Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.04.2013

17:46 Uhr

EU-Beschluss

Bienenretter machen Bayer zu schaffen

Um Bienen zu schützen, verbietet die EU bestimmte Pestizide. Der Chemie-Riese Bayer kritisiert den Entschluss - er befürchtet einen Umsatzrückgang. Dabei wird für den Konzern gerade die Agrar-Sparte immer wichtiger.

Biene an Pollen: Das Verbot von bestimmten Pflanzenschutzmitteln könnte für Bayer teuer werden. dpa

Biene an Pollen: Das Verbot von bestimmten Pflanzenschutzmitteln könnte für Bayer teuer werden.

LeverkusenDer Chemie-Riese Bayer rechnet wegen eines EU-Beschlusses zum Schutz von Bienen ab 2014 mit weniger Umsatz. Weil es immer weniger Bienen gibt, hatte die EU am Montag entschieden, den Einsatz von drei Nervengiften für den Anbau von Mais, Sonnenblumen, Raps und Baumwolle ab Dezember zu verbieten. Der Agrar-Teilkonzern Bayer Crop Science produziert Pflanzenschutzmittel mit zwei der Gifte. Das Unternehmen werde etwa ein Prozent Umsatz einbüßen, sagte Unternehmenssprecher Richard Breum am Dienstag. Das sind rund 80 Millionen Euro.

Die Agrar-Sparte wird für Bayer immer wichtiger. Im ersten Quartal stieg das Ergebnis vor Zinsen und Steuern in diesem Bereich um fast 13 Prozent auf 964 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Nettogewinn des Gesamtkonzerns ging um 11,5 Prozent auf fast 1,2 Milliarden Euro nach oben.

Chemieindustrie in Deutschland

Überraschend guter Jahresschluss

Das Schlussquartal 2012 ist für die deutsche Chemieindustrie überraschend gut ausgefallen. Produktion, Preise wie auch Branchenumsatz haben gegenüber dem Vorquartal zugelegt. Im Gesamtjahr war die Produktion allerdings rückläufig (-3,1 Prozent), damit verpasste die drittgrößte Industriebranche Deutschlands den zunächst erwarteten Rekordumsatz von 186,6 Milliarden Euro (+1,3 Prozent). Die Beschäftigtenzahl stieg um 2 Prozent auf 437 000.

Optimistischer Ausblick

Der Branchenverband VCI erwartet 2013 ein Umsatzplus von etwa 2 Prozent auf 190 Milliarden Euro. Die Produktion werde um 1,5 Prozent steigen, die Preise würden um 0,5 Prozent anziehen. Der VCI geht davon aus, dass sich „die Auftriebskräfte weiter durchsetzen“. Vor allem werde eine große Nachfrage außerhalb Europas erwartet, aber auch das Inlandsgeschäft stimme bislang zuversichtlich.

Sorgenvoller Blick nach Brüssel

Mit Sorgen blickt die Chemiebranche nach Brüssel, wo die EU-Kommission die deutschen Strompreisbefreiungen für die Großindustrie unter die Lupe nehmen will. Obwohl nur 60 der über 1600 Chemieunternehmen von den EEG-Entgelten befreit seien, drohten empfindliche Mehrbelastungen und Verzerrungen im internationalen Wettbewerb, warnt der VCI. Die Belastungen der Chemie-Industrie würden von jetzt 800 Millionen Euro auf rund 2,1 Milliarden Euro steigen. Derzeit könne man die Entwicklung nur abwarten.

Zukunft Spezialchemie

Die Zukunft der Chemieindustrie in Deutschland sieht der VCI in einer weiteren forschungsintensiven Spezialisierung. Laut einer Studie des Forschungsinstituts Prognos im Auftrag des VCI wird der Anteil der Spezialchemie bis ins Jahr 2030 von jetzt 43,3 auf 46,6 Prozent der Produktion ansteigen. Dafür sei eine jährliche Aufstockung des Forschungsbudgets um vier Prozent notwendig. Deutschland werde zwar nicht mit dem globalen Chemiewachstum mithalten können, aber weiterhin ein wichtiger Anbieter nach China, USA, Japan und Indien bleiben.

