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07.08.2012

14:52 Uhr

Erste Gebote noch niedrig

Patentverkauf bei Kodak läuft schleppend an

Mit dem Verkauf seiner Patente will der insolvente Fotofilmhersteller Kodak Geld für einen Neustart verdienen. Die ersten Angebote von Apple und Google sind einem Medienbericht zufolge jedoch noch nicht besonders üppig.

Fotofilmdosen: Der Verkauf seiner Patente ist für Kodak überlebenswichtig. dpa

Fotofilmdosen: Der Verkauf seiner Patente ist für Kodak überlebenswichtig.

New YorkBei der für Kodak überlebenswichtigen Patentauktion sind Apple und Google laut einem Zeitungsbericht nur mit niedrigen Geboten ins Rennen gegangen. Die ersten Preisvorschläge lägen bei 150 bis 250 Millionen Dollar, schrieb das „Wall Street Journal“ am Dienstag unter Berufung auf informierte Personen. Kodak hatte den Wert des Pakets aus rund 1100 Patenten zuvor auf bis zu 2,6 Milliarden Dollar geschätzt. Der insolvente Fotopionier braucht das Geld dringend für einen Neustart und muss auch noch die Gläubiger auszahlen.

Die Bieter glaubten entgegen den Vorstellungen von Kodak, am Ende kaum mehr als 600 Millionen Dollar bezahlen zu müssen, hieß es im „Wall Street Journal“. Solche Äußerungen könnten aber auch zur Auktionstaktik gehören. Apple und Google stehen in dem erbitterten Patentkrieg der Mobilfunk-Branche auf unterschiedlichen Seiten, daher wird allgemein mit einem heftigen Bieterwettstreit gerechnet.

Absteiger Kodak

Filmriss droht

Niedergang, Pennystock, Insolvenzgerüchte: Kodak geht es so schlecht wie noch nie. Wie konnte es dazu kommen: 130 Jahre Unternehmensgeschichte im Zeitraffer.

Die Gründung

1881 gründet der Amerikaner George Eastman zusammen mit Henry Strong die Eastman Dry Plate Company, aus der elf Jahre später Eastman Kodak hervorgeht. Zunächst stellt das Unternehmen trockene Fotoplatten her.

Die erste Kamera

1888 kommt die erste Kodak-Kamera auf den Markt. Dank der 1900 eingeführten „Kodak Brownie“ wird Fotografieren massentauglich, die Kamera zum Preis von einem US-Dollar ist für jeden Hobbyfotografen erschwinglich.

Der Farbfilm

1935 bringt Kodak den ersten für Hobbyfotografen geeigneten Farbfilm auf den Markt.

Die Digitalkamera

1975 entwickelt der Ingenieur Steven Sasson die erste Digitalkamera für Kodak.

Kampf gegen Polaroid

1986 verliert Kodak einen Rechtsstreit um die Sofortbildkamera gegen Konkurrent Polaroid. Das führt neben einer Strafe in Milliardenhöhe zu einem bedeutenden Imageverlust und gilt als Wendepunkt in der Geschichte des Foto-Riesen.

Rekordzahlen

1991 erzielt das Unternehmen einen Rekordumsatz von 19,4 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig bringt Kodak mit der „DC-100“ die erste Digitalkamera in den Handel. Massentauglich ist sie nicht – das Modell kostet 25 000 Mark.

Konzentration auf digitalen Markt

2004 stellt Kodak den Verkauf von Kleinbildkameras ein, um sich ganz auf den digitalen Markt zu konzentrieren.

Die Krise

2011 schreibt Kodak das vierte Jahr in Folge rote Zahlen.

Nach bisherigen Medienberichten führt Google in der am Mittwoch beginnenden Auktion eine Koalition des Android-Lagers mit Samsung, HTC und LG Electronics an. Apple habe sich mit Microsoft zusammengetan.

Im vergangenen Jahr hatten sich Apple und Microsoft in einer Versteigerung die Patente des insolventen Netzwerk-Ausrüsters Nortel für 4,5 Milliarden Dollar gesichert. Den Anfang in der Auktion hatte Google mit einem Startgebot von 900 Millionen Dollar gemacht. Kodak hofft, dass sie sich dieses Mal ähnliche gegenseitig hochschaukeln werden. Allerdings bekam das Paket jüngst einen Kratzer ab: Die US-Handelsbehörde ITC betrachtete eines der zentralen Patente - bei dem es um die Anzeige von Vorschaubildern geht - angesichts vorheriger Erfindungen als ungültig.

Die 1100 Kodak-Patente sind für die Auktion nach vorherigen Berichten in zwei Gruppen aufgeteilt worden. Bei den einen geht es um Aufnahme und Bearbeitung von Bildern. Bei der anderen vor allem um das Speichern und Auswerten. Offizielle Angaben zur Versteigerung gibt es kaum, weil das Insolvenzgericht eine Auktion hinter verschlossenen Türen gebilligt hat.

Kodak hatte Ende des 19. Jahrhunderts den Fotofilm erfunden und auch die Anfänge der digitalen Fotografie mitgeprägt. Daher könnten die 1100 Patente sehr wertvoll für laufende Patentverfahren sein - alle Smartphones sind inzwischen auch Fotoapparate. Kurz vor der Insolvenz verklagte Kodak auch noch quer durch die Bank so gut wie alle wichtigen Unternehmen der Handy-Branche mit dem Vorwurf von Patentverletzungen.

Kodak war als Marktführer in der klassischen Fotografie nicht mit dem Wechsel zu digitalen Bildern klargekommen. Der US-Konzern versucht seit geraumer Zeit, sich als Druckerspezialist neu zu erfinden - die hohen Verluste zwangen Kodak jedoch in die Insolvenz, bevor der Wandel abgeschlossen werden konnte.

Von

dpa

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