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07.12.2011

16:39 Uhr

Europas Airlines

Gesellschaften drohen 2012 Millionenverluste

Die Weltluftfahrt-Organisation prophezeit der Branche Millionenverluste - sollte sich die Euro-Krise verschärfen, könnte das Minus sogar Milliarden betragen. Für Turbulenzen sorgt nicht nur die Euro-Krise.

Am Flughafen Dresden beobachten Passagiere eine Lufthansa-Maschine: Tiefrote Zahlen für 2012. APN

Am Flughafen Dresden beobachten Passagiere eine Lufthansa-Maschine: Tiefrote Zahlen für 2012.

GenfFür Europas Fluggesellschaften droht 2012 ein heftiges Jahr zu werden. Die Staatsschuldenkrise dürfte die Branche mit Größen wie Lufthansa, Air France-KLM, British Airways und Ryanair tief in die roten Zahlen reißen, wie der Chef der Weltluftfahrt-Organisation IATA, Tony Tyler, am Mittwoch in Genf ankündigte. Weltweit dürften sich die Gewinne der Airlines auf 3,5 Milliarden US-Dollar (2,6 Mrd. Euro) halbieren. Tyler warnte gar vor Verlusten in Milliardenhöhe, sollte sich die Schuldenkrise zu einer neuen Bankenkrise ausweiten. „Das größte Risiko für die Gewinne der Fluglinien im nächsten Jahr sind die wirtschaftlichen Turbulenzen, falls die Regierungen die europäische Staatsschuldenkrise nicht lösen“, sagte Tyler. Doch auch wenn eine Bankenkrise ausbleibe, werde Europa um eine kurze Rezession nicht herumkommen. Den europäischen Gesellschaften drohe in diesem „besten Fall“ ein Verlust von 600 Millionen Dollar.

Neben dem nachlassenden Wirtschaftswachstum machen den Fluglinien in Europa die Ticketsteuern in Deutschland und anderen Staaten zu schaffen. Ab Januar kommen voraussichtlich neue Kosten für Emissionsrechte hinzu, die die EU für Flüge in und aus der Union verlangen will. Die IATA rechnet zu Beginn mit Kosten von 1,2 Milliarden Dollar. Mittelfristig könnten es bis zu 4 Milliarden Dollar jährlich werden. Außerdem dürften die Ausgaben für Kerosin weiter in die Höhe klettern.

Für den Fall einer neuen Bankenkrise sagte Tyler, die Fluglinien müssten mit 8,3 Milliarden Dollar den höchsten Verlust seit der Wirtschaftskrise 2008 verkraften. Davon müssten die europäischen Gesellschaften voraussichtlich gut die Hälfte tragen. Kein Unternehmen käme ungeschoren davon, schätzt der Verband. „Der Wirtschaftsabschwung wird die Billigflieger ebenso treffen wie die klassischen Linienfluggesellschaften“, sagte IATA-Chefökonom Brian Pearce.

Im zu Ende gehenden Jahr liefen die Geschäfte noch deutlich besser - wenn auch nicht ungetrübt. Die Gewinnprognose für 2011 hielt der Verband mit 6,9 Milliarden Dollar aufrecht. Bei Europas Fluglinien dürften die Überschüsse mit 1,0 Milliarden Dollar jedoch geringer ausfallen als bislang angekündigt. Zulegen konnten voraussichtlich die Fluglinien in Nordamerika und Asien, denen die IATA auch für das kommende Jahr die größten Gewinne voraussagt.

Über eine nachlassende Nachfrage nach Flugtickets können sich Fluglinien dabei kaum beklagen. Für 2011 erwartet die IATA weltweit ein Passagierplus von 6,1 Prozent, etwas mehr als zuletzt angepeilt. Für das nächste Jahr sagt der Verband nun ein Wachstum von vier Prozent voraus. Der Umsatz der Branche soll - sofern die schwere Krise ausbleibt - um 3,7 Prozent auf 618 Milliarden Dollar wachsen. Die Lufthansa hat angesichts der Aussichten bereits ihre Wachstumspläne für den Winter zusammengestrichen. Air Berlin fährt das Flugangebot sogar zurück und verkleinert die Flotte.

Im Frachtgeschäft ist die schwächere Wirtschaft bereits deutlicher zu spüren. Für 2011 sagt die IATA ein Minus von einem halben Prozent voraus. Für 2012 erwartet der Verband eine Stagnation beim Frachtaufkommen. Das Frachtgeschäft gilt als Frühindikator der Wirtschaftsentwicklung. Wenn die Fracht zurückgeht, deutet dies auf einen bevorstehenden Abschwung in der Gesamtwirtschaft hin.

Von

dpa

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