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21.01.2005

09:40 Uhr

EU-Kommission will gegen Fastfood-Werbung für Kinder vorgehen

Industrie lehnt Verantwortung für falsche Ernährung ab

VonIngo Reich

Während sich die Ernährungsindustrie ab heute auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin präsentiert, versuchen Politiker erneut, der ganzen Branche die Verantwort für gesundheitsgefährdende Essgewohnheiten von Kindern und Jugendlichen anzulasten.

Kinder lieben Fastfood. Die Industrie sieht die Schuld für falsche Ernährung primär bei den Eltern.

Kinder lieben Fastfood. Die Industrie sieht die Schuld für falsche Ernährung primär bei den Eltern.

HB BERLIN. Erst gestern hat der für Gesundheits- und Verbraucherfragen zuständige EU-Kommissar Markos Kyprianou der Industrie eine Frist von einem Jahr gesetzt, in der sie Anzeigenkampagnen für Junk-Food, die sich an Kinder richten, einzustellen habe. Andernfalls drohte Kyprianou gesetzliche Maßnahmen an.

Gegen diesen Druck hat sich der gestern neu gewählte Vorsitzende der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), Jürgen Abraham, ausgesprochen. „Die Politiker sollten nicht immer sofort der Industrie die Schuld geben. Ich sehe die Verantwortung für ein falsches Ernährungsverhalten zu allererst bei den Eltern“, sagte Abraham dem Handelsblatt. Der Vorwurf an die Industrie lautet, sie trüge mit ihren Produkten die Verantwortung für die wachsende Fettleibigkeit in der Gesellschaft.

Dabei geht der Vorstoß des EU-Kommissars weitgehend ins Leere: Der Getränkekonzern Coca-Cola beispielsweise fühlt sich von dem erneuten EU-Vorstoß nicht betroffen, weil sich sämtliche Marketingaktivitäten des US-Softdrinkherstellers nach einem firmeninternen Kodex schon seit mehreren Jahren nicht mehr an Kinder unter zwölf Jahren richten dürfen.

Auch McDonald’s Deutschland sieht in der Drohung des EU-Kommissars keinen Angriff auf das eigene Unternehmen. In seinen TV- Spots bewerbe McDonald’s seine „Happy Meals“ für Kinder in der unbedenklichen Zusammenstellung aus fettarmem Hähnchenfleisch, Fruchttüten und Bio-Milch, sagte eine Sprecherin dem Handelsblatt.

Die Stiftung Warentest verdammt in ihrem neuesten Testbericht Fastfood zwar nicht generell, stellt aber fest: „Burger mit Pommes sind kein gutes Menu.“ Die Verbraucherschützer kritisieren weiterhin den hohen Fettanteil sowie das Fehlen von Vitaminen und Ballaststoffen in den meisten Gerichten.

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