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18.06.2012

13:07 Uhr

Euro-Falle

Schuldenkrise belastet Europas Autoindustrie

VonMarkus Fasse, Mark C. Schneider

Europas schwächelnde Autobauer leiden unter der Euro-Krise, während die Konkurrenz aus Korea zunehmend aggressiver wird. Eine Marktbereinigung lässt auf sich warten. Stattdessen trommeln Unternehmen nach Staatshilfen.

Die Standortgarantie für das Opel-Werk in Bochum gilt bis 2016. dpa

Die Standortgarantie für das Opel-Werk in Bochum gilt bis 2016.

München/HamburgDie Automobilindustrie teilt sich mehr denn je in Gewinner und Verlierer. Während auf Europa fokussierte Hersteller wie Fiat und Opel neue Rückschläge verkraften müssen, fahren global ausgerichtete Autokonzerne wie Hyundai aus Korea neue Rekorde ein.

„Die Schuldenkrise in den südeuropäischen Ländern beschleunigt die seit Jahren wirkende schleichende Konsolidierung der Hersteller. Die Zweiteilung der europäischen Automobilindustrie in Gewinner und Verlierer verschärft sich“, sagte Stefan Bratzel, Professor für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach, dem Handelsblatt.

Allianzen der Autobauer

Daimler/ Chrysler

In der Vergangenheit hatte vor allem die Achterbahnfahrt von Daimler und Chrysler lange für Schlagzeilen gesorgt. 1998 gaben die Daimler-Benz AG und Chrysler Corporation die Fusion zur DaimlerChrysler AG bekannt. Der damalige Daimler-Chef Jürgen Schrempp übernahm Chrysler für knapp 40 Milliarden Dollar. Doch das US-Unternehmen entpuppte sich als milliardenschwerer Sanierungsfall. 2007 wurde das Ende der Allianz besiegelt. Chrysler wird nun vom italienischen Autobauer Fiat kontrolliert.

BMW/ Rover

Auch BMW musste für die Übernahme der britischen Rover Lehrgeld zahlen. Der damalige Vorstandschef Bernd Pischetsrieder fädelte 1994 die Fusion ein. BMW zahlte zwei Milliarden DM und steckte erhebliche Summen in die Entwicklung neuer Modelle. Als diese sich nicht verkaufen ließen, stieg BMW 2000 wieder aus.

Renault/ Nissan

Segensreich für beide Partner war dagegen die Liaison des Renault-Konzerns mit dem japanischen Autobauer Nissan. 1999 wurde die französische Nummer zwei größter Anteilseigner bei Nissan und machte aus dem angeschlagenen Hersteller ein ertragreiches Unternehmen.

Renault-Nissan/ Daimler

Renault-Nissan verbündete sich 2010 zudem mit Daimler. Renault und Nissan halten 3,1 Prozent an Daimler und die Schwaben wiederum halten 3,1 Prozent an Renault und 3,1 Prozent an Nissan. Die zwei Seiten versorgen sich gegenseitig mit Antrieben und Antriebsteilen.

Volkswagen/ Porsche

Volkswagen konnte erst nach einem erbitterten Übernahme- Machtkampf mit Porsche das Rennen für sich entscheiden. Zwar ist eine geplante Fusion wegen milliardenschwerer Schadensersatzklagen geplatzt. VW will aber nun die Porsche AG - in der das Autogeschäft gebündelt ist - schrittweise übernehmen. Derzeit hält VW 49,9 Prozent Volkswagen baut sein Imperium mit Milliardeninvestitionen massiv aus.

Volkswagen/ Suzuki

Im Dezember 2009 beteiligte sich der VW-Konzern für 1,7 Milliarden Euro mit knapp 20 Prozent an Japans viertgrößtem Autobauer Suzuki. Mittlerweiler gibt es allerdings reichlich Ärger. Suzuki Motor will seine Kooperation mit Volkswagen nach Vorwürfen des gegenseitigen Vertragsbruchs beenden und den eigenen Anteil von rund 20 Prozent von VW zurückkaufen. Doch die Deutschen stellen sich quer. Im November haben die Japaner deswegen ein Schiedsgericht angerufen.

