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19.01.2007

13:50 Uhr

EU setzt Spanien unter Druck

Gas Natural überlässt angeblich Eon das Feld

Der spanische Versorger Gas Natural will sich einem Bericht zufolge kommende Woche aus dem Übernahmekampf um den Stromkonzern Endesa zurückziehen. Das ist sicher eine gute Nachricht für Eon, die ebenfalls für Endesa bieten. Aber am Ziel ist der deutsche Versorger damit noch lange nicht. Auch der Streit zwischen der EU und Spanien ist nicht zu Ende.

HB MADRID. Wie die spanische Tageszeitung „El Mundo“ am Freitag berichtete, rechnen die Anteilseigner von Gas Natural mit einem Scheitern des eigenen Übernahmeplans. Grund sei die Bevorzugung des anderen Bieters, der Düsseldorfer Eon. Dieser habe privilegierten Zugang zu Informationen über Endesa bekommen, berichtet das Blatt.

Sollte Gas Natural seine Offerte tatsächlich zurückziehen, wäre Eon seinen Übernahmepläne zwar ein weiteres Stück näher, doch noch keineswegs am Ziel. Nach wie vor ist der spanische Baukonzern Acciona, der inzwischen 21 Prozent an Endesa aufgekauft hat und damit größter Anteilseigner ist, der schwierigste Gegner.

Gas Natural hatte den Übernahmekampf um Endesa im September 2005 mit einem Angebot in bar und in Aktien eröffnet, das derzeit rund 24 Mrd. Euro wert ist. Eon überbot Gas Natural mit einer Bar-Offerte im Wert von 36,5 Mrd. Euro. Die Düsseldorfer wollen mit Endesa in die Weltspitze der Strom- und Gasversorger aufrücken.

In den vergangenen Tagen haben zwei spanische Gerichte bereits die Klagen aufgehoben, die dem Eon-Angebot noch im Wege standen. Endesa hatte vor Monaten gegen das Angebot von Gas Natural geklagt. Nach spanischem Recht waren damit auch die Angebote von Konkurrenzbietern blockiert, weil alle Offerten gleichzeitig auf dem Markt sein müssen.

Endesa-Aktien notierten am Vormittag 0,7 Prozent tiefer bei 37,63 Euro, die Papiere von Eon fielen um 1,25 Prozent auf 97,41 Euro.

Die spanische Regierung verzichtet nicht auf ihre Auflagen für eine Übernahme des spanischen Konkurrenten Endesa durch den deutschen Eon-Konzern. Das teilte sie der EU-Kommission in einem Brief mit, der am Freitag in Brüssel eintreffen sollte. Die EU-Kommission drohte Spanien erneut mit rechtlichen Schritten. Die EU hatte Madrid bis zum (heutigen) Freitag Zeit gegeben, die Auflagen zurücknehmen. Madrid hatte nach einer ersten Verwarnung Ende September bereits einen Teil der Hürden abgebaut.

Mit dem Milliardenzukauf würde Eon zum größten Energieversorger weltweit. Das neue Unternehmen würde mehr als 50 Mill. Kunden in über 30 Ländern mit Strom und Gas versorgen und sowohl in Europa als auch in Nord-und Südamerika präsent sein. Doch stoßen die Übernahmepläne auf erbitterten Widerstand der spanischen Regierung, die stattdessen die Bildung eines starken nationalen Energiekonzerns befürwortet und Eon durch massive Auflagen auszubremsen versucht hat.

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