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24.04.2012

18:08 Uhr

Erneuerbare Energien

EEG-Umlage könnte um bis zu einem Drittel steigen

VonKlaus Stratmann

ExklusivDie Förderung der erneuerbaren Energien könnte die Netzbetreiber teuer zu stehen kommen. Die EEG-Umlage, mit der die Unternehmen alternative Energien fördern, soll erneut stark erhöht werden.

Die Umlage für erneuerbare Energien soll steigen. dpa

Die Umlage für erneuerbare Energien soll steigen.

BerlinDie Umlage für die Förderung der erneuerbaren Energien wird im kommenden Jahr nach Informationen des Handelsblatts (Mittwochsausgabe) aus dem Umfeld der Übertragungsnetzbetreiber drastisch steigen. Man stelle sich auf eine Spanne „zwischen 4,8 bis 5,2 Cent“ je Kilowattstunde Strom ein, hieß es. Derzeit beträgt die Umlage 3,59 Cent. Eine Erhöhung auf 4,8 Cent entspräche einem Anstieg um 33 Prozent. Damit würde sich die kumulierte Erneuerbare-Energien-Gesetz-Umlage von 13 Milliarden Euro im vergangenen Jahr erneut stark erhöhen. Die Umlage wird von allen Stromverbrauchern gezahlt. Ausnahmen gelten für große Verbraucher aus der Industrie.

Die Übertragungsnetzbetreiber, die die Höhe der Umlage ermitteln, bestätigen die Zahlen auf Anfrage nicht. Sie verweisen darauf, dass die Festlegung der Umlage für 2012 erst im Oktober ansteht. Allerdings arbeiten die Unternehmen an Schätzungen: Man nehme derzeit „neue Berechnungen auf Grundlage der geänderten Rahmenbedingungen vor, um schon vor dem Sommer zu wissen, wohin die Reise geht“, hieß es etwa beim Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz. Es bestehe „erheblicher Druck“, die Umlage zu erhöhen.

Gründe dafür seien etwa der rasche Zubau der Photovoltaik, die hohe Windenergieeinspeisung in den vergangenen Monaten sowie das Marktprämienmodell, das zum Jahreswechsel eingeführt wurde. Es honoriert den Versuch von Anlagenbetreibern, den produzierten Strom selbst zu vermarkten statt die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz zu kassieren. Allerdings wird der Versuch mit einer Managementprämie belohnt, die die Kosten weiter in die Höhe treibt.

Ein starker Anstieg der EEG-Umlage würde die Bundesregierung in Bedrängnis bringen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte Mitte vergangenen Jahres im Zusammenhang mit den Beschlüssen zur Energiewende zugesagt, die EEG-Umlage würde auf Dauer den Wert von 3,6 Cent nicht überschreiten.

Die Entwicklung der EEG-Kosten dürfte auch eines der Themen bei der Gründung der „Plattform Erneuerbare Energien“ sein, zu der Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) am Mittwoch Vertreter der Branche der erneuerbaren Energien, von Bund, Ländern, Städten und Kommunen, Netzbetreibern und der konventionellen Energiewirtschaft einlädt. Zentrale Aufgabe der neuen Plattform soll die Verzahnung der Planungen für den Netzausbau mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien, die Marktintegration der erneuerbaren Energien und ihr Zusammenwirken mit den konventionellen Energieträgern sein.

Kommentare (16)

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EEG_fuer_Reiche

24.04.2012, 18:48 Uhr

Richtig so. Der Otto-Normalverbraucher muss die Welt retten. Und dafür muss er bluten. Die Industrie wird subventioniert, weil sie sonst mit Abwanderung droht. Es wird soweit kommen, dass der Privatverbraucher in der Spitzenbelastungszeit keinen Strom mehr bekommt. Oder dann nur noch zum doppelten bis zehnfachen Preis. Waschmaschinen, Spülmaschinen, Trockner usw. laufen dann nur noch nachts. Tagsüber Lärm und Stress in der Firma und nachts Lärm in den eigenen vier Wänden. Gegen Mieter wird geklagt, weil sie die Nachtruhezeiten nicht einhalten. Gegen Vermieter wird geklagt, dass sie separate schallgedämmte Räume für Waschmaschinen u. Trockner einrichten sollen. Das Leben wird bald nur noch für Reiche lebenswert und bezahlbar sein. Widerstand ist nicht in Sicht. Alle plappern den Klimwandel-Schwachsinn nach.
Gut, dass ich keine Kinder in die Welt gesetzt habe. Wenn ich in 10 Jahren meinen Strom nicht mehr bezahlen kann, dann weiß ich wenigsten, dass ich keine Kinder habe, die ihren Strom schon mit 20 nicht mehr bezahlen können. Nur ich selbst bin der Abzock-Politik ausgesetzt. Da ich über 40 bin, hält sich aber der mir noch bevorstehende Zeitraum, in dem ich abgezockt werde in Grenzen. Es lebe die Energiewende. Es heißt doch immer so schön: "Die Sonne schickt keine Rechnung". Aber das EEG schickt auf alle Fälle eine Rechnung.

