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26.06.2016

13:29 Uhr

EU-Kommissarin zu Dieselgate

Entschädigung auch für Europas VW-Kunden?

Volkswagen will betroffenen US-Kunden in der kommenden Woche ein Vergleichsangebot für den Diesel-Skandal machen. In Europa sollen Autobesitzer dagegen leer ausgehen. Warum das der zuständigen EU-Kommissarin nicht passt.

Kurz vor einem wichtigen Vergleich mit US-Klägern erhöht die EU-Kommission den Druck auf den Wolfsburger Autobauer. dpa

Volkswagen in USA

Kurz vor einem wichtigen Vergleich mit US-Klägern erhöht die EU-Kommission den Druck auf den Wolfsburger Autobauer.

BrüsselDie EU-Kommission fordert den Volkswagen-Konzern auf, auch Autohalter in der Europäischen Union, deren Fahrzeuge von der Diesel-Affäre betroffen sind, eine Entschädigung zu zahlen. „Volkswagen sollte europäischen Fahrzeugbesitzern freiwillig eine Kompensation zahlen, die vergleichbar mit der ist, die den US-Konsumenten gezahlt wird“, sagte EU-Industriekommissarin Elbieta Biekowska der „Welt am Sonntag“.

Damit erhöht sie den Druck auf den Wolfsburger Autobauer kurz vor einem wichtigen Vergleich mit US-Klägern. In den USA läuft am Dienstag die vom US-Bezirksgericht in San Francisco gesetzte Frist ab, bis zu der VW einen mit den US-Behörden abgestimmten Plan präsentieren muss, wie die Manipulation von Abgasen an den betroffenen Fahrzeugen technisch behoben wird und wie die US-Kunden entschädigt werden.

Konzernchef Matthias Müller: „Volkswagen ist mehr als Diesel“

Konzernchef Matthias Müller

Premium „Volkswagen ist mehr als Diesel“

Vor der Hauptversammlung denkt der VW-Boss laut über den Diesel-Ausstieg nach. Im Interview kündigt er zudem ein neues Vergütungssystem an und spricht über Details des Konzernumbaus und den Einfluss von Ferdinand Piëch.

Einem Insider zufolge will VW zur Beilegung des Abgasskandals in den USA eine Entschädigungssumme von insgesamt rund zehn Milliarden Dollar zahlen. Darin sei der Rückkauf von fast einer halben Million manipulierter Dieselautos mit 2,0-Liter-Motoren enthalten. Zudem beinhalte die Summe eine milliardenschwere Förderung von Umweltprogrammen. Die Fahrzeughalter sollen demnach im Durchschnitt mit rund 5000 Dollar entschädigt werden.

Eine entsprechende Entschädigungen in Europa lehnen die Wolfsburger hingegen ab. VW argumentiert damit, dass die betroffenen Fahrzeuge nach der Umrüstung dem technischen Stand entsprechen und weitere Forderungen unbegründet seien. Auch sei die Rechtslage in den USA, wo der Dieselskandal aufgedeckt wurde, eine andere.

„Es ist unfair, wenn sich Volkswagen hinter diesen rechtlichen Erwägungen versteckt“, sagt Biekowska. „Es ist nicht meine Rolle, Volkswagen Ratschläge zu erteilen. Aber die Konsumenten in Europa anders zu behandeln als die US-Konsumenten ist kein Weg, das Vertrauen wiederzuerlangen.“

Motoren, Modelle und Marken im VW-Abgas-Skandal

Motoren

Laut VW ist der Dieselmotor mit der Bezeichnung EA 189 Kern des Problems. Er wurde bei etlichen Marken eingesetzt, erfüllt die EU-Abgasnorm Euro 5 und wird mit 1,2, 1,6 und 2,0 Litern Hubraum angeboten. Betroffen vom Stickoxid-Skandal sind die Baujahre 2009 bis 2014.

Der Rückruf läuft

Schon ab dem 29. Februar sollte eigentlich der Rückruf der großen 2,0-Liter-Antriebe mit Varianten des Passat und Audi A4 anlaufen, zuvor hatte die Aktion für den Pick-up Amarok begonnen. Für den A4 mit Schaltgetriebe gab es – ebenso wie für den A5 und Q5 sowie den Seat Exeo mit gleichem Motor – bereits die Genehmigung des Kraftfahrt-Bundesamts. Für Passat, CC und Eos liegt sie nun auch vor.

So geht es weiter

Zum kleinen 1,2-Liter-Motor hatte VW in einem Kundenbrief zunächst einen Beginn der Werkstatt-Aktionen ab dem 30. Mai angekündigt. Dieser Teil werde aber erst „verzögert anlaufen“, hieß es jetzt. Die mittelgroßen 1,6-Liter-Aggregate sollten laut bisheriger Planung ab dem 5. September zurück, dabei soll neben einem Software-Update ein Bauteil eingesetzt werden. In den USA sind auch 3,0-Liter-TDI-Autos unterwegs, die ein nach US-Recht verbotenes Programm enthalten.

Betroffene VW-Pkw

Bei der Kernmarke VW-Pkw sind unter anderem der Golf der sechsten Generation, der Passat der siebten Generation und der Tiguan der ersten Generation betroffen.

Betroffene Audi-Modelle

Die Software steckt auch in Modellen der Reihen A1, A3, A4 und A6 sowie Q3 und Q5 der Oberklasse-Tochter Audi.

Sonstige Modelle

Dieselmotoren, die bei Skoda und Seat verwendet wurden, fallen ebenfalls unter den Abgas-Skandal. Bei den leichten VW-Nutzfahrzeugen sind ältere Ausgaben des Caddy und Amarok betroffen. Die in den USA unzulässige Software der 3-Liter-Diesel findet sich im VW Touareg und Porsche Cayenne sowie in den Audi-Modellen Q5, Q7, A6, A7 und A8.

Marken

VW-Chef Matthias Müller gab im vergangenen Oktober an, dass weltweit rund 5 Millionen Autos der Hauptmarke VW-Pkw von der Affäre betroffen sind. Hinzu kommen etwa 2,1 Millionen Audis, 1,2 Millionen Skodas, 700.000 Seats sowie 1,8 Millionen leichte Nutzfahrzeuge.

Volkswagen hatte im September auf Druck der US-Umweltbehörden zugegeben, Diesel-Abgaswerte bei Zweiliter-Dieselmotoren mit einer speziellen Software manipuliert zu haben. Weltweit sind rund elf Millionen Fahrzeuge davon betroffen.

Durch die Annäherung mit den US-Behörden ist für Europas größten Autobauer inzwischen ein großer Unsicherheitsfaktor aus dem Weg geräumt. Der Zwölf-Marken-Konzern hatte in der Bilanz für das abgelaufene Jahr 16,2 Milliarden Euro zur Seite gelegt, um die Lasten der Dieselmanipulationen zu schultern. Dies hatte VW den höchsten Verlust in der Unternehmensgeschichte eingebracht.

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