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01.01.2010

13:55 Uhr

Europas Automärkte

Neue Studie verheißt nichts Gutes

Trübe Aussichten für den europäischen Autoabsatz: Im neuen Jahr werden nach einer Prognose des Autoforschers Ferdinand Dudenhöffer in Westeuropa fast eine Million Autos weniger verkauft als 2009. Woanders sei allerdings mit Zuwächsen zu rechnen.

Volkswagen-Modelle stehen in einem Lager- und Auslieferungsturm. Quelle: ap Quelle: ap

Volkswagen-Modelle stehen in einem Lager- und Auslieferungsturm. Quelle: ap

HAMBURG/ ESSEN. "Die Autowelt wird derzeit neu geordnet. Dies hat Konsequenzen für die Produktionsstandorte", heißt es in der am Freitag veröffentlichten Studie des Car-Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen. Dank Abwrackprämie und Konjunkturprogrammen war 2009 dagegen trotz der Wirtschaftskrise das sechstbeste Verkaufsjahr für Autos weltweit. In Deutschland wurden dank der Prämie 3,8 Millionen Autos verkauft, 24 Prozent mehr als im Vorjahr. Für 2010 erwartet der Experte einen Einbruch der Nachfrage um 26 Prozent auf 2,8 Millionen Autos.

Im vergangenen Jahr wurden der Studie zufolge weltweit 52,8 Millionen Autos verkauft, 5,4 Prozent weniger als im Vorjahr. "Das Ergebnis ist aber deutlich besser als noch vor zwölf Monaten erwartet", betonte der Autoexperte. "Der große Einbruch ist ausgeblieben." Rettung für den Automarkt brachten die Konjunkturprogramme in wichtigen Ländern und die schnellere Erholung der Weltwirtschaft.

Insgesamt wurden in Westeuropa mit 13,6 Millionen Autos rund 40 000 Fahrzeuge mehr verkauft als im Vorjahr. Dagegen gingen allein in Nordamerika die Verkäufe um fast 22 Prozent auf 12,5 Millionen Autos zurück. Spitzenreiter des weltweiten Automarkts war nach der Hochrechnung China mit einem Zuwachs von 44 Prozent oder 2,5 Millionen auf 8,2 Millionen Autos. Der russische Markt brach um 44 Prozent ein, dort wurden 1,35 Millionen Wagen weniger verkauft. Weitere Verlierer waren Japan (minus 378 000 Autos), Kanada (minus 219 000), Spanien (minus 209 000) und England (minus 153 000).

Für 2010 rechnet Dudenhöffer mit massiven Marktverschiebungen. In der Summe entwickele sich der weltweite Automarkt jedoch positiv. Insgesamt werde die Nachfrage um 4,3 Prozent auf 55,08 Millionen Autos steigen - vor allem dank der Märkte in den USA, China, Russland, Spanien und Indien. In Westeuropa werden im neuen Jahr nach der Prognose 951 000 Autos weniger verkauft als 2009, ein Minus von 7,0 Prozent. "Insbesondere der starke künstliche Push durch die Abwrackprämie in Deutschland ist für den Rückgang verantwortlich. Deutschland zieht Westeuropa nach unten", betonte Dudenhöffer.

Kommentare (2)

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Hans von Ohain

05.01.2010, 12:40 Uhr

Warum zitieren eigentlich alle Medien diesen unsäglichen Herr Dudenhöffer? Liegt es vielleicht daran, dass man sich selbst keine Gedanken mehr macht? Dass es einer Zeitschrift, wie dem Handelsblatt, an eigener Expertise fehlt?

Dabei reicht nur ein kurzer blick: Die branche leidet seit Jahren an gigantischen Überkapazitäten. bedingt durch das seit Jahrzehnten unveränderte Geschäftsmodell im Vertrieb fangen die zumeist selbständigen Händler dieses Problem auf. Die Hersteller präsentieren immer bessere Absatzzahlen und immer höhere Renditen, während es im Handel seit Jahren nur abwärts geht.

Die Ware AUTO ist inzwischen zum Ramsch geworden, der nur nur mit zweistelligen Rabatten in den Markt gedrückt werden kann. Die Hersteller arbeiten nicht nachfrageorientiert, sondern nur gemäß den eigenen Kapazitäten.

Liebes Handelsblatt, schauen Sie doch einfach mal hinter die Kulissen. Sie werden erstaunt, wenn nicht erschrocken sein, wie wenig von dem vordergründigen Glanz und Gloria, von dem Getue und Getöse um Premiummarken, von den hochgelobten Managern in ihren privaten Fluggeräten tatsächlich übrig bleibt.

W. Fischer

05.01.2010, 13:09 Uhr

Sehr geehrter Herr Ohain, ich bin mit ihren Ausführungen Hundertprozent einverstanden. besser hätte ich es nicht formulieren können.
Danke

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