Lief der Absatz zu Beginn des Jahres ohnehin schon schlecht, so kommt der Mai schlicht einer Katastrophe gleich. Um 8,7 Prozent brachen die Verkäufe in der EU zum Vorjahr ein. Das ist der achte Minusmonat in Folge. Dabei gilt der Mai auch in der Autoindustrie eigentlich als „Wonnemonat“. In guten Jahren werden dann die Höfe geräumt. 2011 rettete sich die Industrie mit 7,4 Prozent Zuwachs in den Sommer.

Nicht so in diesem Jahr: Seit Januar wurden in Frankreich 17 Prozent weniger Autos verkauft, Italien ist mit über 19 Prozent im Minus, der Absatz in Griechenland brach um 40 Prozent ein. Sogar Deutschland, bisher stabil, liegt im Mai mit fast fünf Prozent im Minus. „Es ist noch schlimmer gekommen als gedacht“, sagt Arndt Ellinghorst von der Credit Suisse. „Es ist durchaus möglich, dass der europäische Markt 2012 um acht bis zehn Prozent schrumpft.“ Zu Jahresbeginn gingen Branchenkenner von minus vier bis minus fünf Prozent aus.

Die europäische Autoindustrie sitzt in der Falle. Euro-Krise und Rezession in Südeuropa reißen die Märkte nach unten. Dazu kommen hausgemachte Probleme. Überkapazitäten von bis zu 30 Prozent vermutet die von der EU eingesetzte Expertengruppe „Cars 21“ unter Europas Herstellern. „Mindestens fünf Fabriken sind auf Dauer überflüssig“, sagt Bratzel.

Krampfhaft versuchen die Hersteller, ihre Marktanteile zu halten - in der Hoffnung, dass die Konkurrenz aufgeben muss. „Die massiven Überkapazitäten führen gerade im Klein- und Kompaktsegment zu einem enormen Preiswettbewerb, den manche Hersteller auf Dauer nicht durchhalten können“, sagt Bratzel. Volumenhersteller wie Fiat, Opel und PSA (Peugeot, Citroën) stünden zunehmend ohne Volumen dar. Das Fundament ihres Geschäftsmodells zerbrösele.

Kommentare (1)

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18.06.2012, 14:27 Uhr

Interessante Aussage, Analyse kann man das wohl nicht nennen.
Weil andere Länder Schulden haben, kann man keine Autos mehr verkaufen.
Für wie dumm hält man die Verbraucher eigentlich wirklich?
Das dumme Konsumvieh braucht nicht mehr so viele Autos, vielleicht andere Autos, aber um mobil zu sein, nicht nötig. Nicht mehr und nicht weniger. Und die "Märkte" rufen nach Steuergeldern. Noe, so kanns nicht gehen.
Das biegt man schön selbst hin. Wenn man weiter an diesen Wachstumsfetisch glauben will, nur zu. Dann produzieren bald die Leute im eigenen Garten mehr und sinnvollere Produkte als die Industrie. Der Finanzkommunismus muß ebenso versagen, wie der theoretische. Auch auf den privaten Ländereien in Russland wurde mehr produziert als auf den Kolchosen, es war die eigene Scholle.
Nun müssen die herrschenden Finanzmärkte langsam mal zeigen, ob und wie, dieses Wirtschaftssystem Bestand hat. Geld und Politik versus Bürger/Verbraucher. Da nützt es auch nicht wenn man sein Auto nicht mehr selbst reparieren kann, die Menschen lernen es trotzdem, es ist ein Produkt aus der Kategorie Langfristigkeit, und vor allem Nachhaltigkeit.

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