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30.05.2016

09:37 Uhr

EU ermittelt gegen Daimler & Co.

Lkw-Kartell droht Milliardenstrafe

VonStefan Menzel

Die wichtigsten Lastwagen-Hersteller sollen ihre Kunden über Jahre hinweg systematisch durch Preisabsprachen geprellt haben. Die EU-Kartellbehörden ermitteln seit 2011 und stehen vor dem Abschluss ihrer Untersuchungen.

Daimler hat bereits Millionen für die erwartete Kartellstrafe zurückgelegt. dpa

Daimler steht auch unter Verdacht

Daimler hat bereits Millionen für die erwartete Kartellstrafe zurückgelegt.

DüsseldorfEuropas Lkw-Herstellern droht die höchste Kartellstrafe der EU-Wirtschaftsgeschichte. Prominente Namen wie Daimler, Renault, Volvo und Scania stehen auf der Liste der Angeschuldigten. Wie die Financial Times am Montag berichtet, werden die EU-Kartellbehörden die Strafe in Kürze aussprechen. Im Fokus der Ermittlungen stehen vor allem Preisabsprachen unter den großen europäischen Lastwagen-Konzernen. Außerdem sollen sie neue Emissionsvorschriften gemeinsam verhindert haben.

Die Kartellstrafe dürfte ein Milliardenvolumen erreichen und höher als jede bislang verhängte Buße der EU-Wettbewerbsbehörden ausfallen. Der Rekord liegt bislang bei 1,4 Milliarden Euro und war 2012 gegen Hersteller von Bildschirm-Röhren für TV-Geräte und Computer ausgesprochen worden. Vor gut einem Jahr war in Lkw-Branchenkreisen davon die Rede, dass die Lastwagen-Hersteller mit einer Buße von etwa vier Milliarden Euro rechnen müssten. Die EU-Kartellwächter können zehn Prozent des betroffenen Umsatzvolumens als Strafe verhängen – im Fall des Lkw-Kartells wären das maximal etwa zehn Milliarden Euro.

Ein Großteil der betroffenen Lkw-Hersteller hatte bereits Rückstellungen für die erwarteten Kartellstrafen gebildet. DAF aus den Niederlanden hat dafür bereits rund 860 Millionen Euro zurückgelegt, der Stuttgarter Daimler-Konzern mindestens 600 Millionen, Iveco aus der Fiat-Gruppe etwa 450 Millionen und Volvo aus Schweden rund 400 Millionen Euro.

Das sind die größten Lkw-Märkte

Platz 10

Osteuropa - 48.100 verkaufte Lkw im Jahr 2014*

Die Transportbranche in Osteuropa gilt als großer Hoffnungsträger für die Branche - und ist nach Ansicht der Unternehmensberater von Deloitte einer der dynamischsten Märkte weltweit. Die Verkäufe soll jährlich um zehn Prozent anziehen.

*Quelle: Deloitte Truck-Studie

Platz 9

Mittelamerika - 65.500 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Die Nähe zu den USA lässt die Industrie florieren, die Nachfrage nach Transportdienstleistungen steigt - und damit auch die Lkw-Verkäufe. Bis 2024 soll der Absatz jährlich um fünf Prozent zulegen.

Platz 8

Japan - 77.100 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Auf den japanischen Straßen ist der Platz begrenzt, gefragt sind darum vor allem mittelgroße Lkw. Allerdings dürfte sich das Wachstum in Grenzen halten. Prognostiziert wird ein Marktzuwachs von jährlich einem Prozent.

Platz 7

Russland - 116.000 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Der russische Markt hat viel Potential, obwohl in Russland viele Güter über die Schiene transportiert werden. Die aktuelle politische Lage verhagelt die Bilanz. Mittelfristig sieht die Perspektive besser aus.

Platz 6

Brasilien - 164.700 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Die größte Volkswirtschaft Südamerikas hat viel Dynamik eingebüßt. Auch für den Lkw-Absatz sind die Prognosen mau. Der Markt soll bis 2024 jedes Jahr um etwa ein Prozent zulegen.

