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04.06.2013

14:47 Uhr

Ergebnis einer Studie

Japans Autobauer hängen die deutsche Konkurrenz ab

Japans Autobauer überflügeln im Auftaktquartal die deutsche Konkurrenz. Experten meinen, dass diese Momentaufnahme nachhaltig sein könnte – und warnen, die Deutschen müssten wieder verstärkt mit Japan rechnen.

Ein Toyota-Modell in einem Showroom: Der Umsatz liegt nun höher als der von Volkswagen. Reuters

Ein Toyota-Modell in einem Showroom: Der Umsatz liegt nun höher als der von Volkswagen.

StuttgartErstmals seit 2008 ist Japans Autobauern ein besserer Start ins Jahr gelungen als der deutschen Konkurrenz. Trotz rückläufiger Verkäufe schafften die japanischen Hersteller im ersten Quartal 2013 mehr Umsatz und Gewinn - und arbeiteten dabei auch noch profitabler. Das geht aus in einer am Dienstag erschienenen Analyse der Stuttgarter Wirtschaftsprüfer und -berater von Ernst & Young hervor.

Zentrale Auslöser für die neue Zweitklassigkeit der deutschen Vorzeigebranche seien der schwache Yen - der ist günstig für Exporte - und Europas anhaltend brenzlige Absatzkrise. Doch darüber hinaus hätten Nippons Autobauer wichtige Abläufe nachhaltig verbessert.

Peter Fuß, Autoexperte und Partner bei Ernst & Young, erklärte: „Die japanischen Konzerne haben auch ihre Hausaufgaben gemacht: Hohe Qualitätsvorgaben, Effizienzoffensiven und eine intelligente Preispolitik zeigen nun Erfolge.“ Die deutschen Top-Konzerne müssten künftig mit den Wettbewerbern aus Japan wieder verstärkt rechnen. Nach der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise, die 2009 bei den Autobauern voll durchgeschlagen hatte, schloss sich in Japan 2011 die Dreifachkatastrophe aus Erdbeben, Tsunami und Atom-Desaster an.

Welche Autostandorte kostengünstig produzieren

Quelle

In der Studie „European Automotive Survey 2013“ haben die Wirtschaftsprüfer von Ernst&Young 300 europäische Unternehmen der Automotive-Branche befragt, wie sie die Produktionskosten der Automobilstandorte bewerten.

Platz 18

England

Obwohl Großbritannien als Vorreiter für liberalisierte Arbeitsmärkte gilt, werden die Produktionskosten in keinem europäischen Land schlechter bewertet. Nur fünf Prozent halten die Briten in dieser Kategorie für sehr wettbewerbsfähig, immerhin 13 Prozent noch für eher wettbewerbsfähig. Das sind 21 Prozentpunkte weniger als noch 2011.

Platz 17

Italien

Ähnlich schlecht schneiden die Italiener ab. In der Heimat von Ferrari und Fiat kreist der Sparhammer. Nur fünf Prozent halten das Land in punkto Produktionskosten für sehr wettbewerbsfähig, 13 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 16

Frankreich

Auch die Franzosen produzieren nach Ansicht der befragten Unternehmen zu teuer. Mittlerweile halten nur noch fünf Prozent das Land in Sachen Produktionskosten für sehr wettbewerbsfähig, 15Prozent halten die Franzosen für eher wettbewerbsfähig. Das sind insgesamt 19 Prozentpunkte weniger als 2011.

Platz 15

Schweden

Traditionell gehören die Lohnnebenkosten und Steuern in Schweden zu den höchsten in Europa. Das beschert den Skandinaviern einen schlechten Platz im Kostenranking. Sechs Prozent halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 16 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 14

Spanien

Spanien steckt in einer der größten Wirtschaftskrisen seiner jüngeren Geschichte. Trotzdem produziert die Autoindustrie des Landes noch zu teuer, meinen die befragten Unternehmen. Vier Prozent halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 21 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 13

USA

Die große Konsolidierungswelle ist über die USA hinweggefegt. Doch bei den Produktionskosten kann sich das Land damit immer noch keinen Spitzenplatz sichern. Für fünf Prozent sind die Amerikaner in punkto Produktionskosten sehr wettbewerbsfähig, für 23 Prozent eher wettbewerbsfähig.

Platz 12

Japan

Die Heimat von Toyota, Suzuki und Honda gilt als Geburtsstätte der effizienten Produktion. In zwei Jahren hat das Land in punkto Produktionskosten aber an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Sechs Prozent halten Japan für sehr wettbewerbsfähig, 22 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 11

Deutschland

Während die Deutschen bei Qualität, Produktivität und Innovation den Spitzenplatz belegen, schneiden sie bei den Produktionskosten nur mittelmäßig ab. Acht Prozent halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 21 für eher wettbewerbsfähig.

Platz 10

Russland

Ein gemischtes Bild hinterlassen die Russen im Kostenranking. Obwohl nur drei Prozent das Land für sehr wettbewerbsfähig halten, bewerten immerhin 34 Prozent die Russen als eher wettbewerbsfähig.

Platz 9

Türkei

Als Billigstandort der Automobilindustrie hat sich die Türkei etabliert. Allzu groß scheinen die Kostenvorteile allerdings nicht zu sein. Nur fünf Prozent bewerten das Land als sehr wettbewerbsfähig, immerhin 35 Prozent als eher wettbewerbsfähig.

