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22.10.2012

12:21 Uhr

Erneuerbare Energien

Bei Siemens geht die Sonne unter

VonDana Heide, Axel Höpner

Noch vor kurzem galt es als Zukunftshoffnung, jetzt zieht sich Siemens aus dem Solargeschäft komplett zurück. Wasser- und Windenergie sollen das Image des "grünen Konzerns" retten.

Das Logo von Siemens. Reuters

Das Logo von Siemens.

„Bei Siemens scheint künftig die Sonne“, hatte Konzernchef Peter Löscher noch im Herbst 2009 die Übernahme der israelischen Solarfirma Solel Solar Systems gefeiert. Doch nun steht die Solarsparte des Konzerns vor einer Sonnenfinsternis. Siemens steigt aus der Solartechnik aus. Im Zuge des anstehenden Sparprogramms solle das Geschäft verkauft werden, teilte der Konzern am Montag mit. Bei den erneuerbaren Energien werde sich das Unternehmen künftig auf Wind- und Wasserkraft konzentrieren, hieß es. Die Erwartungen an die Solarenergie hätten sich nicht erfüllt.

Der Bereich Solar & Hydro, der nun aufgelöst werden soll, beschäftigte zuletzt 800 Mitarbeiter, davon 200 in Deutschland. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erzielte er einen Umsatz im niedrigen dreistelligen Millionenbereich.

Der Konzern hatte sich vor allem auf den Bereich Solarthermie konzentriert. Bei dieser Technik wird mit Hilfe der Sonnenstrahlen Wasser erhitzt, sodass es verdampft. Der Dampf treibt dann Generatoren an, die Strom erzeugen. Bei der Photovoltaik-Technik wird hingegen direkt mit den Sonnenstrahlen Strom produziert, der dann ins Netz eingespeist werden kann.

Für die Betreiber dieser Anlagen winken durch die Förderung der Erneuerbaren Energien hohe Vergütungssätze.

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Obwohl die Photovoltaik-Industrie derzeit mit Überkapazitäten und Preisverfall kämpft, wird der Markt langfristig weiter wachsen. Der europäische Photovoltaik-Industrieverband EPIA schätzt, dass der weltweite PV-Markt bis 2016 auf 38,8 bis 77,3 Gigawatt (GW) wächst. Im Vergleich dazu sieht es auf dem Markt für Solarthermie düster aus.

„Der globale Markt für Solarthermie ist von vier Gigawatt auf zuletzt etwas über ein Gigawatt zurückgegangen. Hier werden künftig Spezialanbieter ihre Stärken ausspielen können“, sagte Michael Süß, Mitglied des Vorstands von Siemens und Chef des Sektors Energy.

Im Herbst 2009 war man bei Siemens noch voller Hoffnung. „Durch den Kauf des israelischen Unternehmens Solel sind wir technologischer Weltmarktführer für Solarthermie“, sagte Löscher noch Ende 2009. Und auch der damalige Bundespräsident Christian Wulff war voll des Lobes: „Was man hier sieht, ist Weltspitze und eine wirkliche Investition in die Zukunft“, sagte er bei einem Besuch in Israel.

Was damals noch niemand wusste: Siemens hatte auf das falsche Pferd gesetzt.

Kommentare (40)

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Vicario

22.10.2012, 11:11 Uhr

Nachdem die Chinesen den Markt quasi vereinnahmt haben und die Politdilettanten die Subventionen zurückschrauben mussten, steigt natürlich auch Siemens aus...??!! Die Steuergelder fließen wohl nicht mehr so üppig ? Die werden auch noch aus dem Windradgeschäft aussteigen, spätestens 2013, nachdem das Volk die Nomenklatura abgewählt hat und die abzockende, verbrecherische Energiewende gestoppt hat.
Deutschland leistet sich als einziges Land auf dem Globus eine Verdoppelung seiner Stromerzeugungskapazität und seiner Stromnetze, die es sich nicht leisten darf. Statt nur die erforderlichen 100 Prozent des deutschen Strombedarfs zu decken, ist die Erzeugungskapazität auf 200 Prozent ausgerichtet. Nach wie vor und stets nämlich müssen herkömmliche Kraftwerke bereitstehen, um mit Strom einzuspringen, wenn Wind und Sonne ausfallen. Mit immer mehr Windkraft-, Voltaik und Biogasanlagen müssen daher stets auch zusätzlich herkömmliche Kraftwerke gebaut werden. Obendrein erzwingt dieser vorgebliche „Ökostrom“ ein weiteres Stromleitungsnetz mit zusätzlicher aufwendiger Regelungstechnik. Diese Politik ist unverantwortlich. Mit ihr setzt Deutschland seine Wirtschaftskraft, seinen Wohlstand und seine politische Stellung aufs Spiel.

vandale

22.10.2012, 11:21 Uhr

Interessant ist das Eingeständnis von Siemens den falschen Weg in dieser durch Subventionsschematas bestimmten
Solarbranche eingeschlagen zu haben.

Die Photovoltaik hat durch die enorme Preisreduktion ausgelöst durch die Produktionsverlagerung nach Asien der Solarthermie den Rang abgelaufen.
Dass sich solarthermische Kraftwerke besser in einem Stromnetz nutzen lassen als man die Wärme für ein paar Stunden speichern kann, wird in den Subventionsregeln regelmässig nicht abgebildet.

Die Windbranche wird vorraussichtlich gleichfalls früher, oder später in Schwierigkeiten schlittern. Einerseits beherrschen Hersteller aus China und Indien diese wenig komplexe Technologie immer besser und werden zu aggressiveren Konkurrenten. Möglicherweise kommen in ein paar Jahren die wesentlichen Komponenten dieser ökoreligiösen Gebilde aus Asien. Zum Anderen dürften den Altindustriestaaten früher, oder später die Mittel für die Subventionen dieser rein religiös motivierten "Energieerzeuger" knapp werden.

Vandale

Jens

22.10.2012, 11:25 Uhr

Also wenn ich so eine Polemik lese, dreht sich mir der Magen um. Klar ist aller Anfang schwer. Aber gebremst wird ja wohl mehr von rückschrittlichen Technologien wie Kernkraft oder Kohle, die durch die Behinderung des Netzausbaus ihre "Cashcows" schützen wollen...

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