehen: Der US-Getränkekonzern hat im vergangenen Jahr vor allem in Schwellenländern zulegen können. Aber auch die Deutschen hatten große Lust auf die braune Brause, wie das Unternehmen am Dienstag erklärte. Weltweit stieg der Getränkeabsatz um fünf Prozent.

Das florierende Geschäft bescherte Coca-Cola im Gesamtjahr einen Gewinn von unterm Strich 8,6 Milliarden Dollar. Der Umsatz lag bei 46,5 Milliarden Dollar. Die zwischenzeitliche Komplettübernahme eines großen Getränkeabfüllers sorgte allerdings für einen auf den ersten Blick kuriosen Effekt in den Büchern: Während der Umsatz um 33 Prozent stieg, sank der Gewinn um 27 Prozent.

Insbesondere in Schwellenländern brachte Cola-Cola mehr Erfrischungsgetränke an den Kunden, allein in China um zehn Prozent. In Europa und Nordamerika erzielte der Konzern dagegen nur ein Plus von einem Prozent. Auf dem Kontinent setzte dem Unternehmen die Schuldenkrise zu. Auf der anderen Seite des Atlantiks bekam der Konzern zu spüren, dass die Amerikaner dank eines erwachenden Gesundheitsbewusstseins weniger auf gezuckerte Getränke zurückgreifen.

Im Schlussquartal ergab sich ein ähnliches Bild. Der Überschuss brach im vierten Quartal auf 1,65 Milliarden Dollar von 5,77 Milliarden Dollar ein. Allerdings war der hohe Gewinn im Vorjahreszeitraum vor allem auf die Übernahme der nordamerikanischen Abfüllwerke zurückzuführen. Die Erlöse stiegen im vierten Quartal um fünf Prozent auf 11,04 Milliarden Dollar und lag damit auf Höhe der Analystenerwartungen. Das Unternehmen habe bei etlichen Getränkesorten Marktanteile hinzugewonnen. In Deutschland stieg der Absatz von Coca-Cola um satte neun Prozent. In nur wenigen anderen Ländern wie China und Indien lief es noch besser für den Getränkeriesen. Vorbörslich stieg die Aktie um ein knappes Prozent.

Ohne Sonderposten verbuchte Coca-Cola ein Ergebnis von 79 Cent je Aktie und übertraf damit die durchschnittlichen Analystenerwartungen von 77 Cent. Zudem legte der Konzern ein neues Sparprogramm auf. Bis Ende 2015 will Coca-Cola die Kosten um 550 bis 650 Millionen Dollar senken.

Die Wahrheit über Coca-Cola

Unglaubliche Mengen

Kein Wunder: Jedes Jahr werden auf der Welt 145 Milliarden Liter Cola-Produkte getrunken. Das entspricht der Menge an Kraftstoff, die der Ölriese Shell verkauft, oder der doppelten Menge an Abwässern, die die Stadt Düsseldorf jährlich produziert (inklusive Regenwasser).

Die Zähne

Cola-Junkies erkennt man am Gebiss. Das Getränk gehört zum Schlimmsten, was man seinen Zähnen antun kann. In einem Liter sind 106 Gramm Zucker, so viel wie 35 Würfel.

Warum Zähneputzen nichts hilft

Der Anteil an Phosphorsäure macht alles schlimmer, denn die Substanz greift die Zähne an. Putzen hilft kaum, vor allem nicht direkt nach dem Genuss. Denn dann ist der Zahnschmelz schwach, die Bürste schabt ihn ab, Karies hat freie Bahn.

Wer wie viel trinkt

Deutsche trinken jährlich 40 Liter davon, Amerikaner 200 Liter.

Legendenbildung

In 125 Jahren, die das Getränk auf dem Buckel hat, ist ein wahrer Katalog an Märchen, Legenden und Fabeln entstanden, vom physikalischen Unsinn bis zur Verschwörungstheorie. Angesichts des gewaltigen Ausstoßes und der großen, mit Koffein und Zucker aufgeputschten Zielgruppe ist klar, dass nicht alles stimmt, was über Cola kursiert.

