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17.06.2013

10:30 Uhr

Eröffnung Paris Air Show

Das Kräftemessen der Luftfahrtriesen

VonTobias Döring

Es ist das große Duell der Luftfahrtmesse in Paris: die neue Airbus A350 gegen den 787 Dreamliner von Boeing. Pannen beim Dreamliner verhelfen Airbus zu glänzenden Geschäften. Doch der Erfolgsdruck ist hoch.

Jungfernflug erfolgreich absolviert: Die neue A350 von Airbus wird zum großen Rivalen für Boeings Kassenschlager 777 und 787. dpa

Jungfernflug erfolgreich absolviert: Die neue A350 von Airbus wird zum großen Rivalen für Boeings Kassenschlager 777 und 787.

ParisKommt er kurz geflogen oder bleibt er in Toulouse? Das ist die Frage, die Publikum und Aussteller bei der Eröffnung der 50. Pariser Flugschau beschäftigt. Zwar stellen mehr als 2.200 Unternehmen aus 44 Ländern ihre Produkte in Le Bourget vor, doch der Langstreckenjet A350 von Airbus dürfte die meiste Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Wenn er denn kommt, werden die Manager des Konkurrenten Boeing den Auftritt vermutlich besonders kritisch beäugen.

Das neue Langstreckenflugzeug des europäischen Erzrivalen Airbus soll die Lüfte erobern – und wenn es nach den Messemachern geht auch den Himmel über Paris. Bereits am Freitag hatte die Tochter des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS mit einem medialen Großaufgebot den Jungfernflug des A350-Jets ab dem Werk in Toulouse inszeniert. „Ich könnte mir vorstellen, dass er über Le Bourget fliegt“, sagte EADS-Chef Tom Enders.

Erst Anfang vergangener Woche hatte „Major Tom“ die Startfreigabe erteilt. Enders und Airbus-Chef Fabrice Brégier wollten sich diesen Coup gegenüber Boeing offenbar nicht entgehen lassen. Der Erstflug war in den Monaten zuvor stets für „Mitte des Jahres“ avisiert worden. „Es ist einfach fantastisch“, jubelte Brégier danach.

Die größten Bestellungen der A350 (Stand: Ende Mai 2013)

Hongkong Airlines

Hongkong Airlines und die amerikanische Cit-Leasing bestellten jeweils 15 der mittellangen Airbus-Maschinen des Typs A350-900. Die teuerste Variante des Jets steht mit rund 250 Millionen Euro in der Preisliste.

ILFC

Die ILFC aus Los Angeles bestellte sechs Exemplare des Kurzmodells A350-800 und 14 weitere Flugzeuge vom Typ A350-900.

US-Airways

US-Airways und die russische Aeroflot bestellten jeweils 18 Modelle des Typs A350-800 und vier Exemplare der etwas längeren A350-900.

United Airlines

United Airlines aus Chicago bestellten zunächst 25 Modelle der mittellangen A350-900, ebenso viele Flugzeuge, allerdings darunter auch fünf Exemplare der Langversion A350-1000 bestellte die Air Lease Corporation aus Los Angeles.

TAM Airlines

Die sechstgrößte Bestellung reichte mit einer Order über insgesamt 27 Modelle der Airbusmaschine A350-900 die Linie TAM aus Brasiliens einwohnerreichsten Stadt Sao Paulo ein.

Asiana Airlines

Insgesamt 30 Flugzeuge wollen sie bei Asiana Airlines in Seoul: Acht Kurzmodelle, also die A350-800, zwölf A350-900-Maschinen und zehn Langversionen vom Typ A350-1000.

Cathay Pacific

Rang vier in der Liste der größten Orders belegen Cathay Pacific. Die Airline aus der chinesischen Provinz Guangdon will 20 der A350-900-Modelle und 26 der Langversionen A350-1000.

Singapore Airlines

Auch Singapore Airlines geht in die Vollen: Die Fluggesellschaft bestellte 40 Modelle der A350-900 – mit der Option, die Order in A350-1000 umzuwandeln.

