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04.10.2013

14:29 Uhr

Exportpläne

VW baut neuen Golf auch in Brasilien

Brasilien wird für die deutschen Autobauer als Absatzmarkt, aber auch als Produktionsort immer attraktiver. Nach BMW, Audi und Mercedes stockt nun Platzhirsch VW auf: Der neue Golf kommt ins Samba-Land.

Die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff empfing den Chef der Brasiliensparte von Volkswagen, Thomas Schmall. dpa

Die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff empfing den Chef der Brasiliensparte von Volkswagen, Thomas Schmall.

Brasília/WolfsburgEuropas größter Autobauer Volkswagen greift im Wachstumsmarkt Brasilien mit einer eigenen Produktionslinie für den neuen Golf an. Der Konzern steckt rund 520 Millionen Reais (170 Mio Euro) in sein Werk in São José dos Pinhais bei Curitiba, um den Verkaufsschlager direkt im Land fertigen zu können. Das kündigte der Präsident von Volkswagen do Brasil, Thomas Schmall, am Donnerstag (Ortszeit) nach einem Treffen mit Staatschefin Dilma Rousseff in Brasília an. Mit der Investition erhöhe sich die von 2012 bis 2016 geplante Gesamtsumme von VW in Brasilien von 8,7 auf 9,2 Milliarden Reais (3 Mrd Euro). Auch Mercedes-Benz, BMW und Audi wollen bald Pkw in Brasilien produzieren.

Ein Volkswagen-Sprecher betonte in Wolfsburg, die Fahrzeuge seien nicht nur für den lokalen Bedarf, sondern auch für den Export in andere südamerikanische Länder gedacht. Einen genauen Starttermin für die Golf-Fertigung in Brasilien nannte das Unternehmen noch nicht, ein Sprecher ging aber von einem Beginn in „etwa zwei Jahren“ aus. Zur geplanten Stückzahl wurden keine konkreten Angaben gemacht.

Die Entscheidung zur Investition zeige das Vertrauen von Volkswagen in Brasilien, das sich immer mehr zu einem der weltweiten Hauptproduzenten und -abnehmer für Autos entwickle, sagte Schmall. Vor rund zwei Wochen hatte auch die Tochter Audi die Wiederaufnahme der Produktion in Curitiba und Investitionen von 150 Millionen Euro mitgeteilt. Die Wolfsburger sind mit einem Anteil von rund 21 Prozent (2012) Nummer zwei auf Brasiliens Pkw-Markt nach Fiat (23 Prozent).

In Brasilien fertigt VW an all seinen Standorten täglich rund 3500 Fahrzeuge. Nun werde sich die Produktionskapazität in dem Werk bei Curitiba um bis zu 20 Prozent erhöhen, sagte Schmall. Dort wurden seit der Eröffnung im Januar 1999 bislang 2,2 Millionen Fahrzeuge gebaut. 3300 Beschäftigte stellen die Modelle Fox, Fox BlueMotion, CrossFox, SpaceFox und Golf her. Der neue Golf ist in Brasilien bereits zu haben, aber bisher nur als Importfahrzeug aus Deutschland.

Die VW-Sparten im Überblick

Volkswagen Pkw

Die Kernmarke des Volkswagen-Konzerns litt im Jahr 2013 unter der Absatzschwäche. Mit 4,7 Millionen verkauften Fahrzeugen schrumpfte der Absatz um 2,2 Prozent. Der Umsatz ging sogar um 4,4 Prozent zurück. Immerhin erwirtschaftet die Kernmarke noch ein operatives Ergebnis von 2,9 Milliarden Euro.

Audi

Die Premiumtochter aus Ingolstadt konnte die Verkäufe steigern. Mit 1,35 Millionen verkauften Fahrzeugen steht unterm Strich ein Plus von 3,85 Prozent. Auch der Umsatz legte leicht auf 49,88 Milliarden Euro zu. Unter Strich steht trotzdem ein deutlicher Rückgang beim Profit um rund 6,3 Prozent auf 5,03 Milliarden Euro.

