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13.05.2016

18:05 Uhr

Europäischer Automarkt

VW kann vom Boom nicht profitieren

Die Zahl der Neuzulassungen in der EU steigt im April um 9,1 Prozent – damit ist die Zahl der Autokäufe wieder auf Vorkrisenniveau. Europas größter Autobauer Volkswagen kommt beim weltweiten Absatz aber nicht vom Fleck.

Der europäische Automarkt brummt – doch bei VW stagniert der internationale Absatz. AFP; Files; Francois Guillot

Volkswagen

Der europäische Automarkt brummt – doch bei VW stagniert der internationale Absatz.

Frankfurt/MünchenDie Europäer kaufen wieder so viele Autos wie vor der Krise. Im April legten die Neuzulassungen in der EU um 9,1 Prozent auf 1,27 Millionen Euro zu, wie der Herstellerverband ACEA am Freitag mitteilte. Dies sei der höchste Wert seit April 2008. Die Märkte in Italien und Spanien wuchsen laut ACEA zweistellig; in Deutschland, dem größten Pkw-Markt der EU, betrug das Plus 8,4 Prozent.

In einer Analyse der Unternehmensberatung Ernst & Young hieß es, das Geschäft mit Neuwagen habe von zwei zusätzlichen Verkaufstagen profitiert, weil Ostern 2016 schon im März war und nicht wie 2015 im April. Damit relativiere sich der Aufwärtstrend. In den kommenden Monaten werde das Wachstumstempo voraussichtlich nachlassen.

„Zunehmende politische Unsicherheiten könnten das Konsumentenvertrauen in Europa dämpfen“, erwartet Autoexperte Peter Fuß von Ernst & Young. „In Großbritannien wirft ein drohender 'Brexit' seine Schatten voraus, die Griechenland-Krise spitzt sich wieder zu, in Spanien ist die Regierungsbildung gescheitert, und in Portugal droht eine Abkehr vom Spar- und Reformkurs.“ Frühere Krisenländer seien in den vergangenen Monaten die Haupttreiber des starken Absatzwachstums in Europa gewessen. Wegen der relativ hohen Verkaufszahlen seien weitere Steigerungen unwahrscheinlich.

Beliebteste Autoklassen bei Privatkäufern

Kompaktklasse nur noch knapp vor SUV

Wer sein Auto selbst zahlt, kauft besonders gern ein SUV. Rund jeder vierte auf eine Privatperson zugelassene Neuwagen war 2015 einer der modischen Crossover. Der Kompaktklasse – seit Jahrzehnten Spitzenreiter in der Beliebtheit – droht Rang zwei. Eine Übersicht der beliebtesten Pkw-Segmente bei privaten Neuwagenkäufern ....

Rang 6

Die Mittelklasse – im Gesamtmarkt immerhin auf Rang vier der beliebtesten Klasse – kommt bei den Privatkunden erst auf Platz sechs. Gerade mal 18,9 Prozent der Halter im Segment von VW Passat und Co. sind natürliche Personen aus Fleisch und Blut. Geringer ist die Quote nur in der oberen Mittelklasse (17,3 Prozent) und in der Oberklasse (13,8 Prozent).

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr rund 1,1 Millionen Neuwagen auf Privatpersonen zugelassen. Das entspricht einem Anteil von 34,2 Prozent am Gesamtmarkt von 3,2 Millionen Pkw.

Rang 5

Vans fand 2015 genau 84.631 Privatkunden: Bei den prototypischen Familienautos hätte man vielleicht einen höheren Privatkundenanteil als mäßige 32 Prozent erwarten können. Aber für junge Familien sind die praktischen Pampers-Bomber als Neuwagen häufig zu teuer, sind die Kinder größer und die Festgeldkonten voller, fährt man häufig lieber Limousine oder SUV als einen klobigen Van.

