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20.01.2005

17:20 Uhr

Expansion nach Indien - Angebot für Aggregate

Holcim auf großer Shopping-Tour

Der Bauzulieferer Holcim kauft sich über eine Beteiligung an der indischen Zementholding Ambuja Cement India Ltd (ACIL) in den zweitgrössten Zementmarkt der Welt ein. Kostenpunkt dafür: rund 800 Mill. Dollar. Zugleich legte der Schweizer Konzern am Donnerstag die bereits in Aussicht gestellte Übernahme-Offerte für den britischen Bausstoffkonzern Aggregate Industries im Wert von 1,8 Mrd. Pfund Sterling vor.

HB ZÜRICH. Mit der Ankündigung der Transaktion in Indien dämpfte der zweitgrösste Baustoffkonzern der Welt Befürchtungen, Holcim habe mit den Aggregate-Übernahmeplänen einen Strategiewechsel vollzogen und lege nun das Expansionsschwergewicht auf so genannte reife Märkte anstatt sich auf die wachstumsträchtigen Schwellenländer zu konzentrieren. Experten sagen für den indischen Zementmarkt jährliche Wachstumsraten von je nach Schätzung sechs bis acht Prozent voraus. Die Holcim-Aktie stieg um mehr als vier Prozent auf 73,50 sfr.

Da spielten dann auch Befüchtungen keine Rolle mehr, dass Holcim sich durch die Übernahme die Bilanz verschlechtern könnte. Auch die Ratingagentur S&P, die Holcim auf die Watch List genommen hatte, nachdem das Interesse an Aggragate bekannt geworden war, sah in der Übernahme in Indien kein zusätzliches Problem. Holcim will die Übernahmen aus eigenen Mitteln und bereits zugesagten Krediten finanzieren.

Die mit dem zuständigen Management abgesprochene Offerte für Aggregate fällt so aus wie erwartet. Die Aktionäre des britischen Konzerns sollen insgesamt 140 Pence je Aktie erhalten. Holcim besitzt nach eigenen Angaben derzeit bereits 14,7 % der Aggregate-Aktien.

In Indien geht Holcim nach einem bewährten Muster vor. Der Konzern strebt mit begrenztem Mitteleinsatz die Management-Kontrolle über den ältesten und zweitgrössten indischen Zementherstellen, nämlich The Associated Cement Companies (ACC), an. Diese verfügt über eine Produktionskapazität von 18,2 Mill. Jahrestonnen. Nach Abschluss der Transaktion, die Holcim bis April 2005 erwartet, will Holcim 67 % an einer Holding namens ACIL halten, die wiederum 50,01 % an ACC anstrebt.

Doch noch ist es nicht ganz so weit. Um sich die Kontrollmehrheit zu verschaffen, bedarf es eines öffentlichen Kaufangebotes an die ACC-Aktionäre, das ACIL bereits lanciert hat. Das Abgebot wurde an der Börse von Bombay aber kühl aufgenommen. Das Abgebot sei mit 370 Rupien pro Aktie viel zu niedrig, so ein heimischer Fondsmanager. Die Offerte müsse eine Prämie zum Aktienkurs aufweisen. „Einen grossen Eindruck hat die Offerte nicht gemacht,“ erklärte er. Am Vortag hatte die ACC-Aktie knapp über 370 Rupien notiert und fiel am Donnerstag sechs Prozent zurück.

Andere grosse Zementkonzerne wie die französische Lafarge und Italcementi operieren bereits auf den indischen Markt. Der Markt zählt 54 Anbieter mit einer installierten Kapazität von zusammen 124 Mill. Tonnen. Wenn alles klappt, will Holcim auch die Handelsaktivitäten für Klinker und Zement in den angrenzenden Regionen Südasiens, dem Mittleren Osten und in den Ländern des Indischen Ozeans verstärkten.

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