Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.07.2017

18:48 Uhr

EU-Kommissionspräsident

Juncker macht Dieselskandal in Brüssel zur Chefsache

VonRuth Berschens

Die EU macht den deutschen Abgasskandal zur Chefsache in Brüssel: Nach Handelsblatt-Informationen steht das Thema am Mittwoch auf der Tagesordnung der Kommissionssitzung.

Der EU-Kommissionspräsident lässt alle Aspekte des Dieselskandals zusammenstellen. dpa

Jean-Claude Juncker

Der EU-Kommissionspräsident lässt alle Aspekte des Dieselskandals zusammenstellen.

BrüsselDer deutsche Abgasskandal wird in Brüssel zur Chefsache. Nach Informationen des Handelsblatts setzte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker das Thema auf die Tagesordnung der Kommissionssitzung am morgigen Mittwoch. Juncker habe seinen Vize Jyrki Katainen damit beauftragt, alle Aspekte des Dieselskandals zusammenzustellen und dem Kollegium der 28 EU-Kommissare vorzutragen, sagte eine Kommissionsprecherin auf Anfrage. Katainen solle künftig die Arbeit der drei EU-Kommissarinnen koordinieren, die mit dem Dieselskandal befasst sind: Verbraucherschutzkommissarin Vera Jourova, Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska und Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager.

Jourova verhandelt mit VW über eine Entschädigung europäischer Kunden. Bienkowska forderte deutsche Behörden und Hersteller mehrfach auf, die EU-Abgasvorschriften einzuhalten. Vestager prüft derzeit, ob sie gegen VW, Audi, Mercedes-Benz, BMW und Porsche ein Kartellverfahren eröffnet. Juncker wünsche, dass sich die Kommission einen Überblick über sämtliche Vorgänge verschaffen könne, hieß es in Brüssel.

So wichtig ist die Autoindustrie für Deutschland

Umsatz

Gemessen am Umsatz ist die Autobranche der mit Abstand bedeutendste Industriezweig in Deutschland: Die Unternehmen erwirtschafteten 2016 einen Umsatz von mehr als 405 Milliarden Euro. Das entspricht rund 23 Prozent des gesamten Industrieumsatzes.

Unternehmen

Mittelständisch geprägte Zulieferer sind für den Großteil der Wertschöpfung – etwa 70 Prozent – verantwortlich. Insgesamt werden mehr als 1300 Unternehmen der Branche zugerechnet.

Beschäftigte

Die Autounternehmen zählen in Deutschland direkt mehr als 800.000 Mitarbeiter. Indirekt sind es viel mehr, da für die Fahrzeugfertigung viele Teile, Komponenten und Rohstoffe zugekauft werden.

Abhängig von Autokonjunktur

Viele Beschäftigte in der chemischen Industrie, der Textilindustrie, bei Maschinenbauern sowie in der Elektro-, Stahl- und Aluminiumindustrie sind abhängig von der Autokonjunktur. Auch Autohändler, Werkstätten und Tankstellen sowie weitere Dienstleister – etwa Versicherer – zählen dazu.

Exporte

Fahrzeuge sind der größte deutsche Exportschlager. Mehr als drei Viertel der in Deutschland hergestellten Pkw werden exportiert: 2016 waren es gut 4,4 Millionen.

Auslandsumsatz

Die Ausfuhren von Kraftwagen und Kraftwagenteilen summierten sich 2016 auf mehr als 228 Milliarden Euro. Das entspricht fast einem Fünftel der gesamten deutschen Exporte. Ein Großteil des Auslandsumsatzes wird in den EU-Ländern erwirtschaftet.

Forschung

Weltweit investierte die deutsche Autoindustrie zuletzt fast 39 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung (FuE). In Deutschland sind es knapp 22 Milliarden Euro, was mehr als ein Drittel der gesamten Ausgaben der heimischen Wirtschaft für Forschung und Entwicklung entspricht.

Mitarbeiter und Patente

Mehr als 110.000 Mitarbeiter sind in den Entwicklungsabteilungen beschäftigt. Von den weltweit 3000 Patenten zum autonomen Fahren entfallen etwa 58 Prozent auf deutsche Firmen.

Die EU-Kommission geht derzeit dem Verdacht illegaler Absprachen von VW, Audi, Porsche, Daimler und BMW in der Pkw-Entwicklung nach. Der „Spiegel“ hatte berichtet, die Autobauer hätten sich seit den 1990er-Jahren in mehr als 60 Arbeitskreisen über Technik, Kosten, Zulieferer, Märkte und Strategien abgestimmt.

Sollten die Vorwürfe zutreffen, wäre dies eines der größten Kartelle der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Neben milliardenschweren Strafen bedeutet das einen weiteren Image-Schaden für die Autoindustrie, die schon wegen zu hoher Diesel-Abgaswerte unter Betrugsverdacht steht.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Gerd Hohn

25.07.2017, 17:46 Uhr

Das dürfte interessant werden, vor allem, nachdem Juncker in einem ziemlich durchsichtigen Manöver die Maut seines Parteifreundes Dobrindt durch die von ihm geleitete Behörde trotz erheblicher Bedenken in Bezug auf das EU-Recht anstandslos hat durchwinken lassen. Doch von Juncker stammt der Satz: Wenn es Ernst wird, muss man lügen. Beim Geschummel der Autobauer und Junckers Intervention dürfte das höchsten moralischen Ansprüchen gerecht werden, wie man sie von Juncker eben kennt.

Herr Josef Hirsepp

25.07.2017, 18:39 Uhr

Interessant!
Da wird der Bock zum Gaertner...
aber Juncker kann ueber's Wasser gehen..nicht nur zwischen Deutschland & Luxembourg!

Denn er weiss stets wo die tragenden Steine im Trueben liegen....!

Herr Tomas Maidan

25.07.2017, 20:08 Uhr

Immerhin hat man mit der EU noch eine Instanz, die Maßstäbe angelgt und kontrolliert. In Russland regiert der Backschisch. Wer zahlt, dessen Produkte werden durchgewunken.


Kein Wunder, dass die russische Desinformations-Abteilung so sehr ein Interesse hatte, einen korrupten Unternehmer wie Donald Trump durchzusetzen. Der hatte immer schon Geschäfte mit der Mafia. So läuft das eben, in nicht demokratisch kontrollierten Gegenden. Und die Russen wären froh, wenn das Prinzip Trump auch weltweit mehr Einfluss bekäme.

Deswegen wollen Trump und Russland die EU aufreiben.

Oligarchen mauschelt weltweit. Wer das mag, kann diese Leute ja wählen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×