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12.06.2012

11:59 Uhr

Eurosatory

Waffenkonzerne rüsten für den Krieg der Zukunft

VonLukas Bay

Statt mit Soldaten werden die Kriege der Zukunft mit Drohnen und Hackern geführt. Auf der Rüstungsmesse Eurosatory in Paris suchen die europäischen Waffenschmieden nach neuen Geschäftsmodellen und Märkten.

Ein vietnamesischer Offizier begutachtet eine Cassidian-Drohne. AFP

Ein vietnamesischer Offizier begutachtet eine Cassidian-Drohne.

Düsseldorf/ParisStell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin. Dieser Slogan aus der Friedensbewegung könnte schon bald Wirklichkeit werden, allerdings anders als ursprünglich gedacht: Der Krieg der Zukunft braucht weniger Soldaten an der Front, prognostizieren die Rüstungskonzerne. Er wird vielmehr im Internet und mit unbemannten Waffensystemen geführt. Das ist das beherrschende Thema auf der Eurosatory, eine der weltweit größten Messen für Wehrtechnik. Alle zwei Jahre treffen sich die Größen der Rüstungsbranche nördlich von Paris. Zwischen Raketen und Panzern berät die Branche, wie sie die Welt für künftige Kriege rüsten kann. Unter den Ausstellern sind auch 123 deutsche Waffenschmieden - darunter bekannte Namen wie Krauss-Maffei Wegmann, Heckler & Koch und Rheinmetall. Eins steht fest: Die Nachfrage nach schwerem Kriegsgerät dürfte in den kommenden Jahren deutlich nachlassen.

Die größten Waffenimporteure

Platz 10

Griechenland

Auch die umfangreichen Waffenimporte der Griechen haben die Schuldenkrise vorangetrieben. Mit neuen U-Booten von TKMS und Panzern von Krauss-Maffei Wegmann wurde die Armee aufgerüstet. Profitiert haben vor allem deutsche Rüstungskonzerne. 2010 gingen damit drei Prozent der weltweiten Rüstungsimporte auf das Konto der Griechen. 2011 wurden keine neuen Waffenimporte mehr vereinbart.

Platz 9

Vereinigte Arabische Emirate

36-Milliarden-Dollar-Deal mit den US-Rüstungskonzernen Boeing und Lockheed Martin katapultiert auch die Vereinigten Arabischen Emirate unter die größte Waffenimporteure der Welt. Vor allem F-15 Kampfjets sind in der Region gefragt.

Platz 8

USA

Auch der größte Waffenimporteur der Welt kauft auch bei ausländischen Waffenherstellern ein. Insgesamt machen die Waffenkäufe im Ausland drei Prozent des Marktes aus.

Platz 7

Algerien

Staatspräsident Abdelaziz Bouteflika gilt als Freund deutscher Waffensysteme. Zuletzt orderte er 54 Fuchs-Radpanzer für 150 Millionen Euro. Im weltweiten Waffenhandel gehen vier Prozent auf die Rechnung des nordafrikanischen Staats.

Platz 6

Australien

Mit dem umfangreichsten Rüstungsprogramm in der Geschichte des Landes baut die Regierung derzeit die australische Armee um. Auf der Einkaufsliste: 100 Kampfflugzeuge, sechs U-Boote, acht Kriegsschiffe. Insgesamt 70 Milliarden US-Dollar sind dafür eingeplant.

Platz 5

Singapur

Der südostasiatische Stadtstaat baut vor allem seine Seeflotte massiv aus, um die für die heimische Wirtschaft so wichtigen Seewege zu sichern. Auch zur Abschreckung Chinas schnellen die Waffenimporte in die Höhe.

Platz 4

China

Mit massiven Aufrüstungsprogrammen ist kaum eine Armee schneller modernisiert worden als die chinesische. Zuletzt wurden die Investitionen zwar etwas gedrosselt. Doch immer noch gehen fünf Prozent der verkauften Waffen weltweit nach China.

Platz 3

Pakistan

Krisengebiete wohin man blickt. Im Westen muss das Land eine kaum beherrschbare Grenze zu Afghanistan sichern. Um gegen die Taliban vorrücken zu können, wurde massiv investiert. Zudem treibt der weiterhin schwelende Konflikt mit Indien die Waffenkäufe.

Platz 2

Südkorea

Die Drohungen des unberechenbaren Bruderstaats aus dem Norden sorgen für steigende Waffenverkäufe im Süden. Vor allem Streubomben und Raketen werden stark nachgefragt. Mit einem Anteil von sechs Prozent kommen die Südkoreaner damit auf den zweiten Platz.

Platz 1

Indien

Nirgendwo auf der Welt wird so viel in Rüstung investiert wie auch der indischen Halbinsel. Neben dem Konflikt mit Pakistan befürchten die Inder, durch die neue Stärke Chinas ihre Führungsrolle zu verlieren. 82 Prozent der importierten Waffen stammen von russischen Unternehmen. Insgesamt gehen zehn Prozent der weltweit verkauften Waffen nach Indien.

