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24.01.2006

08:12 Uhr

Exporteinbruch

Wirtschaft fürchtet um Iran-Geschäft

VonMarkus Ziener

Im Atomstreit mit Iran wird der Ton immer schärfer. Das wirkt sich auch auf die Wirtschaftbeziehungen aus. Experten rechnen mit einem Einbruch der Exporte in diesem Jahr. Finanzkreise registrieren, dass Geld aus Iran abgezogen wird.

BERLIN/DÜSSELDORF/GENF. Rund eine Woche vor der Sondersitzung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) kommt Bewegung in den Konflikt um das iranische Atomprogramm. Am Montag verschärfte auch die britische Regierung den Ton gegenüber Teheran: „Iran gibt dem Terrorismus im Nahen Osten und anderswo eine aktive Unterstützung“, sagte Premierminister Tony Blair. US-Außenministerin Condoleezza Rice sagte, sie sehe „nicht mehr viel Raum für Verhandlungen“ mit Iran. Heute wird der iranische Unterhändler in Nuklearfragen, Ali Laridschani, in Moskau zu Gesprächen erwartet, berichtete die russische Nachrichtenagentur Interfax.

Moskau nimmt eine Schlüsselstellung in dem Streit ein. Denn noch steht das Angebot im Raum, die Anreicherung des vom Iran benötigten Urans in Russland vorzunehmen. Auf diese Weise könnte vermieden werden, dass sich Iran selbst in den Besitz der Anreicherungstechnologie bringt. Zwar hatte Iran am Wochenende Berichte dementiert, nach denen das Land bereit sei, mit Russland zu kooperieren. Doch die Äußerungen aus Iran widersprechen sich. Experten rechnen mit einer stabileren Position erst kurz vor der Sondersitzung des IAEO-Gouverneursrats am 2. Februar.

Fortgesetzt hat sich vor dem Hintergrund drohender Sanktionen gegen Iran die Debatte über die Auswirkungen eines möglichen Wirtschaftsboykotts. Nachdem der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad die islamische Welt dazu aufgefordert hat, ihre wirtschaftliche Macht gegen den Westen einzusetzen, wird dort über Konsequenzen diskutiert.

So warnte der stellvertretende US-Außenminister Robert Zoellick gestern davor, dass die iranischen Atompläne die Energieversorgung gefährden könnten. Der iranische Finanzminister Dawud Danesch-Dschafari hatte gesagt, Wirtschaftssanktionen würden zu einem drastischen Anstieg der Ölpreise führen, „unter dem mehrere Länder leiden würden“.

In deutschen Wirtschaftskreisen wird das Drohpotenzial der Ölwaffe jedoch mit Distanz betrachtet. So exportiert Iran von seinen täglich geförderten 2,9 Mill. Barrel 2,6 Mill. (je 159 Liter). Rund 60 Prozent des iranischen Staatsbudgets ruhen auf den Einnahmen aus dem Ölexport. Es gilt deshalb als unwahrscheinlich, dass Iran tatsächlich längere Zeit den Ölhahn abdreht, da er sich damit seiner Haupteinnahmequelle berauben würde. „Wir haben keine Anzeichen dafür, dass Ahmadinedschads Aufruf zu Sanktionen gegen den Westen bei anderen islamischen Staaten auf fruchtbaren Boden fällt“, sagt Jochen Clausnitzer, Länderexperte beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Dennoch sehen internationale Energieanalysten im kurzfristigen Ausfall iranischer Öllieferungen ein Problem: „Wenn die Iraner einen Produktionsstopp verfügen, dann könnte der Preis pro Barrel Öl auf 131 Dollar steigen“, sagt William Browder, Chef von Hermitage Capital Management.

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