Mitte Januar hatte die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) ein Gutachten veröffentlicht, in dem sie ein „hohes, akutes Risiko“ für Bienen durch die drei Stoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam sieht. Mit den ersten beiden Stoffen produziert Bayer Crop Science mehrere Pflanzenschutzmittel.

Auch wenn die Produkte in der EU bald nicht mehr verwendet werden dürfen, sollen sie für andere Weltregionen weiter hergestellt werden. „Diese Wirkstoffe sind nach unserer Einschätzung sicher, wenn sie so eingesetzt werden, wie es vorgeschrieben ist“, sagte Breum.

Geschichte von Bayer

Von einer Farbenfabrik zum Chemie- und Pharmariesen

Der Bayer-Konzern kann auf eine lange Geschichte zurückblicken: Sie beginnt in Wuppertal Barmen vor 150 Jahren. Es war die Geburtsstunde der deutschen Chemieindustrie.

1863

Friedrich Bayer und Johann Weskott gründen am 1. August die Farbenfabrik Fried. Bayer & Co.

1899

Das Schmerzmittel Aspirin wird zum Patent angemeldet. Noch heute gehört das Medikament zu den umsatzstärksten Bayer-Präparaten.

1925

Nach gut 60 Jahren verliert Bayer seine Selbstständigkeit; das Unternehmen geht in die IG Farben auf. Aus Bayer wurde die IG Betriebsgemeinschaft Niederrhein.

1933

In Leverkusen leuchtet erstmals das Bayer-Kreuz auf. Es hatte eine Durchmesser von 72 Metern und war mit 2200 Glühbirnen bestückt. Es ist bis heute das Wahrzeichen der Stadt geblieben.

1939

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wird die Produktion der Chemieindustrie den Zielen der Kriegsführung untergeordnet. Zwangsarbeiter vor allem aus Osteuropa wurden in vielen Betrieben eingesetzt, auch in Leverkusen.

1951

Bayer wird nach der Zerschlagung der IG Farben neu gegründet und Ulrich Haberland der erste Vorstandsvorsitzende.

1978

Bayer übernimmt das US-Unternehmen Miles, das nach dem Rückerwerb der Markenrechte in den USA 1995 in Bayer Corporation umbenannt wird.

2001

Bayer nimmt den Blutfettsenker Lipobay vom Markt, was den Konzern in eine tief Krise stürzt. Im gleichen Jahr erfolgt der Erwerb des Pflanzenschutzgeschäftes Aventis CropScience.

2005

Bayer löst das Chemie- und Teile des Kunststoffgeschäftes aus dem Konzern und bringt ihn als Lanxess AG an die Börse.

2006

Der Erwerb des Berliner Pharmaunternehmens Schering für rund 17 Milliarden Euro ist der teuerste Zukauf der Firmengeschichte.

2010

Marijn Dekkers wird Vorstandsvorsitzender. Der Niederländer mit amerikanischem Pass ist der erste externe Manager an der Spitze des Konzerns.

Umweltschützer sehen das anders. Ihnen geht der EU-Beschluss nicht weit genug. Greenpeace hatte am Montag gefordert, mindestens sieben „Bienen-Killer Pestizide“ der Firmen Syngenta, Bayer, BASF und anderer Hersteller zu verbieten. Der Umweltorganisation zufolge überlebt in Deutschland jede dritte Biene den Winter nicht.

Von

dpa

Kommentare (14)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Ariadne

30.04.2013, 18:26 Uhr

Da wird klar, dass es nur m Umsatz und nicht um Sinn oder Einsicht geht. Sie wollen sich einfach nicht der Zeit anpassen und fahren ihren Stiefel weiter. Giftmischer und -vertreiber aller Herren Länder vereinigt Euch.

Account gelöscht!

30.04.2013, 18:29 Uhr

Bienen sind für den Menschen das wichtigste Nutztier, ohne Bienen keine Nahrung.

Die Argumentation von Bayer ist zynisch und ignorant. Geld kann man nicht essen.

Account gelöscht!

30.04.2013, 18:33 Uhr

Hoffentlich bleibt die EU auch so stark, wenn Monsanto seinen Gendreck auf den europäischen Markt drücken will. Es wäre zu hoffen!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×