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19.04.2012

15:02 Uhr

Erneuerbare Energien

Ökoenergie-Branche verfällt in Depressionen

Der Sektor hat im vergangenen Jahr deutlich weniger investiert als zuvor - trotz Fukushima und Atomausstieg. Im laufenden Jahr ist die Stimmung noch düsterer. Vor allem die Solarsparte hält ihr Geld beisammen.

Ein Mann befreit bei Burgkirchen seine Solaranlage auf dem Dach vom Schnee. dapd

Ein Mann befreit bei Burgkirchen seine Solaranlage auf dem Dach vom Schnee.

BerlinUngewisse Aussichten trüben die Investitionslaune in der deutschen Ökoenergiebranche deutlich. Mit 2,8 Milliarden Euro wurde 2011 trotz der Atomkatastrophe von Fukushima und der Kehrtwende der Bundesregierung rund eine Milliarde Euro weniger in neue Herstellungskapazitäten im Strombereich investiert als 2010. Für 2012 wird einer am Donnerstag in Berlin präsentierten Branchenbefragung zufolge ein weiterer Rückgang auf 2,4 Milliarden Euro erwartet. Besonders in der Solarbranche gehen die Investitionen zurück - der Konkurrenzdruck aus China hat schon zu mehreren Insolvenzen geführt.

Harald Uphoff, Geschäftsführer des Bundesverbands Erneuerbare Energien (BEE), betonte, entgegen der landläufigen Meinung könne von Aufbruchstimmung keine Rede sein. „Das Investitionsklima hat sich verschlechtert.“ Der Eindruck, der Laden müsse wegen der Energiewende brummen, sei falsch.

So fehlten auch Absatzmöglichkeiten im Ausland, zudem herrsche bei Investitionen im Wärmebereich Zurückhaltung, weil Bund und Länder sich immer noch nicht über einen möglichen Steuerbonus für energetische Gebäudesanierungen einigen konnten. Insgesamt seien die politischen Rahmenbedingungen nicht ideal.

Nimmt man den Wärmebereich, wo 2011 nur 204 Millionen Euro investiert worden sind, und den Biokraftstoffsektor hinzu, gingen die Investitionen in neue Produktionskapazitäten von 4,1 Milliarden Euro im Jahr 2010 auf 3,1 Milliarden 2011 zurück. Für 2012 werden bei Strom, Wärme und Biokraftstoffen Investitionen in neue Fertigungsstätten von nur 2,7 Milliarden Euro erwartet.

Einen besonders starken Einbruch gibt es im Solarbereich. Hier graben chinesische Unternehmen, die meist neuere Anlagen haben und billiger produzieren können, der Branche das Wasser ab. Zu Beginn der Woche kündigte das US-Unternehmen First Solar an, sein Werk in Frankfurt/Oder mit 1200 Beschäftigten zu schließen. Wurden von der Solarbranche 2010 noch 1,7 Milliarden Euro investiert, waren es 2011 1,05 Milliarden - in diesem Jahr könnten es nur noch 671 Millionen Euro sein.

Für den Investitionsklimaindex wurde 1856 Ökoenergie-Unternehmen von dem Marktforschungsinstitut EuPD Research befragt, die Antwortquote lag bei knapp 14 Prozent. Bisher arbeiten in der Branche rund 380.000 Menschen. Die Regierung strebt bis 2020 eine Erhöhung des Ökostromanteils von 20 auf mindestens 35 Prozent an. Allerdings sollen die Verbraucher, die die Ökoförderung über den Strompreis zahlen, nicht über Gebühr belastet werden. Daher war zum 1. April die Solarförderung je nach Anlage um bis zu 30 Prozent gekappt worden.

Von

dpa

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