Ein einziges Modell fällt aus dem Rahmen: der sehr günstige Dacia Lodgy (ab 9.990 Euro) mit fast 80 Prozent Privatkunden – was die oben aufgeführte These letztlich stützt.

Rang 4

Kleinstwagen mit 89.317 Privatkunden: Lediglich jeder dritte Kleinstwagenkäufer bestellt das Fahrzeug auf eigene Rechnung. Größer ist der Anteil bei den besonders preisgünstigen Modellen.

So lassen beispielsweise rund 70 Prozent der Käufer eines Suzuki Celerio (zurzeit ab 9.690 Euro, 2015 zwischenzeitlich aber auch mal unter 7.000 Euro) das Fahrzeug privat zu.

Bei teureren Lifestyle-Modellen wie dem Fiat 500 oder dem Opel Adam ist das Verhältnis umgedreht.

Rang 3

Kleinwagen, 208.053 Privatkunden: Die Kleinwagen-Klasse ist ein typisches Privatkundensegment. Als Dienstwagen-Bonbon für das mittlere Management tendenziell zu klein, als Arbeitsgerät für Pizza-Kuriere tendenziell zu groß. Resultat ist ein weit überdurchschnittlicher Privatkundenanteil von 44 Prozent.

Rang 2

SUV, mit 253.186 Privatkunden in 2015: Während die SUV im Gesamtmarkt noch knapp eine Viertelmillion Neuzulassungen hinter der Kompaktklasse liegen, haben die Crossover auf dem privaten Markt schon ziemlich aufgeholt.

Der Privatkäuferanteil von 42 Prozent ist in der Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) der höchste hinter Wohnmobilen (64 Prozent) und Kleinwagen (44 Prozent).

Rang 1

Kompaktklasse (292.597 Privatkunden): Immer noch das populärste Fahrzeugsegment der Deutschen, auf dem Privatkundenmarkt aber zunehmend unter Druck (siehe Rang zwei). Rund 65 Prozent der 2015 neu zugelassenen Fahrzeuge sind auf eine Firma angemeldet.

Vor allem die deutschen Hersteller engagieren sich stark im Flottenmarkt, beim VW Golf geht nicht einmal jedes dritte Auto an eine Privatperson.

Deutsche Autobauer wie BMW, Daimler oder Audi profitieren von guten Geschäften auf dem Heimatkontinent, wo sie trotz aller Internationalisierung nach wie vor den Großteil ihrer Fahrzeuge verkaufen. BMW steigerte den Absatz im April konzernweit um 1,9 Prozent auf gut 179.000 Fahrzeuge. Die Kernmarke blieb allerdings mit gut 150.000 Auslieferungen hinter Mercedes-Benz und Audi zurück.

Volkswagen, Europas größter Autobauer, trat im vergangenen Monat bei den Verkaufszahlen auf der Stelle. 853.300 Fahrzeuge wurden im April nach Angaben des Konzerns weltweit abgesetzt, das sind nur 100 Stück mehr als im Jahr zuvor. In den USA, wo der Dieselskandal seinen Ausgang nahm, sackten die Auslieferungen ab, in Europa legten sie dagegen zu.

VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann hatte im Reuters-Interview eingeräumt, dass der Dieselskandal auch auf dem Heimatkontinent für Belastung sorgt. „Es ist richtig, dass wir zurzeit nicht vollständig am Wachstum im europäischen Markt teilnehmen.“ Der Marktanteil - der laut ACEA auch im April zurückging - stehe nicht im Vordergrund. Die Rabatte wurden demnach wegen der Abgasaffäre nicht erhöht, sie stiegen in der Branche allgemein.

Mit Blick auf den Absatz der Hauptmarke VW sprach Stackmann von einem stabilen Bild „auch zu den Vormonaten“. Im Vergleich zum April 2015 schrumpften die weltweiten Verkaufszahlen der Marke VW indes um 3,9 Prozent auf 476.700 Fahrzeuge. In Europa wuchsen sie laut ACEA um 2,7 Prozent.

Von

rtr

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