Platz 8

Südkorea

Unter den führenden Autonationen belegen die Südkoreaner einen der oberen Ränge. Auch bei den Kosten reicht es immerhin für die Top Ten. Für acht Prozent aller befragten Automobilunternehmen ist das Land sehr wettbewerbsfähig, für 37 Prozent eher wettbewerbsfähig.

Platz 7

Brasilien

Für die Autokonzerne gilt das Land als Schlüssel zum südamerikanischen Kontinent. Insbesondere die strengen Importbestimmungen des Landes machen den Herstellern das Leben schwer. In punkto Kosten bewerten sechs Prozent das Land als sehr wettbewerbsfähig, 45 Prozent als eher wettbewerbsfähig.

Platz 6

Polen

Unter den günstigsten europäischen Standorten eröffnen die Polen die Spitzengruppe. Sieben Prozent halten das Land bei den Produktionskosten für sehr wettbewerbsfähig, satte 49 Prozent als eher wettbewerbsfähig.

Platz 5

Ungarn

Audi, Daimler und Suzuki haben ihre Werke in Ungarn nicht ohne Grund ausgebaut. Satte 11 Prozent aller befragten Unternehmen halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 46 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 4

Slowakei

Ähnlich gut sieht die Kostenstatistik der Slowaken aus. Für zehn Prozent ist das Land sehr wettbewerbsfähig, für 51 eher wettbewerbsfähig.

Platz 3

Tschechien

Das einzige europäische Land auf dem Treppchen und damit Kostenführer in Europa ist Tschechien. Acht Prozent halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 54 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 2

Indien

Unangefochten führend sind allerdings die wichtigsten Absatzmärkte. Für 34 Prozent aller befragten  Automobilunternehmen ist Indien in punkto Produktionskosten sehr wettbewerbsfähig, für 35 Prozent eher wettbewerbsfähig.

Platz 1

China

Mittlerweile wird jedes dritte Auto von Volkswagen in China produziert. Nicht ohne Grund. Kein Land der Welt wird von den Herstellern in punkto Kosten besser bewertet. Für 40 Prozent sind die Chinesen sehr wettbewerbsfähig, für 31 Prozent eher wettbewerbsfähig.

Erstmals seit fünf Jahren liegen die Japaner im Startquartal nun vor Deutschland. Bei leicht rückläufigen Verkäufen (minus 4 Prozent) gab es 111 Milliarden Euro Umsatz (plus 6 Prozent) und als Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) 7,66 Milliarden Euro, was 72 Prozent Plus sind. Dem stehen in der deutschen Vorzeigebranche 90 Milliarden Euro (minus 3 Prozent) Umsatz gegenüber. Dort fiel der Gewinn um 28 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro. Die Profitabilität im Umsatz-Gewinn-Verhältnis (Ebit-Marge) liegt in Japan mit 6,9 Prozent einen Punkt höher.

Im Vergleich Deutschland-Japan bleibt das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Riesen Toyota und Volkswagen besonders spannend. Mit 2 Prozent Plus auf 48,4 Milliarden Euro Umsatz konnte Toyota VW zum Jahresauftakt überholen. Die Wolfsburger Konkurrenz büßte im Vergleich zum Vorjahresquartal leicht um 2 Prozent ein und kam damit auf 46,6 Milliarden Euro Erlöse. Beim Verkauf von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen legte VW aber um 6 Prozent auf 2,1 Millionen Autos zu, während Toyotas Verkäufe um 5 Prozent auf 2,2 Millionen zurückgingen. Absatzkönig ist mit 2,4 Millionen (4 Prozent Plus) General Motors.

Die Ehre der deutschen Autoindustrie rettet übrigens BMW. Der Münchner Premiumhersteller verteidigt seine Position als Margenkönig und schafft mit 11,6 Prozent eine zweistellige Rendite. Erst mit klarem Abstand folgen Hyundai (8,7 Prozent) und Toyota (8,6 Prozent).

Von

dpa

Kommentare (13)

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realist

04.06.2013, 16:27 Uhr

............was soll diese Meldung? Es kommt doch darauf an, daß das Fahrzeug für den deutschen Autofahrer qualitativ wertig ge- und verarbeitet sein soll. Es muß sorgfältig verarbeitet sein. Es muß auch technisch in einem ausgezeichneten Zustand sein. Und so sollten wir uns nicht von unseren angestammten Prinzipien entfernen lassen und um die Wette zu produzieren. Made in Germany soll wieder eine Bedeutung haben und die hat es auch. Lassen wir doch die Japaner ihren Plunder machen, Ihren Industrieplunder. Wir müssen uns ausklinken, aus dem um jeden Preis machen zu wollenden Produktes. Es ekelt mich an, weil wir Deutschen uns in einen Zugzwang begeben, in den wir garnicht reingehören. Und so hoffe ich, daß wir uns nicht ganz und gar vergessen und uns vor den Karren spannen lassen, den anderen ziehen sollen, nicht wir.

theaterkritik

04.06.2013, 16:58 Uhr

wat'n Experte... Yen 30% runter und 1% (oder so) bessere Profitabilität? Nebenverdienst von der Elekroschrottmafia in Berlin?
Im Ernst: Japans Automobiltechnologie ist Ende der neunziger Jahre stehen geblieben und seitdem hören wir nichts weiter als die gebetsmühlenartige Hybrideuphiorie. Kalter Kaffee.

anacondafucker

04.06.2013, 18:30 Uhr

Toyota: Nichts ist unmöglich, außer Problemautos von Lohnsklaven zusammenschustern zu lassen. Soviel zu Made in Germany.
Haut morgen wieder richtig rein, dann reicht es vielleicht für ein `Qualitätsauto`.

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