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02.01.2010

08:00 Uhr

Export

Deutschland verlässt sich auf seine alte Stärke

VonNorbert Häring

Dank der Ausrichtung auf den Export kann Deutschland überdurchschnittlich von der Erholung der Weltwirtschaft profitieren - aber die Risiken sind erheblich. Wenn der Euro weiter steigt oder der Welthandel einen neuerlichen Schwächeanfall erlebt, droht uns Ungemach.

Containerschiffe werden im Hamburger Hafen beladen. Deutschlands Wirtschaft verlässt sich weiterhin stark auf den Export - zu stark? ap

Containerschiffe werden im Hamburger Hafen beladen. Deutschlands Wirtschaft verlässt sich weiterhin stark auf den Export - zu stark?

FRANKFURT. Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise hat Deutschland besonders heftig gebeutelt. Die Wirtschaftsleistung ist seit der Großen Depression nicht mehr in einem solchen Ausmaß eingebrochen. In anderen Ländern des europäischen Währungsraums war es ebenfalls schlimm, aber meist nicht so schlimm. Nun sind Deutschland und seine Nachbarn zum Wachstum verdammt, wollen sie nicht in eine jahrelange Konjunkturmalaise geraten wie Japan seit Anfang der 1990er-Jahre.

Die Regierungen haben ihre Defizite explodieren lassen, um den Abschwung abzufedern. Millionen Arbeitnehmer sind unterbeschäftigt und müssen bald mehr zu tun bekommen. Andernfalls wird die Arbeitslosigkeit steigen und die Nachfrage dämpfen. Die Regierungen müssen entweder selbst weniger ausgeben oder ihre Einnahmen erhöhen. Beides dämpft ebenfalls die Nachfrage. Bleibt da die Konjunktur schwach oder bricht gar noch einmal ein, droht ein Teufelskreis aus sinkenden Einnahmen und steigendem Sparzwang.

Viele Arbeitsplätze fallen auf Dauer weg

Schon jetzt sind annähernd vier Prozent der deutschen Arbeitsplätze durch die Finanz- und Wirtschaftskrise verlorengegangen. Das ist kein vorübergehender Effekt, sondern aller Voraussicht nach ein dauerhafter Verlust.

Die Unternehmen haben ihre Kapazitäten nach unten angepasst, weil sie nicht damit rechnen können, dass der Welthandel in absehbarer Zeit an alte Zeiten anknüpfen wird. Es spricht auch wenig dafür, dass die heimische Nachfrage sich in den nächsten Jahren dynamisch entwickeln wird. Ganz abgesehen von den Absatzerwartungen, fehlen vielen Unternehmen die finanziellen Mittel, um ungenutzte Kapazitäten lange vorzuhalten.

Erholung der Weltwirtschaft nutzt Exportnation Deutschland

Zum Glück sieht es immerhin so aus, als ob sich die Weltwirtschaft unerwartet schnell erholte. Davon würde vor allem die Exportnation Deutschland überproportional profitieren. Deshalb sieht das Land bisher auch keinen Grund, seinem alten Geschäftsmodell abzuschwören. Über eine Verbesserung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit wollen wir dafür Sorge tragen, dass unsere Exporte kräftig steigen und dadurch steigende Einkommen geschaffen werden. Dazu werden die Unternehmen weiter von Steuern und Abgaben entlastet.

Dagegen nehmen sich die Entlastungen der Bürger eher bescheiden aus. Die Gewerkschaften haben bereits signalisiert, dass sie sich mit Forderungen nach höheren Löhnen in nächster Zeit zurückhalten werden, um die Beschäftigung zu sichern.

Das sind beste Voraussetzungen, um den deutschen Marktanteil am Welthandel zu erhöhen. So prognostiziert die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), dass der Außenhandel in den Jahren 2010 und 2011 jeweils mehr als die Hälfte des bescheidenen Wachstums von 1,4 Prozent und 1,9 Prozent beisteuern werde. Der Wachstumsbeitrag von jeweils einem Prozent wäre so hoch wie in keinem anderen großen Land des Euro-Raums. Mit knapp 13 Milliarden Euro war der Überschuss in der Handelsbilanz zuletzt fast so groß wie der Chinas.