Platz 5

Südostasien - 168.100 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Thailand, Malaysia und Indonesien gelten als Wirtschaftsnationen mit Potential. Und auch die Nachfrage nach schweren Nutzfahrzeugen legt jährlich um fünf Prozent zu.

Platz 4

Indien - 237.300 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Noch fristet der indische Lkw-Markt ein Schattendasein. Doch die Potentiale sind gigantisch. Im Jahr 2024, so prognostiziert es die Unternehmensberatung Deloitte, sollen dort 544.400 Lkw verkauft werden. Das jährliche Wachstum beträgt neun Prozent.

Platz 3

EU - 297.000 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Noch landet aber Europa, der Heimatmarkt von Daimler, MAN/Scania und Volvo, auf dem dritten Rang. Mit einem jährlichen Wachstum von vier Prozent bis 2024 ist die Entwicklung durchaus positiv.

Platz 2

USA - 377.000 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Bis auf Daimler tun sich die europäischen Hersteller noch schwer auf dem US-Markt. Nach Jahren der Konsolidierung sind dort deutlich weniger Wettbewerber im Markt.

Platz 1

China - 985.000 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Der größte Lkw-Markt der Welt wird regiert durch die lokalen Hersteller. Die schiere Menge an verkauften Lkw kaschiert, dass es sich dabei vor allem um kleine, günstige Modelle handelt. Auch die Wachstumsprognosen sind nach Ansicht von Deloitte eher bescheiden. Sie gehen von einem jährlichen Wachstum von einem Prozent aus.

MAN aus dem VW-Konzern dürfte straffrei ausgehen. Der Münchener hatte die Aufdeckung des Kartells im Jahr 2011 durch eine Selbstanzeige überhaupt erst möglich gemacht. Hausinterne Ermittler waren im Zuge der Aufarbeitung von Korruptionsvorwürfen auf das Kartell gestoßen. Die VW-Tochter profitiert insofern von der Kronzeugen-Regelung der EU-Kartellbehörden. Zu dem Preiskartell gehörte pikanterweise auch die MAN-Konzernschwester Scania. Die Schweden werden von der Kronzeugenregelung keinen Gebrauch machen können und müssen wahrscheinlich ebenfalls eine Millionenstrafe nach Brüssel überweisen..

Der Brief, den EU-Wettbewerbshüterin Margrethe Vestager im November 2014 verschickte, hatte prominente Empfänger. Daimler in Deutschland erhielt ebenso Post wie Volvo und Scania in Schweden, DAF in den Niederlanden und Iveco in Italien. Die Adressaten haben sich aus Sicht der Brüsseler Wettbewerbshüter schwer an der freien Marktwirtschaft versündigt. Mehr als ein Jahrzehnt, so der Vorwurf, hätten die Lastwagenhersteller das wohl mächtigste Kartell des Europäischen Binnenmarkts gebildet. Die systematischen Preisabsprachen für Lastwagen dürften die Transportbranche um sehr viel Geld geprellt haben.

Kommentare (13)

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Herr Peter Delli

30.05.2016, 11:59 Uhr

 Ich bin der einzig wahre Troll, denn ich habe die Kommentarfunktion
zuerst entdeckt. Zu sagen habe ich wie immer nichts aber ganz viel zu
schmieren. Das macht mich frei von meinen Problemen, wie gut dass es die
Kommentarfunktion gibt, da brauch ich nicht zum Arzt wegen meiner Zwangshandlung.
Vielen Dank Handelsblatt. Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Thomas Ungläubig

30.05.2016, 12:15 Uhr

Europäische LKW-Hersteller und Preisabsprachen? — Niemals, das gibt's doch nur in Bananenrepubliken ;—))

Rainer von Horn

30.05.2016, 12:29 Uhr

Kommentieren macht frei. Also mental.

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