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06.12.2011

10:40 Uhr

Ex-FDA Chef

Vorwürfe gegen Bayer wegen Antibaby-Pillen

Im US-Gerichtsstreit um Antibaby-Pillen von Bayer hat der ehemalige Chef der Gesundheitsbehörde FDA schwere Vorwürfe gegen den Leverkusener Konzern erhoben. Die Prozesse in Pennsylvania und Illinois starten nächsten Monat.

Schornsteine rauchen über dem Chemiepark Leverkusen mit dem Bayer Werk. dpa

Schornsteine rauchen über dem Chemiepark Leverkusen mit dem Bayer Werk.

New York/FrankfurtEx-FDA-Chef David Kessler warf Bayer vor, die Gesundheitsbehörde und die Öffentlichkeit vor der Zulassung des Verhütungsmittels Yasmin 2001 ungenügend über Thrombose-Risiken des Medikaments informiert zu haben. Das gelte auch für Informationen zu Medikamententests, in denen gefährliche Blutgerinnsel aufgetreten seien. Dies geht aus Gerichtsdokumenten hervor, die am Montag in einem US-Bundesgericht in Illinois zugänglich waren. Kessler war im Dezember 1990 vom damaligen Präsidenten George Bush Senior zum Chef der amerikanischen Gesundheitsbehörde ernannt worden. Er leitete die FDA bis 1997.

In Reaktion auf die Anschuldigungen verwies Bayer auf den laufenden Prozess. „Hierbei handelt es sich um eine Angelegenheit, die Gegenstand eines laufenden Rechtsverfahrens ist und dementsprechend vor Gericht behandelt werden wird“, sagte ein Sprecher. Weiter äußerte sich Bayer nicht. Es wird erwartet, dass Kessler in dem Verfahren als Experte angehört wird. Anwälte von Bayer hatten dies zu verhindern versucht.

In den USA waren Anfang Februar etwa 6850 Klagen im Zusammenhang mit den Bayer-Verhütungsmitteln Yaz und Yasmin anhängig. Darin wird Bayer vorgeworfen, die Antibaby-Pillen hätten bei Frauen zu Gesundheitsschäden geführt. Geklagt wird auf Schadenersatz oder Strafschadenersatz. Bayer hatte angekündigt, sich in den Verfahren entschieden zur Wehr zu setzen. Im kommenden Monat starten Prozesse in den Bundesstaaten Illinois und Pennsylvania. Noch in dieser Woche wird sich voraussichtlich ein Beraterausschuss der FDA mit der Sicherheit der Bayer-Verhütungsmittel beschäftigen.

Mit den Antibaby-Pillen der Yasmin-Produktfamilie, zu der auch die Verhütungsmittel Yaz und Yasminelle gehören, erwirtschaftete Bayer im vergangenen Jahr 1,1 Milliarden Euro Umsatz. Damit war es die zweitumsatzstärkste Produktgruppe im Pharmageschäft. Nur das Multiple-Sklerose-Mittel Betaferon erzielte mit 1,2 Milliarden Euro noch mehr Umsatz.

 

Von

rtr

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