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25.12.2011

14:13 Uhr

Exportgigant China

Wenn Spielzeug zur Qual wird

VonFinn Mayer-Kuckuk

Sie schneidern und montieren bis zur Erschöpfung, für einen Hungerlohn: in China gibt es zwar Arbeitsschutzregeln, nur halten sich viele Spielzeughersteller nicht daran. Selbst bekannte Marken verkaufen Schmutz-Ware.

Ersatzteile für defekte Barbie-Puppen. ZBSP

Ersatzteile für defekte Barbie-Puppen.

PekingDas Lösungsmittel stand in Wasserflaschen ohne Etikett herum, die Arbeiter hantierten ohne Handschuhe oder Atemmaske damit. Zustände wie diese in der Spielwarenfabrik On Tai, gelegen in der südchinesischen Industriestadt Dongguan, alarmieren längst auch verdeckte Ermittler. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass Arbeiter die giftige Substanz eines Tages mit Wasser verwechseln“, berichtet einer von ihnen.

Damit nicht genug. In der Fabrik trockneten die Arbeiterinnen Klebstoff mit einem uralten Fön aus Metall. Manchmal verteilte er Stromschläge. „Unsere Bitten um bessere Ausrüstung bleiben unbeantwortet“, klagt eine Arbeiterin.

On Tai Toys ist kein Einzelfall, wie aus Recherchen der Arbeitsrechtsorganisation Students & Scholars Against Corporate Misbehaviour (Sacom) hervorgeht. Freiwillige Helfer der Organisation haben in den vergangenen Monaten in mehreren südchinesischen Spielzeugfabriken angeheuert, um Beweise zu sammeln. Sie fanden heraus: Auch Unternehmen wie Disney, Mattel, Lego und McDonald’s beziehen Spielzeug aus Fabriken, die sich nicht an die chinesischen Regeln zum Arbeitsschutz halten.

Selbst Kinderarbeit scheint in China noch nicht gänzlich abgeschafft. Beim Spielzeughersteller Sturdy Products in der Produktionsmetropole Shenzhen trafen die Sacom-Ermittler auf 14-jährige Arbeiter, die zu niedrigstem Lohn schufteten. „Trotz Bemühungen, Kinderarbeit zu bekämpfen, weisen unsere Recherchen auf erhebliche Löcher im System hin“, schreiben die Experten der Organisation.

Sturdy Products produziert unter anderem für Mattel, Disney, Matchbox oder Fisher-Price. Auch hier hantieren die Arbeiter ohne Atemmaske mit Lösungsmitteln und machen bis zu 120 Überstunden im Monat. Der Basislohn liegt bei 150 Euro im Monat.

Die Chancen, so hergestellte Waren auch in Deutschland zu erwerben, stehen hoch: China exportiert jährlich Spielzeug im Wert von gut zehn Milliarden Dollar und deckt damit 70 Prozent des Weltmarkts ab. In der ersten Jahreshälfte stieg die Produktion noch einmal um zehn Prozent. Die Kosten sinken dabei immer weiter: Im vergangenen Jahr lag der Produktionspreis für das Durchschnittsspielzeug noch bei 65 Cent, heute sind es 52 Cent. Die gleichen Spielzeuge finden sich dann zum zehn- bis hundertfachen Preis im Einzelhandel.

Kommentare (6)

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EKELHAFT

25.12.2011, 14:42 Uhr

Was soll dieser Artikel? Hungerlöhne und Ausbeutung sind das Wirtschaftssystem, dass wir alle mit 85% Zustimmung bei jeder Bundestagswahl wählen und das wir bei jedem Einkauf bei Lidl, Schlecker, H&M, ZARA und Konsorten unterstützen.

Unser Wohlstand beruht auf dem Leid von Millionen von Menschen und wir entscheiden uns jeden Tag erneut für dieses Sytem. Was soll also gerade zu Weihnachten das scheinheilige Gejammer? Widerlich und Ekelhaft!

svebes

25.12.2011, 14:53 Uhr

wärend meiner Zeit in Dongguan traf ich genug Amerikaner. Aussage Unisono: Ich will hier möglichst schnell viel Profit und dann back to the USA. Der Rest, who cares? Wenns dann doch zu schmutzig wurde haben sie sich chinesische Strohmänner geschaltet. Hier wiedermal bestätigt. Wegen der McDonalds Kindertüte. Da gabs damals die ersten Selbstmorde unter den chinesischen Angestellten. Die Menschen 12 Stunden schuften lassen und dann ohne Ausgleich die Firma umziehen müssen. Da kippten einige um. Den Ami Managern wars damals egal und ist es ist ihnen heute immernoch sch..egal.

kat7

25.12.2011, 14:58 Uhr

Wird über Fön oder Lösungsmittel lamentiert, das eigentlich gefährliche sind doch die Spielsachen selber mit Weichmacher etc... letztens kam erst wieder eine Doku dazu die es sicher auf youtube etc gibt, die Arbeiter dort sind meist Wanderarbeiter zum leichteren Austausch, denn lange halten die Arbeiter die Belastungen dort meist nicht aus...

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