Zersetzt Cola Fleisch?

Quatsch ist zum Beispiel, dass die Brühe in der Lage sei, Fleisch zu zersetzen – und also auch die Magenwand auflöst. Zahlreiche Experimente von interessierten Nutzern haben gezeigt, dass selbst nach nächtelangem Einlegen das Fleisch noch da ist. Wenn auch weniger appetitlich als vor der Behandlung (aufgedunsen und grau).

Explosive Mischung

Richtig ist hingegen, dass Mentos und Cola eine explosive Mischung machen. Auch hier haben geschätzte zehn Millionen Versuche mit anschließender Sauerei eine klare Kausalität offen gelegt: Schmeißt man Mentos rein, schießt Cola raus. Allerdings handelt es sich weniger um einen chemischen, als vielmehr einen physikalischen Prozess. An der runden Oberfläche des Kaubonbons lagert sich Kohlensäure ab, bis die Fontäne spritzt (mit Cola Light funktioniert’s besser, weil mehr Kohlensäure drin ist).

Schwache Knochen

Es stimmt auch, dass Cola die Knochen schwächt. Manche sagen, es liegt am Phosphat, andere sagen, es liegt am Koffein. Eine Studie der Uni Harvard hat gezeigt, dass Sportlerinnen sich fünfmal so oft die Knochen brechen, wenn sie viel Cola trinken. Auch in Zukunft wird Coca-Cola also nicht nur das Geschäft der Zahnärzte, sondern auch der Orthopäden fördern. Experten von Goldman Sachs rechnen jedenfalls mit weiter wachsenden Geschäften des Konzerns. Cola-Junkies wird's freuen.

Mit einem Wert von unglaublichen 70,5 Milliarden Dollar ist Coca-Cola die wertvollste Marke in der Konsumgüterindustrie. Der Siegeszug der braunen Brause begann 1886 als der Arzt und Apotheker John S. Pemberton ein Tonikum erfand, das gegen Müdigkeit und Kopfschmerzen helfen sollte. Heute wird Coca-Cola weltweit getrunken, bis auf drei Ausnahmen: Die Limonade wird offiziell in Nordkorea, Myanmar und auf Kuba nicht verkauft. "Was Coca-Cola seit seinen Anfängen so einzigartig macht, ist die Werbung", sagt Mark Pendergrast, Autor der Firmenbiografie "Für Gott, Vaterland und Coca-Cola". Die Kampagnen seien originell, mit Gespür für den Zeitgeist. Bereits 1913 war Coca-Cola das am meisten beworbene Produkt in den USA.

In dieses Marketingrepertoire gehört auch der Hype um die geheime Formel der Kult-Brause. Alle Jahre wieder will ein Hobbyalchimist den Code geknackt haben; zuletzt im Februar 2011, als der US-Rundfunk NPR einen vermeintlichen Sensationsfund meldete. Coca-Cola dementierte, der Aktienkurs zog an - ein wohlorchestriertes Ritual.

"Was für eine Ehre für Coca-Cola, dass bis heute niemand den Geschmack kopieren kann", sagt der Firmen-Chefarchivar Phil Mooney. Und eigentlich, ergänzt Historiker Pendergrast, gehe es ja auch gar nicht um die Formel, sondern um den Mythos.

Kommentare (2)

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thorben

07.02.2012, 16:06 Uhr

Also vor knapp 4 Jahren konnte man auf Kuba in den Devisenläden auch coca cola kaufen. Da kostete die Dose zwar glaube ich runde 1,50€, aber zu gabs sie.

blackmac

07.02.2012, 17:29 Uhr

Ist mir unbegreiflich, wie man so einen Zuckershrott in sich reinkippen kann; na die meisten Dauerkonsumenten sehen auch entsprechend aus.

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