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12.01.2009

11:45 Uhr

Fachkräftemangel

Lockrufe aus dem Osten

VonK. Sekareva

Nicht nur zu DDR-Zeiten zog es qualifizierte Fachkräfte in den Westen - auch heute kämpfen viele ostdeutsche Unternehmen mit einem eklatanten Fachkräftemangel. Zwar lassen sich ostdeutsche Unternehmen einiges einfallen, um junge Talente zu locken, doch demografischer Knick und ein Rückgang an Studenten machen den neuen Bundesländern das Leben schwer.

Ingenieur bei der Arbeit. In den neuen Bundesländern fehlen vor allem Ingenieure. Alleine in Sachsen blieben mehrere Tausend Stellen unbesetzt. Foto: ap Quelle: ap

Ingenieur bei der Arbeit. In den neuen Bundesländern fehlen vor allem Ingenieure. Alleine in Sachsen blieben mehrere Tausend Stellen unbesetzt. Foto: ap

DÜSSELDORF. Früher war das nie ein Problem. Andreas Scher musste nie eine Anzeige aufgeben, den Nachwuchs für seine Firma Planet IC hat er über Praktika oder Abschlussarbeiten direkt an der Hochschule abgegriffen. Jetzt fehlen dem Betrieb, der in Schwerin IT-Dienste anbietet, zwei Softwareentwickler. Die Stellenausschreibungen laufen seit über vier Monaten. Bis jetzt ohne Erfolg.

Qualifizierte Kräfte zieht es in den Westen. "Der demografische Wandel ist deutlich spürbar", sagt Thomas Fahlbusch von der IHK Erfurt. In seinem Bezirk können zwar "im Großen und Ganzen" alle Stellen besetzt werden, doch auch hier müssen Betriebe länger nach Nachwuchs suchen. Werner Mankel von der IHK Dresden wird konkreter: "Im vergangenen Jahr sind in Sachsen zwischen 3 000 und 4 000 Stellen unbesetzt geblieben." Wie überall in Deutschland fehlen vor allem Ingenieure, und die kleinen Betriebe haben es am schwersten. "Wir haben zwar viele interessante Firmen, die innovativ arbeiten, aber keiner kennt sie", sagt Mankel. Wenn der Betrieb seinen Sitz nicht in einer der großen Städte, sondern auf dem Land hat, sieht es ganz schlecht aus.

Die Lage dürfte sich in den nächsten Jahren verschärfen, denn den ostdeutschen Hochschulen fehlen jetzt schon Studenten. Das ist auch für die Wirtschaft ein Problem, da Absolventen nach ihrem Abschluss häufig in der Region bleiben.

Ab dem kommenden Sommer wird sich auch noch der Geburtenknick nach 1990 bemerkbar machen. Für Brandenburg bedeutet das beispielsweise, dass die Anzahl der Schulabgänger mit Hochschulzulassung um 50 Prozent sinken wird. Spätestens fünf Jahre später wird das auf die Unternehmen durchschlagen. Hochschulen und Unternehmen lassen sich bereits einiges einfallen, um die jungen Talente in die neuen Bundesländer zu locken. Doch es reicht bei weitem nicht.

Andreas Scher hat sich schon einmal zusammen mit anderen Unternehmen an den Bahnhof in Schwerin gestellt, um die Pendler abzupassen. "Wir wollten den Menschen, die hier in der Region verwurzelt sind, zeigen, dass sie nicht jeden Tag bis nach Hamburg fahren müssen, um einen interessanten Job zu finden." Die Resonanz sei positiv gewesen, doch konkrete Auswirkungen kann man schwer nachweisen.

Das gilt für die meisten Aktionen dieser Art. So packte die IHK Schwerin Studenten von den Hochschulen Wismar und Rostock in einen Reisebus und fuhr mit ihnen in die regionalen Technologiezentren, um ihnen die dort ansässigen Unternehmen schmackhaft zu machen. Betriebe stellen sich regelmäßig sogar in Schulklassen vor, doch wie viele von den Schülern hinterher wirklich studieren, weiß man nicht. Peter Todt von der IHK Schwerin wünscht sich mehr Unterstützung von den Schulen selber. "Die Lehrer sollten den Schülern klarmachen, warum es sich lohnt, in der Region zu bleiben."

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