Subventionsorgie

24.04.2012, 19:02 Uhr

Kein Politiker redet gerne über Mißerfolge; besser ist hier: Schweigen ist GOLD, Reden ist Silber. Also wird lieber vornehm geschwiegen. Erst leistet man eine "Viele Milliarden Euro" Subventionshilfe für die chinesische Solarmodul-Industrie, macht die deutsche Solarmodulindustrie subventionssüchtig (bei fehlender Wettbewerbsfähigkeit) und leistet sich massiv üppige Einspeisungsgutschriftskonditionen, mit ultralanger Laufzeit. Landwirte wittern das Solargold auf dem Acker und vermögende Hausbesitzer lassen sich ihre Dächer vergolden ... mit wenig effizienter Solartechnik gegenüber der sehr viel effizienteren Windkraft.

Solarmodule sind wichtig - aber es sollte freiwillig installiert werden. Es ist vollkommen unverständlich, warumm staatl. Stellen nicht Subventionszeiträumen auf einen Zeitraum von Anfang an eingrenzen. Warum lassen sich Politiker in Subventionserpressungsfallen hineinlocken ? Warum schafft es eine Lobbygruppe den Solarstrom so viel üppiger zu subventionieren und den viel effizienteren Windstrom nicht ?

Und was macht die CDU ... stimmt der Subventionsorgie zu (da viele Landwirte u. Eigenheimbesitzer auch Wählerklientel sind) u. das Thema bei jungen Wählern gut ankommt. Also ... Jobs weg, Strom teurer, Module "made in China" kaufen und über Jahre Strompreisexplosionen. Ach ja ... und Stromleitungen sind für Windkraftanlagen im Norden nicht ausreichend vorhanden; nach den Wahlen, wird man es den Bürgern auch verkaufen müssen, den Strom noch teurer zu machen, um die Milliardenkosten der neuen Stromnetzte zu finanzieren. Und wenn der Strom so richtig teuer ist, braucht auch nicht mehr subventioniert zu werden - das ist die innere Logik.

Die Wirtschaftspolitik ist merkwürdig ideologisiert, und die Haushalte noch immer auf Neuschulden geschaltet (trotz der guten Wirtschaftslage und Steuereinnahmen). Exporte werden abnehmen und Importe zunehmen - die Zukunft wird sich zunehmend eintrüben, mit noch höherer Schuldenaufnahme.

SteuerKlasseEins

24.04.2012, 19:39 Uhr

Die Idee eines Smart Grid mit billigerem Strom nachts und teurerem Strom tagsüber ist nicht schlecht - man hat ja dann die Wahl wann man den Strom, zu welcher Zeit, zu welchem Preis abnimmt. Damit würden sich das System von alleine optimieren.

Das Problem ist daß der Strom allgemein teurer wird, wegen dem Öko-Irrsinn:
Während der "kleine Mann" die meiste Zeit zuhause ist (keine Zeit/Geld für Reisen oder ständig auszugehen) und demzuvolge einiges an Strom verbraucht (PCs, Fernseher, Heizlüfter usw.), und seine Stromrechnung immer mehr vom sinkenden Reallohn auffrisst...

...währenddessen fährt der gutverdienende Hausbesitzer mit seinem Auto vor seinem Haus vor, auf das er - auf Kosten der Stromkunden - ein Solardach montieren hat lassen, und von dem er sich eine "Rendite" erhofft, die ihm die Volksparteien sogar auf 20 Jahre garantiert haben. Er hat auch eine nagelneue energiesparende Waschmaschine, sparsamen LED-Fernseher, moderne Wärmedämmung, und braucht sich keine Sorgen zu machen, die Nachbarn nachts mit der Waschmaschine zu stören. Darüberhinaus fährt er lange und ausgiebig in Urlaub und geht ständig aus, und ist fast nie zuhause. Sein Stromverbrauch entspricht damit der energispar-Planwirtschaft der Regierung.

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