Emirates

Die Fluggesellschaft Emirates aus Dubai handelt, wie man es von Akteuren aus dem arabischen Emiraten gewohnt ist: In großen Dimensionen. Sie bestellt 50 Modelle der mittellangen Version A350-900 und zusätzlich 20 weitere Flugzeuge vom Typ A350-1000.

Qatar Airways

Unangefochtene Nummer eins bei den Orders ist Qatar Airways. Für 43 Modelle der A350-900 und 37 Modelle der Langversion A350-1000 haben die Funktionäre des im katarischen Doha sitzenden Unternehmens Bestellungen aufgegeben. Nach Listenpreisen würde Qatar 5,6 Milliarden Euro für die Maschinen zahlen.

Das wichtigste Ausrufezeichen ist also bereits vor dem heutigen Beginn der Paris Air Show gesetzt. Damit ist es nicht mehr entscheidend, ob Airbus dem Erstflug auch eine Premierenrunde über Le Bourget folgen lässt – auch wenn der Flugzeughersteller damit das Titelbild der Messe liefern würde.

Ob Überflug oder nicht, eins ist auch so klar: Die neue A350 wird zum großen Herausforderer für Boeings Kassenschlager 777 und 787. Die Amerikaner haben immer noch mit den Problemen der 787 Dreamliner zu kämpfen – Milliardenverluste belasten sie bis heute. Zuletzt setzten ihnen die im Wundervogel verbauten Lithium-Ionen-Batterien arg zu. Ein durch überhitzte Akkus verursachter Brand im Januar zog ein mehrmonatiges Flugverbot nach sich, es gab einen Auslieferungsstopp. Erst seit Mai dürfen die Maschinen wieder starten. „Boeing hat den Dreamliner zu schnell auf den Markt gebracht“, urteilt Luftfahrt-Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler.

Und noch immer holpert es. Darunter haben vor allem die japanischen Stammkunden zu leiden. In der vergangenen Woche musste zunächst ein Dreamliner der Japan Airlines (JAL) auf dem Flug nach Singapur umkehren, weil es ein Problem mit der Enteisungsanlage der Triebwerke gab. Keine 24 Stunden später konnte eine Maschine der All Nippon Airways (ANA) nicht Richtung Tokio abheben, da das rechte Triebwerk nicht funktionierte. Auch viele andere Dreamliner-Airlines fragen sich inzwischen: Hören die Probleme denn nie auf?

Kommentare (3)

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Beobachter

17.06.2013, 10:41 Uhr

Es gibt Überlegungen die EADS in Airbus umzutaufen. Nun gut das wäre nicht schlecht aber warum nicht gleich eine europäische Unternehmensform?
Anstatt der niederländischen EADS B.V. und der französischen Airbus SAS einfach die Airbus SE gründen, mit juristischen Sitz in den Niederlanden. Auch wenn die EADS Führung nach Toulouse zieht, sollte der juristische Sitz in einem "neutralen" Land bleiben.

Gast

17.06.2013, 12:09 Uhr

Sieht man sich die "Leidensgeschichten" beim A380 und beim A400M an, dann sollte man mal abwarten wann und wie der A350 tatsächlich ausgeliefert wird. Das kann sich alles noch gaaanz lange ziehen. Bei Boeing wird die Produktion am Jahresende auf 10 Dreamliner im Monat hochgezogen und es kommt bereits die verlängerte Version in die finale Phase. Die Akku-Probleme waren ärgerlich, scheinen aber behoben. Da ist jetzt freie Fahrt angesagt.

Hans

17.06.2013, 12:29 Uhr

Als das mit den Verkäufen mit den B787 nicht so klappte, soll Boeing einfach die ganz große Rabattkeule rausgeholt haben. Flugs konnte sich Boeing nicht vor Aufträgen retten. So etwas wird EADS mit den A350 sicherlich auch gemacht haben. Da lief es ja eine Zeit gar nicht gut. Sobald die Produktion des A350 anläuft, wird EADS wohl wie Boeing auch schnell merken, dass damit kein Geld zu verdienen ist. Aber die Boeing Margen beim B777 dürften mit der A350 Konkurrenz ziemlich dahin schmelzen.

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