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19.01.2009

15:53 Uhr

Essent-Übernahme

Bei RWE lauern politische Risiken

VonJürgen Flauger

Finanzkrise? Zumindest am Kaufpreis für den niederländischen Versorger Essent ist davon nichts zu spüren. 9,3 Mrd. Euro bietet Deutschlands zweitgrößter Energiekonzern RWE für den Nachbarn. Das ist fast das Zehnfache des für 2009 erwarteten Ergebnisses vor Zinsen und Abschreibungen (Ebitda).

DÜSSELDORF. Analysten hatten mit weniger gerechnet – mit gehörigen Nachlässen auch wegen der Finanzkrise. Nur mit dem Siebenfachen wird die Branche schließlich zur Zeit im Schnitt bewertet. Die Energiebranche ist aber nach wie vor so kapitalkräftig, dass sich Konzerne wie Eni einen harten Wettstreit um Essent liefern konnten, aus dem Anfang der Woche RWE als bevorzugter Bieter ausgewählt wurde.

Auch RWE gilt als so finanzkräftig, dass der Konzern problemlos einen Kreditrahmen von neun Mrd. Euro für die geplante Übernahme genehmigt bekam. Das Unternehmen hatte in den vergangenen Jahren gekonnt Töchter verkauft, sich beim Fusionswettlauf in der Branche aber zurück gehalten, so dass die Nettofinanzverbindlichkeiten Ende des dritten Quartals lediglich bei 140 Mio. Euro lagen. Die flüssigen Mittel und kurzfristig verfügbaren Wertpapiere summierten sich auf neun Mrd. Euro. Die Ratingagentur S&P senkte den Ausblick für RWE zwar von „stabil“ auf „negativ“. Nach wie vor behält RWE aber ein solides A/A-1-Rating.

In trockenen Tüchern ist der Deal aber dadurch noch lange nicht. Es bestehen zum einen politische Risiken. In den Niederlanden kritisieren Oppositionspolitiker bereits den Verkauf des Unternehmen, das selbst sein Netz abgeben muss, an einen Konzern, der sich vehement gegen eine Entflechtung sträubt.

Vor allem aber wird die kartellrechtliche Prüfung durch EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes, eine Niederländerin und entschiedene Kämpferin für die Entflechtung, nicht einfach werden. Essent hat unter anderem in Deutschland lukrative Aktivitäten. Die Kartellbehörden werden harte Auflagen verhängen – welche die Rentabilität des Deals noch gefährden könnten.

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