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11.07.2012

19:21 Uhr

EU-Entwurf

Autoherstellern drohen strengere CO2-Vorgaben

Die EU verschärft die Vorgaben für die Autohersteller. Demnach sollen Neuwagen künftig weniger Treibhausgas CO2 ausstoßen. Das soll nicht nur dem Klima dienen, sondern auch die Geldbörse der Verbraucher schonen.

EU will Klimaauflagen für Autos verschärfen

Video: EU will Klimaauflagen für Autos verschärfen

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BrüsselDie EU-Kommission will die Autoindustrie beim Klimaschutz zu schärferen Auflagen verpflichten. Dazu legte EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard am Mittwoch in Brüssel einen Vorschlag vor: Bis zum Jahr 2020 sollen neu gebaute Pkw durchschnittlich 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Für Vans ist bis 2020 eine Zielmarke von 147 Gramm vorgesehen. Der Durchschnitt bezieht sich auf die gesamte europäische Fahrzeugflotte aller Hersteller. Das entspricht der Umweltorganisation Greenpeace zufolge 3,9 Litern Benzin oder 3,4 Litern Diesel auf 100 Kilometern. 2011 betrug der Wert 135,7 Gramm, die verbindliche Zielvorgabe für 2015 liegt bei 130 Gramm. Die EU-Staaten und das Parlament müssen den Vorschlägen noch zustimmen.

Die neuen Grenzwerte sollen nicht nur dem Klima dienen: Verbraucher könnten so während der Betriebsdauer ihres Wagens nach EU-Angaben an der Tankstelle bis zu 3800 Euro sparen. Selbst bei steigenden Autopreisen spare der Besitzer langfristig.

Der 95-Gramm-Wert war bereits 2008 entschieden worden. Die Kommission hat nun Vorschläge gemacht, wie genau er errechnet werden soll - und zwar im Verhältnis zum Fahrzeuggewicht. Diese Vorgaben seien für alle Hersteller gleichermaßen strikt, versicherte Hedegaard: „Was wir heute vorschlagen, ist eine faire und ausgewogene Richtlinie.“

Um die komplizierte Formel zu verdeutlichen, griff Klimakommissarin Hedegaard zum Vergleich: Wenn ein übergewichtiger und ein schlanker Mensch die gleiche Anzahl Kilos verlieren sollten, sei das nicht gerade fair. Die CO2-Vorgaben für verbrauchsintensivere, schwerere Wagen wie die der deutschen Premiumautobauer BMW, Daimler und Audi werden darum höher ausfallen.

Was bedeuten die CO2-Vorschläge der EU-Kommission?

Was bedeuten die Pläne für Autofahrer?

Kritiker warnen vor steigenden Verkaufspreisen, Befürworter werben mit sinkenden Spritkosten. „Das 95-Gramm-Ziel [wird] nicht ohne erhebliche Mehrkosten zu erreichen sein“, sagt Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Die EU-Kommission geht davon aus, dass ab dem Jahr 2020 neue Pkw 1100 Euro mehr kosten. Die Einsparungen beim Spritverbrauch lägen jedoch ungleich höher: Zwischen 2900 und 3800 Euro ließen sich über die Betriebsdauer eines Autos an der Tankstelle einsparen. Das Durchschnittsauto hätte laut Greenpeace dann einen Spritverbrauch von 3,7 Liter pro 100 Kilometer.

Werden deutsche Hersteller benachteiligt?

Die Vorgaben verlangen besondere Anstrengungen von den Produzenten schwerer Pkw. In diesem Segment ist Deutschland besonders stark vertreten. Gerade VW ging laut EU-Diplomaten deshalb dagegen an. Im Verhältnis zum Gewicht sollen allerdings alle gleich viel einsparen - und zwar 27 Prozent an Kohlendioxid pro Kilometer mehr als bei der geltenden Vorgabe von 130 Gramm. Die deutsche Autoindustrie hatte schwere Wagen weniger stark belasten wollen.

Was müssen die einzelnen Hersteller erreichen?

Damit die gesamte europäische Pkw-Flotte 2020 auf einen Durchschnittswert von 95 Gramm CO2 pro Kilometer kommt, müssen die Hersteller noch zulegen. Nach Angaben von EU-Diplomaten müsste Daimler dann auf 98,8 Gramm kommen, BMW auf 100 Gramm und Fiat auf 87 Gramm - vorausgesetzt, das Fahrzeuggewicht ändert sich nicht. Hier ist nach Ansicht von Experten aber auch noch Luft für Einsparungen.

Wie reagieren Umweltverbände auf die Pläne?

Den Umweltverbänden gehen die Vorgaben nicht weit genug. Grüne, WWF, NABU, Greenpeace und Verkehrsclub Deutschland forderten einen strengeren Grenzwert von 80 Gramm pro Kilometer bis 2020. Dies sei technisch machbar, ökologisch geboten und ökonomisch sinnvoll. Zudem wollen sie eine Vorgabe für das Jahr 2025. Unzufrieden sind sie auch mit Ausnahmen für „verbrauchsarme“ Fahrzeuge wie Elektroautos. Hier dürfen sich Hersteller für jedes produzierte Auto 1,3 Wagen anrechnen lassen.

