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11.01.2012

15:52 Uhr

Erster Meeres-Windpark

Französische Firmen sind im Vorteil

Im Rennen um den ersten Meeres-Windpark Frankreichs dominieren derzeit einheimische Unternehmen. Nur ein einziger deutscher Konzern versucht, an dem Milliardengeschäft teilzuhaben, hat aber vielleicht gar keine Chance.

Ein Offshore-Windpark vor der britischen Küste: Großbritannien ist bisher führend bei der Windenergie auf See. obs

Ein Offshore-Windpark vor der britischen Küste: Großbritannien ist bisher führend bei der Windenergie auf See.

ParisIm Rennen um das milliardenschwere Geschäft des ersten französischen Windparks auf See haben rund ein Dutzend Firmen am Mittwoch ihre Angebote angegeben. Als einziges deutsches Unternehmen ist Siemens dabei, das sich zusammen mit GDF Suez für einen der fünf Standorte bewirbt. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) warnte vor einer Bevorzugung französischer Firmen bei der Auftragsvergabe.

Der französische Energieversorger GDF Suez ist ebenso wie der einheimische Konkurrent EDF für vier der fünf Standorte am Start, an denen bis zu 600 Windräder entstehen sollen. GDF Suez tritt dabei dreimal mit dem französischen Atomkonzern Areva an, der den Turbinenbau übernehmen soll, und einmal mit Siemens. EDF bewirbt sich mit dem französischen Konzern Alstom als Partner. Das spanische Unternehmen Iberdrola, das seine Bewerbung für zwei der Anlagen abgab, will ebenfalls mit Areva bei den Windrädern zusammenarbeiten.

Areva und Alstom kündigten bereits an, bei einem Zuschlag neue Fabriken zu bauen. Frankreichs Industrieminister Eric Besson sprach bereits von 10.000 neuen Arbeitsplätzen, die so in Frankreich entstehen könnten. Der VDMA warnte davor, die französischen Unternehmen zu bevorzugen. Insbesondere eine Produktion vor Ort könne nicht eingefordert werden, sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur AFP. „Man kann von einem Unternehmen nicht verlangen, dass es vor Ort produziert, wenn der Markt noch nicht groß genug ist.“

Laut einem Bericht der „Financial Times Deutschland“ wäre Siemens dadurch benachteiligt, da das Unternehmen nicht in Frankreich produzieren will. Der Hamburger Windanlagenbauer Nordex beklagte in der „FTD“ eine versteckte Bevorzugung französischer Hersteller. Das Unternehmen habe deshalb kein Angebot abgegeben.

Die Regierung will bis April entscheiden, wer den Zuschlag für das Zehn-Milliarden-Euro-Projekt bekommt. Der Windpark vor der Küste der Normandie und der Bretagne soll bis 2015 drei Gigawatt Strom erzeugen - etwa so viel wie drei Atomkraftwerke. Bis 2020 sind sogar 1200 Windräder mit einer Produktion von sechs Gigawatt geplant.

Führend bei der Windenergie auf See ist bisher Großbritannien mit einer Leistung von 1,5 Gigawatt, gefolgt von Deutschland. Frankreich setzte bisher vor allem auf die Atomkraft. Das Land ist der größte Atomstromproduzent und bezieht drei Viertel seiner Energie aus den 58 Atomreaktoren. Ein erstes Projekt vor der Küste der Normandie stockt seit Jahren, da Anwohner gegen die in Frankreich umstrittenen Windräder klagen.

Von

afp

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