Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.01.2007

20:32 Uhr

EU-Emissionshandel

Fernziele für das Klima

VonUdo Rettberg

Der EU-Emissionshandel ist das international wichtigste Instrument, um den Ausstoß von Treibhausgasen wie Kohlendioxid zu verringern. Darin sind sich Experten wie der für Energie zuständige EU-Kommissar Andris Piebalgs und Eric Heymann von Deutsche Bank Research einig. Beide fordern eine zügige Erweiterung des bereits erfolgreichen Systems.

Pionierarbeit im Klimaschutz soll Europa nach Ansicht von EU-Kommissar Piebalgs leisten.

Pionierarbeit im Klimaschutz soll Europa nach Ansicht von EU-Kommissar Piebalgs leisten.

BERLIN. „Europa muss durch den Emissionshandel zur weltweit treibenden Kraft bei der Umsetzung des Kyoto-Protokolls werden und Pionierarbeit im Klimaschutz leisten“, sagte EU-Kommissar Andris Piebalgs auf der Handelsblatt-Energietagung in Berlin.

Im seit 2005 völkerrechtlich verbindlichen Kyoto-Protokoll von 1997 hatten sich 15 EU-Länder verpflichtet, ihre Treibhausgas-Emissionen bis zum Zeitraum 2008/2012 um acht Prozent gegenüber dem Jahr 1990 zu senken. Eine erste Zwischenbilanz zeigt indes, dass lediglich vier der 15 EU-Länder – nämlich Frankreich, Großbritannien, Finnland und Schweden – ihre Reduktionsziele erreicht haben. „Und Deutschland liegt immerhin auf einem guten Kurs hin zur Zielerreichung“, sagt Heymann. Der Emissionshandel sei trotz einiger Probleme vor allem wegen seines Symbolcharakters im Klimaschutz positiv zu werten. Trotz der insgesamt lobenden Worte für das EU-Emissionshandelssystems erachtet es Heymann als notwendig, die Attraktivität des Systems weiter zu steigern, um so eine globale Ausweitung der Idee zu erreichen.

So sollten die CO2-Emissionsrechte im Rahmen der nationalen Allokationspläne der EU-Staaten während der zweiten Phase von 2008 bis 2012 nicht mehr kostenlos an die betroffenen Industriebranchen zugeteilt werden. „Die Versteigerung von Emissionsrechten ist die beste Methode“, sagt EU-Kommissar Piebalgs, der es als notwendig erachtet, dass in Europa eine neue industrielle Revolution in Gang gesetzt wird alle Länder in der Energie- und Klimapolitik in „perfektem Einklang“ handeln.

Von einigen Vertretern der Energiebranche erhielt Piebalgs bei dieser Forderung Unterstützung: „Wir müssen in eine neue Energiewelt hinein“, sagte ein niederländischer Vertreter der Branche. Es gelte bei der politischen Umsetzung des Klimaschutzes allerdings auch, die Kräfte der Marktwirtschaft zu nutzen, sagen Experten. „Durch die Versteigerung der Zertifikate könnte der Marktmechanismus bereits während des Vergabeprozesses eine bessere Wirkung entfachen“, sagt Heymann, der hierdurch mehr Transparenz und eine Vereinfachung des Systems erwartet. Hierdurch sei ein schnellerer Umstieg auf kohlenstoffärmere Energieträger möglich.

„Die EU-Kommission muss eine harte Linie verfolgen, wenn sie das gesteckte Reduktionsziel erreichen will“, fordert der Energie-Experte der Deutsche Bank. Andris Piebalgs wehrte sich in Berlin gegen die Kritik der Energieversorger. Das Ziel der Reduzierung von Treibhausgas-Emissionen müsse als übergeordnet betrachtet werden. Nachdem sich herausstellte, dass die EU-Länder in der ersten Phase des EU-Emissionshandelssystems ihre Unternehmen ganz offensichtlich zu reichlich mit Emissionsrechten ausgestattet haben, ist der Preis dieser Zertifikate an den entsprechenden Börsen wie der European Climate Exchange (ECX) in Amsterdam oder der European Energy Exchange (EEX) kräftig unter Druck geraten und von 30 Dollar je Tonne auf unter fünf Dollar je Tonne abgesackt.

Bei der zweiten Phase müsse auf alle Fälle darauf geachtet werden, dass eine übermäßige Ausstattung der Wirtschaft mit solchen „Luftverschmutzungsrechten“ vermieden wird. „Ohne eine Knappheit an zugeteilten Zertifikaten kann der Emissionshandel nicht funktionieren“, sagt Heymann im Gespräch mit dem Handelsblatt. Eine sukzessive Erhöhung der Versteigerungsanteile von CO2-Emissionsrechten an Stelle einer kostenlosen Zuteilung an die Industrie sieht der Fachmann als vorteilhaft an. „Es ist zu bedauern, dass in der EU bislang kaum von der Möglichkeit Gebrauch gemacht wird, bis zu zehn Prozent der Berechtigungen für die zweite Handelsperiode zu versteigern.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×