Was ist mit Kleintransportern?

Sie müssen nur einen Zielwert von 147 Gramm CO2 pro Kilometer erreichen. Die EU-Experten sagen, man wolle nicht schon wieder an erst vergangenes Jahr beschlossenen Regeln für leichte Nutzfahrzeuge rütteln. Das könne aber noch einmal überprüft werden.

Wie ist denn die Lage in der Autobranche derzeit?

Unterschiedlich. In der EU ist der Autoabsatz angesichts der Schuldenkrise seit Monaten auf Talfahrt. Vor allem in Spanien, aber auch Frankreich sind die Verkäufe eingebrochen. Der deutsche Automarkt dagegen steht noch gut da. Insgesamt steuert die Branche auf eine Zwei-Klassen-Gesellschaft zu. Konzerne wie Peugeot-Citroën, Opel, Fiat, die vom schwachen europäischen Markt abhängig sind, stecken in einer tiefen Krise und kämpfen gegen Überkapazitäten. Autoexperten erwarten Werksschließungen.

Können weltweite Exporte die Misere abmildern?

Konzerne, die weltweit gut aufgestellt sind, machen in der Tat die Schwäche in Europa durch das Wachstum vor allem in China und den USA mehr als wett. Unter den europäischen Herstellern zählen dazu neben dem breit aufgestellten VW-Konzern auch die Oberklasse-Hersteller Daimler und BMW. Neben den Klimaschutz-Vorgaben müssen die Hersteller aber Milliarden in neue Antriebstechnologien wie Elektro investieren.

Ist alles schon beschlossene Sache?

Nein. Die Mitglieder der EU-Kommission haben nun eine gemeinsame Position vorgestellt. Über diese verhandeln nun die EU-Länder und das Europaparlament.

Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland hingegen begrüßte den Druck auf die Produzenten: „Anstatt zu jammern sollten die deutschen Hersteller ihr technologisches Know-How ausspielen. Angesichts steigender Verkaufszahlen und Rekordgewinne sind die Kassen für die Entwicklung spritsparender Autos gut gefüllt.“

Umweltverbänden sind die Pläne immer noch zu lasch - sie fordern ebenso wie die Grünen einen Grenzwert von 80 Gramm CO2 pro Kilometer. Franziska Achterberg von Greenpeace sagte, der Vorschlag lasse zwei Schlupflöcher. So sei für leichte Nutzfahrzeuge nur ein Grenzwert von 147 Gramm pro Kilometer vorgesehen, die Verschärfung falle deutlich geringer aus als für Pkw. Zudem dürften Hersteller besonders spritsparende Fahrzeuge wie Elektroautos mit dem Faktor 1,3 anrechnen lassen.

Aus Sicht des europäischen Auto-Branchenverbands ACEA dagegen sind die Grenzwerte eine große Herausforderung für die Hersteller. „Dies sind strenge Ziele - die strengsten der Welt“, sagte ACEA-Generalsekretär Ivan Hodac. Dies werde die Herstellungskosten in Europa weiter erhöhen und sei ein Wettbewerbsnachteil fürchtet der Dachverband ebenso wie der deutsche VDA. Der ACEA verwies zudem auf die derzeit schwierige Marktlage in Europa. Der Autoabsatz in der EU ist angesichts der Schuldenkrise auf Talfahrt.

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Von

dpa

Kommentare (4)

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Klimaterror

11.07.2012, 22:45 Uhr

Die ganze Welt wartet noch auf den Nachweis der Klimawirksamkeit von CO2. Solange der nicht erbracht ist, sind alle Steuerforderungen Betrug am Bürger. Ausserdem wovor soll das Klima denn gerettet werden? Es ist weder krank noch wird es wärmer, obwohl das schön wäre.
Die Elite lügt uns was vor um zu kassieren!

black

12.07.2012, 06:21 Uhr

Mich wundert, das die Produktion von was auch immer überhaupt noch erlaubt ist. Fahren die EU-Herrschaften eigentlich schon mit dem französischen C1 in Kunststoffbauweise statt dem deutschen S-Klasse Benz mit Kruppstahl?

Wahrheit

12.07.2012, 06:22 Uhr

Was ist mit der Wirtschaft und deren CO2 Ausstoß? Es werden Kohlekraftwerke gebaut und die stoßen natürlich nur 100%ig saubere Abgase aus. Wie dumm muss man eigentlich sein um Politker zu werden. Alle reden von der Pisastudie bei den Kindern/Jugentlichen, was übrigens auch von diesen Hirnlosen Politiker entschieden wird und was bringen die Herrschaften zu Tage?!?!? Jüngstes Beispiel: Meldegestzt.
Da brauchen wir uns über solche Gesetzesvorgaben nicht wundern. Zu deutsch: Diese Herrschaften leiden ganz offensichtlich an einer Wahrnehmungsverzerrung und das unter dem Deckmantel " Volksvertreter ". Mahlzeit

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