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24.01.2007

19:01 Uhr

Exklusiv-Umfrage unter Dax-Unternehmen

Konzerne buhlen um Fachkräfte

VonUlf Sommer

Die großen deutschen Konzerne suchen händeringend nach Arbeitskräften. Einer Umfrage des Handelsblatts zufolge haben 28 der 30 Konzerne im Deutschen Aktienindex (Dax) offene Stellen in Deutschland, die sie so schnell wie möglich besetzen wollen. Zurzeit suchen die 30 Unternehmen mit ihren 1,5 Millionen Beschäftigten in Deutschland 15 000 Angestellte.

Die Dax-Konzerne suchen händeringend Mitarbeiter. Foto: dpa

Die Dax-Konzerne suchen händeringend Mitarbeiter. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Allein die Lufthansa will 3 000 neue Mitarbeiter einstellen. Gefragt sind Flugbegleiter, Mitarbeiter im Service sowie Hochschulabsolventen und Auszubildende. „Pilotenschüler sind schwer zu finden. Hier wünschen wir uns mehr Bewerbungen“, sagt ein Lufthansa-Sprecher. Gegenüber dem Vorjahr sucht die Lufthansa 20 Prozent mehr Arbeitskräfte.

Der stärkste Wirtschaftsaufschwung in Deutschland seit 2001 hat den Arbeitsmarkt erfasst. Im vergangenen dritten Rekordgewinnjahr in Folge erreichten die Unternehmen eine so hohe Effizienz und Nachsteuerrendite, dass jetzt höhere Umsätze mit neuen Arbeitsplätzen in fast allen Bereichen einhergehen. Die Walldorfer Sofwareschmiede SAP sucht 300 Berater für seine Betriebssoftware. SAP gehört zu den wenigen Unternehmen, die in Deutschland schon seit Jahren Arbeitsplätze schaffen.

Selbst die noch vor zwei Jahren wegen ihres massiven Stellenabbaus kritisierte Deutsche Bank sucht jetzt wieder Anlageberater und Vertriebskräfte in allen „beratungsintensiven Bereichen“. Das gilt auch für das zweitgrößte Institut, die Commerzbank. Noch stärker buhlen Industrie- und Energieunternehmen wie BMW, MAN, Continental, RWE und Eon um gute Kräfte. „Wir können zwar unsere offenen Stellen nach einer gewissen Zeit besetzen, aber in den Bereichen Elektronik und Fahrzeugtechnik wird es zunehmend schwieriger“, sagt eine BMW-Sprecherin.

Industrie-Unternehmen bewerten nach einer Befragung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) ihre Lage so gut wie seit 15 Jahren nicht mehr. Der DIHK rechnet deswegen mit 30 000 neuen Stellen in diesem Jahr. Das wäre bei sechs Mill. Industriebeschäftigten immerhin ein Plus von einem halben Prozent. Zwölf Dax-Konzerne suchen insgesamt 1 000 Ingenieure. Bundesweit fehlen nach Angaben des Fachverbandes VDI 22 000 Ingenieure.

Die Zahl der Gesamtbeschäftigten wird sich bei den Dax-Konzernen trotz der Einstellungswelle jedoch nicht erhöhen. Denn durch den Umbau in vielen Firmen fallen zugleich unrentable Arbeitsplätze weg – zum Teil werden sogar ganze Bereiche geschlossen. „Die Unternehmen strukturieren sich immer schneller um, weil die Globalisierung sie dazu zwingt und die Nachfrage sich immer rasanter ändert. Wer sich dem nicht stellt, verliert“, sagt DIHK-Chefvolkswirt Axel Nitschke.

Die Umstrukturierung ist bei fast allen Dax-Konzernen zu beobachten. Das Touristikunternehmen Tui und der Autokonzern Daimler-Chrysler etwa trennen sich von Verwaltungsangestellten, weil sie in diesem Bereich wegen besserer Software weniger Mitarbeiter brauchen. Gleichzeitig sucht Tui Mitarbeiter im Service und Daimler-Chrysler hoch qualifizierte Techniker. Selbst die Telekom, die innerhalb von drei Jahren 32 000 Stellen abbaut, hat derzeit Stellenangebote ausgeschrieben, etwa im Vertrieb, Service und in der Informationstechnologie. Allein in den T-Punkt-Läden will der Konzern in diesem Jahr über 1 000 neue Mitarbeiter einstellen.

Unter dem Strich wird mehr als ein Dutzend der Dax-Konzerne trotz der Suche nach hoch qualifizierten Kräften Ende 2007 weniger Menschen in Deutschland beschäftigen als heute. „Große Unternehmen haben oft einen riesigen Ressourcenüberhang“, sagt Wirtschaftsprofessor Alexander Bassen von der Universität Hamburg. Damit fangen die Dax-Konzerne viel eher als mittelständische Firmen den Mangel an qualifizierten Kräften auf.

Der Auf- und Abbau zwingt Arbeitnehmer jedoch zu immer größerer Flexibilität. Allein 2006 wechselten in Deutschland nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg mehr als 6,5 Mill. sozialversicherungspflichtig Beschäftigte den Arbeitgeber. Das ist jeder vierte – so viel wie noch nie.





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