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12.08.2011

16:26 Uhr

Ernst & Young-Studie

Wachstum bei Dax-Konzernen schwächt sich ab

Die ganz große Sause ist vorbei. Die Schwergewichte der deutschen Wirtschaft legten im zweiten Quartal bei Umsatz und operativem Gewinn zwar weiter zu - aber lange nicht so satt wie zum Jahresstart.

Der Pharma- und Chemiekonzern Merck schrieb im zweiten Quartal rote Zahlen. Quelle: dpa

Der Pharma- und Chemiekonzern Merck schrieb im zweiten Quartal rote Zahlen.

StuttghartDas Wachstumstempo der Dax-Konzerne hat sich nach einem fulminanten Start ins Jahr deutlich verlangsamt. Die Riesen auf dem Börsenparkett steigerten zwar im zweiten Quartal 2011 den Umsatz durchschnittlich um acht Prozent und den operativen Gewinn um zwölf Prozent. Im ersten Quartal hatten Umsatz (plus 12 Prozent) und Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) (plus 61 Prozent) aber noch deutlich stärker zugelegt. Das geht aus einer Studie des Beratungs- und Prüfungsunternehmens Ernst + Young hervor, die der Nachrichtenagentur dpa am Freitag in Stuttgart vorlag.

Die Analyse vergleicht zentrale Kennzahlen aus dem zweiten Quartal von im Leitindex notierten Unternehmen mit dem Vorjahreszeitraum. Demnach fuhren die Schwergewichte der deutschen Wirtschaft von April bis Juni 2011 mit 26,1 Milliarden Euro zusammengerechnet sogar weniger operativen Gewinn ein als ein Jahr zuvor (28,6 Mrd Euro). Grund dafür sind der Analyse zufolge vor allem die starken Einbrüche beim Energiekonzern RWE (minus 84 Prozent) und der Commerzbank (minus 77 Prozent). Der Umsatz summierte sich auf 301,4 Milliarden Euro (Vorjahr: 278,3 Mrd Euro).

„Im zweiten Quartal dieses Jahres konnten die Dax-Konzerne von der nach wie vor starken Wachstumsdynamik in Deutschland und einigen ausländischen Märkten - allen voran China - profitieren“, sagte Thomas Harms, Partner bei Ernst & Young. Gleichzeitig deuteten die Zahlen aber schon auf eine Abschwächung des Aufschwungs hin. „Zum einen sehen wir jetzt die längst erwartete Normalisierung der Entwicklung, die sich schon aus dem Auslaufen der Nachholeffekte ergibt - der Boom hat seinen Zenit überschritten“, sagte Harms. „Zum anderen sind in den vergangenen Monaten die Konjunkturrisiken deutlich größer geworden: Vor allem die Schuldenkrisen in Europa und den USA führen zu einer erheblichen Verunsicherung der Investoren.“

Vor allem die Autobauer glänzten im zweiten Quartal. VW, BMW und Daimler fuhren die höchsten operativen Gewinne ein und konnten auch beim Umsatz punkten. Besonders starke Zuwächse beim EBIT verzeichneten die Deutsche Post und Infineon. Zehn Dax-Konzerne, darunter der Energieversorger RWE und die Commerzbank, verbuchten dagegen niedrigere operative Gewinne. Der Energieriese Eon und der Pharma- und Chemiekonzern
Merck schrieben rote Zahlen. Sechs der Schwergewichte setzten weniger um als vor einem Jahr, 22 Unternehmen verzeichneten ein Erlösplus. Den stärksten Zuwachs vermeldeten Eon (plus 35 Prozent) und Volkswagen (plus 22 Prozent).Die stärksten Rückgänge hatten die Telekom (minus sieben Prozent) und die Deutsche Börse (minus 6 Prozent) zu verkraften.

Die Zahl der Mitarbeiter weltweit stieg leicht um zwei Prozent auf knapp 3,8 Millionen. Dieser Anstieg ist der Analyse zufolge aber zum Teil auf Zukäufe zurückzuführen. 13 der 30 Dax-Konzerne beschäftigten Ende Juni sogar weniger Menschen als ein Jahr zuvor. Besonders der Sportartikelhersteller Adidas (plus 14 Prozent) und der Softwarekonzern SAP (plus 13 Prozent) vergrößerten ihre Belegschaften. Deutlich weniger Mitarbeiter als vor einem Jahr hatten der Konsumgüterspezialist Beiersdorf (minus 18 Prozent) und Eon (minus acht Prozent). Der Energieriese hatte zuletzt auch mit seinen Überlegungen zum Abbau von weltweit bis zu 11 000 Stellen große Sorgen ausgelöst.

Für das seit eineinhalb Monaten laufende dritte Quartal rechnen die Experten von Ernst & Young damit, dass die Wachstumsdynamik weiter abflaut. Die ungelöste Dollar- und Euro-Krise bleibe ein potenzieller Risikofaktor und bremse die Zuversicht der Unternehmen. Aber: „Die Auftragsbücher sind gut gefüllt, und die Weltwirtschaft steht heute auf einem deutlich stabileren Fundament als zu Beginn der Finanzkrise im Jahr 2008“, sagte
Harms. „Die Megatrends - etwa der Aufstieg der Schwellenländer - bleiben intakt und versprechen mittelfristig weiterhin gute Perspektiven für die deutsche Wirtschaft.“

Von

dpa

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