Die Vorzeichen für die Branche sind schlecht. Das erste Mal seit 1998 sind die weltweiten Rüstungsausgaben kaum gewachsen, hat das Friedensforschungsinstitut Sipri berechnet. Um Währungseffekte bereinigt liegt das Wachstum bei gerade einmal 0,3 Prozent. Die Zahl der weltweiten Konflikte ist so niedrig, wie zuletzt 2002. Damals begann der internationale Kampf gegen den Terrorismus, der bis heute 1,7 Billionen Dollar verschlungen hat. Davon lebten die Waffenbauer jahrelang gut.

Doch die Zeiten, in denen vor allem die USA viel Geld für internationale Einsätze investierten, sind vorbei. Mit dem Abzug aus dem Irak und dem teilweisen Rückzug aus Afghanistan sinken die Ausgaben der größten Rüstungsnation der Welt. Im Kampf gegen das Staatsdefizit hat die Regierung Obama dem Verteidigungsetat ein umfangreiches Sparprogramm aufgelegt. Bis 2021 sollen 487 Milliarden Dollar eingespart werden. Nur Prestigeobjekte wie die Entwicklung des Kampfjets F-35 werden weiter finanziert.

Auch in Europa schrumpfen die Verteidigungshaushalte. Besonders in Südeuropa wirken sich die harten Sparmaßnahmen auf die Waffenimporte aus: Der Rüstungsetat von Griechenland ist seit 2008 um 26 Prozent gesunken, auch andere Krisenländer wie Spanien (minus 18 Prozent), Italien (minus 16 Prozent) und Irland (minus 11 Prozent) haben ihre Waffenetats seither massiv gekürzt. In Deutschland, England und Frankreich steht die große Sparwelle noch bevor. Allein der britische Wehretat soll bis 2015 um 7,5 Prozent sinken.

Es dürfte darum nur eine Frage der Zeit sein, bis die Krise auch die Bilanzen der europäischen Waffenhersteller erreicht. Wie die Armeen, rüsten darum auch die Hersteller ab und setzen auf schlankere Strukturen. BAE Systems hat zuletzt angekündigt, 18.000 Jobs abzubauen. Der Konzern ist immerhin der größte industrielle Arbeitgeber in Großbritannien. Auch in der Zentrale der EADS-Rüstungstochter Cassidian in Unterschleißheim werden 900 Stellen gestrichen. Um weiter zu wachsen, braucht die Branche neue Geschäftsfelder und Märkte.

Kommentare (6)

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Teile_und_herrsche

12.06.2012, 12:41 Uhr

Der Krieg ist ein Vorgang, bei dem sich Menschen umbringen, die einander nicht kennen, und zwar zum Ruhm und zum Vorteil von Leuten, die einander kennen, aber nicht umbringen.

Paul Valéry (1871-1945)


„Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin!“
(B. Brecht)

Das Menschen in den Krieg ziehen, dafür sorgen die Medien auf "beiden" Seiten.

Wer steuert eigentlich die Medien auf "beiden" Seiten? ;-)

AUFWACHEN!!!!!!!!!!!!

Bitte nicht löschen, Herr/Frau Zensor danke

Weitere Infos finden Sie unter:

[...] [+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++]

kuac

12.06.2012, 12:59 Uhr

Es gibt 2 todsicheres Geschäftsmodel auf der Welt. Banken und Krieg. Beide richten sich gegen die Mehrheit und zugunsten von einigen wenigen.

FriedenJetzt

12.06.2012, 15:54 Uhr

an dieser stelle kann man nur traurig den kopf schütteln ! Milliarde um milliarde wird in sinnlose und grausame technik investiert, während an anderer stelle das geld fehlt um die ursachen zu bekämpfen ! Alleine der Wehretat der BRD würde wohl ausreichen um eines entscheidend zu bekämpfen, ob das nun hunger, mangelnde bildung, oder bestimmte krankheiten sind. Wenn es der menschheit in naher zukunft nicht gelingt sich aus diesem teufelskreis der gewalt und ressourcen verschwendung zu verabschieden, wird das kein gutes ende nehmen. Eine welt in der die ressourcen immer knapper werden, kann jetzt vielleicht noch einen weg wählen der diese Probleme friedlich löst. In zwanzig oder 30 jahren ist vielleicht zu spät ! Statt also endlich einen Schlussstrich zu ziehen wird weiter fleißig gerüstet ! Es wird zeit dass die menschen aufwachen und dieser inhumanen Industrie einen Riegel verschieben, sie reduzieren, abschaffen und ächten ! Die Waffenindustrie plant und produziert nichts andres als den nächsten MORD !

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