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27.07.2012

13:11 Uhr

Europas Automarkt

Sonderschichten bei den einen - Kurzarbeit bei den anderen

Die höchst unterschiedliche Lage in der Autoindustrie macht sich im Sommer für die Beschäftigten bemerkbar: Während es bei den einen Herstellern Sonderschichten gibt, haben andere Kurzarbeit angekündigt.

Bei Volkswagen wird auch im Sommer weiter produziert. dapd

Bei Volkswagen wird auch im Sommer weiter produziert.

StuttgartViele Autobauer halten ihre Belegschaft trotz des schwächelnden Automarkts in Europa auch in den Werksferien auf Trab. Im Sommer werde weiter produziert, hieß es bei Volkswagen und seiner Tochter Audi. Bei BMW und Daimler gibt es den Angaben zufolge ebenfalls keine Werksferien im klassischen Sinn mehr. Die Autobauer wollen neuen Modellen damit einen optimalen Start sichern - oder ihre Werke mal wieder auf Vordermann bringen, wie sie auf Anfrage mitteilten.

Allerdings ist die Branche zweigeteilt: Während die einen Extra-Schichten fahren, setzt anderen die Absatzkrise in Europa zu. Bei Fiat muss so mancher Mitarbeiter wohl länger Ferien machen, als ihm lieb ist: Im italienischen Pomigliano gibt es statt Sommer-Sonderschichten verlängerte Werksferien für 2150 Beschäftigte. Auch Ford leidet massiv unter den Absatzschwierigkeiten in Europa. Der Autohersteller kündigte für sein Kölner Werk für September vier Tage Kurzarbeit an.

Die größten Autohersteller in Europa

Platz 10

Nissan - 239.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Im Vergleich zum Vorjahr büßen die Japaner Marktanteile ein. Die Zahl der Neuzulassungen schrumpfte um drei Prozent.

Platz 9

Toyota - 295.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Weltweit gehören die Japaner zu den größten Autokonzernen. In Europa stagnieren die Absätze allerdings. Im Vergleich zum Vorjahr wurden ein Prozent weniger Neuwagen verkauft.

Platz 8

Daimler - 349.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Der deutsche Premiumhersteller kann sich freuen: Als einziger Hersteller in der europäischen Top Ten verkauften die Stuttgarter mehr Autos als im Vorjahr. Die Verkäufe legten um ein Prozent zu.

Platz 7

BMW - 421.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Trotzdem kann BMW die Premiumkrone auch in Europa behaupten. Die Münchner verkauften zwar ein Prozent weniger Neuwagen als im Vorjahr - doch das ist immer noch besser als die Konkurrenz.

Platz 6

Fiat - 456.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Sorgenfalten von Fiat-Chef Sergio Marchionne dürften zunehmen. Mit einem Minus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr befinden sich die Italiener in einer der tiefsten Absatzkrisen der Unternehmensgeschichte.

Platz 5

Ford - 533.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch für den US-Autobauer, dessen größtes Werk in Europa nördlich von Köln liegt, sind die Verkäufe in Europa eingebrochen. 11 Prozent weniger Fahrzeuge wurden an den Mann gebracht.

Platz 4

General Motors - 573.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Zahlen sind besorgniserregend. So besorgniserregend, dass zuletzt auch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke gehen muss. In Europa brachen die Verkäufe des US-Riesen im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent ein.

Platz 3

Renault - 583.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Noch schlimmer trifft es den französischen Autoriesen Renault. Satte 17 Prozent weniger Autos konnten die Franzosen im ersten Halbjahr absetzen. Die Regierung denkt bereits über Staatshilfen für die angeschlagene heimische Autoindustrie nach.

Platz 2

Peugeot/Citroën - 827.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch der größte französische Autobauer klagt über Absatzprobleme und kündigte zuletzt an, 8000 Stellen streichen zu wollen. Im ersten Halbjahr schrumpften die Verkäufe um 14 Prozent.

Platz 1

Volkswagen - 1,66 Millionen Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Es ist einsam an der Spitze: Die Wolfsburger deklassieren die Konkurrenz um längen. Im schwierigen europäischen Massenmarkt verliert Volkswagen zwar ein Prozent - doch insgesamt nehmen die Marktanteile zu.

Autobauern wie Mercedes oder BMW macht das insgesamt schwächelnde Geschäft in Europa weniger zu schaffen - sie profitieren von der starken Nachfrage in China und den USA. Ähnlich sieht es auch bei Volkswagen aus. Den Wolfsburgern kommt vor allem ihre weltweite Ausrichtung und ihre breites Modell-Angebot zugute.

Während der Urlaubszeit bereitet VW unter anderem den Anlauf des neuen Golf 7 vor. „Wir machen uns fit für den Start“, hieß es. „Die normale Produktion wird im August runtergefahren, aber es sind jede Menge Experten gefragt.“ Der neue Golf ist das erste Modell der VW-Kernmarke, das auf dem Modularen Querbaukasten (MQB) basiert, der die Fertigung einheitlicher und günstiger machen soll. Der Golf ist das wichtigste Modell von VW.

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Betriebsrat und Management hätten für alle wichtigen Produktionsstätten zusätzliche Einsätze von Kollegen vereinbart. Um seinen Urlaub gebracht wird bei VW aber niemand: Nur wer arbeiten will, braucht mitzuhelfen. Auch an anderen deutschen Standorten leisten Teile der Belegschaft freiwillige Mehrarbeit.

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