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18.06.2011

14:07 Uhr

Ermittlungen nach Strafanzeige

Hausdurchsuchung bei Sanofi-Aventis

Wegen Unregelmäßigkeiten bei einer Hilfslieferung an Nordkorea ist der Pharmakonzern Sanofi-Aventis ins Visier der Fahnder geraten. Ein beauftragter Arzneimittel-Großhändler soll Medikamente unterschlagen haben.

Sanofi-Aventis ist wegen Medikamenten-Lieferung nach Nordkorea ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Quelle: ap

Sanofi-Aventis ist wegen Medikamenten-Lieferung nach Nordkorea ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten.

BerlinIm Zusammenhang mit Arzneimittel-Hilfslieferungen nach Nordkorea haben Ermittler beim Pharmakonzern Sanofi-Aventis Geschäftsräume in Frankfurt und Berlin durchsucht. Das teilte das Unternehmen am Samstag mit. Hintergrund ist demnach eine Strafanzeige, die Sanofi selbst vor einem Jahr gegen eine Partnerfirma gestellt hatte. Der Arzneimittel-Großhändler soll die von Sanofi zur Verfügung gestellten Medikamente nicht vollständig nach Nordkorea geliefert haben.

Aventis und die später fusionierte Sanofi-Aventis hatten nach eigenen Angaben von 2004 bis 2010 über die Hilfsorganisation „Viva Westfalen hilft e.V.“ Arzneimittel in den kommunistischen Staat gebracht. Wie eine Unternehmenssprecherin sagte, handelte es sich um große Mengen unterschiedlicher Präparate. Der Wert der Lieferungen erreichte nach ihren Angaben insgesamt Millionenhöhe. Der Großhändler habe bei der logistischen Abwicklung der Lieferung geholfen. Einen Namen nannte die Sprecherin nicht.

Mit dem Arzneimittel-Großhändler habe es einen für Hilfslieferungen zweckgebundenen Liefervertrag gegeben, hieß es in einer Unternehmensmitteilung. Die Strafanzeige habe man am 27. Juli 2010 gestellt, „weil es einen begründeten Verdacht gab, dass Arzneimittel-Hilfslieferungen nicht vollständig in das Bestimmungsland Nordkorea geliefert wurden“. Nach der Anzeige habe Sanofi die Geschäftsbeziehungen mit der Partnerfirma abgebrochen.

Wieso sich die Durchsuchungen nun gegen Sanofi selbst richteten, blieb zunächst unklar. Bei der Staatsanwaltschaft in Frankfurt am Main war nicht unmittelbar eine Stellungnahme zu erhalten. Die Unternehmenssprecherin wollte darüber nicht spekulieren. Sie betonte nur, Sanofi arbeite mit den Ermittlern zusammen und sei froh, dass das Verfahren zu der Anzeige von damals in Gang gekommen sei. Auch bei „Viva Westfalen hilft“ war zunächst niemand zu erreichen.

Der deutsch-französische Konzern Sanofi-Aventis ist eines der größten Pharmaunternehmen weltweit und hat nach eigenen Angaben mehr als 105.000 Mitarbeiter in 110 Ländern. Der Hauptsitz in Deutschland ist Frankfurt am Main. Der deutsche Ableger erwirtschaftete nach eigenen Angaben in vergangenen Jahr 4,7 Milliarden Euro Umsatz.

Von

dapd

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