Kommentare (7)

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Alfred

02.01.2010, 09:55 Uhr

Der "schwächeanfall" wird uns erhalten bleiben und sich noch massiv steigern.
Sind denn die Menschen blind und taub und kriegen nicht mit was sich für ein Tsunami vorbereitet ???
Aber so war es biher immer in der Geschichte.
Die Menschen sind naiv und glauben der Propaganda welche ihnen reingedrückt wird.
Das Aufheulen wird gewaltig werden......

WFriedrich

02.01.2010, 13:33 Uhr

im Leitartikel leuchtet Norbert Häring das breite Spektrum von Stärken und Schwächen, Potentialen und Herausforderungen aus.

Einige Ausführungen sollten uns besonders nachdenklich machen:

1.: „Die bedingungslose und alleinige Ausrichtung auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit bringt für Deutschland ein Risiko mit sich“ (in Verbindung mit)
2.: „Kehrseite der Medaille ist … eine besonders schwache Entwicklung des privaten Verbrauchs in Deutschland.

Würden wir uns wirklich von Risiken durch Verzicht auf Wettbewerbsfähigkeit befreien können? Dafür sehe ich keinen theoretischen oder praktischen Ansatz. Ob eine gegensätzliche Entwicklung von Export- und binnenmarkt unvermeidbar ist, muss hinterfragt werden. Neben anderen könnten als Ursachen unbegründete Marktpreise (s. Attraktivität der Reimporte) und unterschiedliche Lasten vermutet werden.

3.: „Über eine Verbesserung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit wollen wir dafür Sorge tragen, dass unsere Exporte kräftig steigen und dadurch steigende Einkommen geschaffen werden“

bisher galt dies immer als Quadratur des Kreises. Da Einkommen zugleich der Preis des Produktionsfaktors Arbeit ist, müssten steigende Arbeitskosten durch Kostensenkungen aller übrigen Produktionsfaktoren kompensiert werden. Maßstab ist aber nicht ein einfacher Saldo im Einzelunternehmen, sondern der Vergleich mit Wettbewerbern, die die Kosten aller Produktionsfaktoren uneingeschränkt steuern.

4.: „ … USA de facto eine Politik des schwachen Dollars verfolgen werden, weil sie nur so nachhaltig ihr hohes Defizit im Außenhandel ausgleichen und die fehlende inlandsnachfrage ersetzen können“.

Die Eingriffe in Währungen sind nichts anderes als eine willkürliche Veränderung der Leistungsbewertungsmaßstäbe und Folge des „Fiat Money“. Zweifellos leidet unsere Exportwirtschaft darunter sehr. Allerdings sind die Wirkungen zweischneidig, weil unterschiedlicher Wettbewerbsdruck entsteht. Wer stark herausgefordert ist und diese Herausforderung bewältigt, wird Stärke gewinnen. Wer dagegen von der niedrigen Meßlatte nach unten orientiert wird, verliert an Effizienz.

5.: „Durch gezielte Senkung der Lohnkosten und Unternehmensabgaben haben wir unsere preisliche Wettbewerbsfähigkeit…“

Dazu gab es im globalen Wettbewerb m.E. keine aussichtsreichen Alternativen. Ob es künftig Alternativen geben wird, bestimmen wohl eher die globalen Märkte als bester Wille im Elfenbeinturm.

Wir stehen vor einer bewegten Zeit. Dafür möge uns allen in 2010 Kraft, Entschlossenheit und Erfolg beschieden sein.

Max

02.01.2010, 19:52 Uhr

@ WFriedrich
Gratulation !
Kopflastiger kann man sich kaum äussern.
So ist das mit den intellektuell angehauchten.
Viele Worte - und es mangelt an Aussagekraft.
Man kann einfache und ganz offensichtliche Dinge verkomplizieren.
Nicht umsonst haben wir so viele tolle Gesetze und Regelungen welche selbst die Fachidioten noch überfordert.
Was muss das für ein Ego sein, welches sich an vielen Worten und unnötig verkomplizierten Darstellungen ergötzt ??????????

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