Skoda

Mit günstiger VW-Technik konnte die tschechische Tochter in den vergangenen Jahren die Kunden locken. Im Jahr 2013 lief es schlechter. Mit 719.000 verkauften Fahrzeuge ging der Absatz um 1,2 Prozent zurück. Der Umsatz fiel es ebenfalls leicht schlechter aus und beträgt nun 10,32 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis hat das deutliche Spuren hinterlassen. Der Gewinn beträgt 522 Millionen Euro und damit satte 26,7 Prozent weniger.

Seat

Das spanische Sorgenkind kommt bei den Verkaufszahlen wieder auf die Bein 459.000 Fahrzeuge verkauften die Spanier im Jahr 2013 - ein Plus von rund sieben Prozent. Auch der Umsatz legt um rund sechs Prozent auf 6,87 Milliarden Euro zu. Unterm Strich steht aber immer noch ein Verlust von 152 Millionen Euro, der immerhin um vier Millionen reduziert wurde.

Porsche

Die Profitmaschine aus Zuffenhausen treibt erstmals das operative Ergebnis des VW-Konzerns an. Seit der Integration im August 2012 hat der Sportwagenbauer einen Profit von 1,46 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der Umsatz beträgt nun 7,03 Milliarden Euro. Der Absatz von Porsche wurde auch 78.000 Fahrzeuge taxiert.

Bentley

Bald soll die Luxus-Autoschmiede einen Nobel-SUV an den Start bringen. Dieses Jahr legt der Absatz um 21 Prozent auf 11.000 verkaufte Fahrzeuge. Auch beim Umsatz steht bei 1,68 Milliarden Euro ein Plus von 15,5 Prozent. Der Gewinn der britischen Nobeltochter legt um satte 68 Prozent auf 168 Millionen Euro zu.

VW Nutzfahrzeuge

Die Nutzfahrzeugsparte des Konzerns schwächelt weiter. Der Absatz stagniert bei 436.000 verkauften Fahrzeuge. Der Umsatz schrumpft ebenfalls leicht auf 9,37 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legt dagegen um 6,4 Prozent zu auf 448 Millionen Euro.

Scania

Die schweren Schweden verkaufen wieder mehr. Mit 80.000 verkauften Lkws stieg der Absatz um 19,4 Prozent, auch der Umsatz legt um 11,2 Prozent auf 10,36 Milliarden Euro zu. Mit 974 Millionen Euro ist das operative Ergebnis rund 4,7 Prozent besser als im Vorjahr.

MAN

Mit einem Beherrschungsvertrag sitzt VW längst auch bei den Münchenern am Steuer. Der Absatz des Lkw-Bauers legte im Gesamtjahr 2013 leicht auf 140.000 verkaufte Fahrzeuge zu. Der Umsatz sinkt dagegen leicht auf 15,86 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis steht unterm Strich ein Gewinn von 319 Millionen Euro - ein Rückgang um satte 61 Prozent.

VW Finanzdienstleistungen

Mit einem Umsatzplus von 10,8 Prozent leistet die Finanztochter des VW-Konzerns mittlerweile einen ordentlichen Beitrag zum Konzernergebnis. Das operative Ergebnis legte im Jahr 2013 um 17,5Prozent auf 1,86 Milliarden Euro zu.

Einer der Gründe für die lokale Produktion: Wer in Brasilien baut, umgeht 30 Prozent Zölle auf Importfahrzeuge und kann - je nach Höhe des lokalen Teileanteils - in den Genuss weiterer Steuervorteile kommen. VW ist deshalb nicht der einzige deutsche Autobauer, der in Brasilien - dem weltweit viertgrößten Automarkt - sein Engagement aufstockt. BMW baut derzeit in Joinville im Süden des Landes ein Werk für über 200 Millionen Euro, die Fertigung soll 2014 starten. Mercedes-Benz hatte diese Woche die Wiederaufnahme der Pkw-Produktion in Brasilien und den Bau eines Werkes in Iracemápolis bei São Paulo für 170 Millionen Euro verkündet.

Auch in Mexiko ist im kommenden Jahr der Bau des neuen Golf-Modells geplant. Von dort aus soll vor allem der nordamerikanische Markt abgedeckt werden. Im ersten Quartal 2014 will Europas Branchenprimus den Wagen in einer für Nordamerika angepassten Variante im Werk Puebla bauen.

Von

dpa

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