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29.11.2013

18:20 Uhr

Falsche Testverfahren

Spielzeughersteller kritisieren Stiftung Warentest

Nach Schokoladenhersteller Ritter Sport, üben nun auch Hersteller von Holzspielzeug massive Kritik an den Testverfahren der Stiftung Warentest. Die Prüfwerte ihrer Produkte seien ungewöhnlich.

Holzspielzeughersteller wehren sich gegen Kritik der Stiftung Warentest dpa

Holzspielzeughersteller wehren sich gegen Kritik der Stiftung Warentest

Stuttgart/WaldenbuchDie Spielwarenindustrie zweifelt die jüngsten Ergebnisse der Stiftung Warentest zu Holzspielzeugen an. Die Fachgruppe Holzspielzeug bemängelte am Freitag in Stuttgart die Untersuchungsverfahren. Die von der Stiftung Warentest verwendeten Testmethoden unterschieden sich teilweise deutlich von den allgemeinen Prüfstandards, hieß es.

„Die sich ergebenen Messergebnisse weichen somit zum Teil erheblich von den Werten ab, die unabhängige Prüfinstitute mit genormten Testverfahren bei gleichen Spielzeug erhalten“, teilte die Fachgruppe mit. Zu ihr gehören nach eigenen Angaben 22 einschlägige Hersteller.

Die Stiftung Warentest wies die Kritik zurück. Der Test habe sich an den rechtlichen Regelungen und Normen orientiert, sagte der Leiter des Bereichs Untersuchung, Holger Brackemann. Viele Holzspielzeuge bergen laut der Überprüfung der Stiftung Warentest Risiken für Kinder. Die vermeintlich natürlichere Alternative zur umstrittenen Plastik-Variante ist den Ergebnissen zufolge gefährlicher, als wohl viele Eltern bislang dachten.

Die Stiftung hatte 30 Holzspielzeuge für Kinder bis zum dritten Lebensjahr überprüft. Mehr als die Hälfte der getesteten Produkte bekam die Noten ausreichend oder mangelhaft. 14 der 30 Puppen, Schiebetiere, Bausteine oder Fahrzeuge aus Holz bewerteten die Tester besser, also mit gut oder befriedigend.

Erst am Donnerstag hatte der Schokoladenhersteller Ritter Sport im Streit um die Deklaration eines Aromastoffes eine einstweilige Verfügung gegen die Stiftung erwirkt. Das Landgericht München habe die Behauptung, Ritter Sport verwende chemisch hergestelltes Aroma in seiner Nuss-Schokolade, verboten, teilte der Schokoladen-Hersteller mit Sitz in Waldenbuch mit.

Vergangene Woche hatte die Stiftung Warentest einen Schokoladentest veröffentlicht. Darin bezeichneten die Tester die Kennzeichnung „natürliches Aroma“ auf der Schokolade von Ritter Sport als irreführend, weil sie einen chemisch hergestellten Aromastoff nachgewiesen hätten. „Diese Behauptung trifft nicht zu“, heißt es bei Ritter Sport. Der Aromenhersteller Symrise habe in einer Garantieerklärung bestätigt, dass der Rohstoff in der Ritter-Sport-Schokolade ein natürlicher Aromastoff sei.

Einstweilige Verfügung: Ritter Sport greift Stiftung Warentest frontal an

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Ritter Sport greift Stiftung Warentest frontal an

Der Streit zwischen Ritter Sport und der Stiftung Warentest über die Note "mangelhaft" für eine Schokoladensorte geht in die nächste Runde. Das Unternehmen hat eine einstweilige Verfügung erwirkt.

Eine Warentest-Sprecherin sagte am Freitag, die Stiftung habe bislang nur ein Fax erhalten: „Die einstweilige Verfügung von Ritter Sport liegt uns zwar noch nicht vor, wir werden aber auf jeden Fall Widerspruch einlegen“, sagte sie.

Für die Verbraucher macht es letztlich keinen Unterschied, ob das Piperonal chemischen oder natürlichen Ursprungs ist. „Der Aromastoff Piperonal stellt keine gesundheitliche Gefahr dar, Ritter Sport Voll-Nuss kann also bedenkenlos verzehrt werden“, heißt es bei Warentest.

Von

dpa

Kommentare (4)

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halidu

29.11.2013, 19:19 Uhr

Es wäre schön, wenn man aus einem solchen Artikel auch entnehmen könnte, woraus die Gefahr des Holzspielzeugs hervorgeht. Unter "Gefahr" kann ich mir dagegen sehr viel vorstellen

GuteSchokolade

29.11.2013, 21:06 Uhr

Spielzeughersteller verkaufen fast nur noch "Made in China". Hier gelten Mega-Massenherstellungsserien. Eine deutsche Kleinsicht der Dinge, was "gut" ist, gilt hier eher als störend und kostentreibend. Auch für die Vertriebskanäle, die hier einkaufen. Geringere Standards würden helfen, die Kosten noch weiter zu senken und die Gewinnmarge zu erhöhen. Also drescht man nun, den Gunst der Stunde nützend, schön auch auf die Warentester ein.

Im Fall "Ritter Sport"-Schokolade ist die Kritik Ritters in Teilen nachvollziehbar. Ritter kommt an den Pranger, da es "natürlichen Aromen" kennzeichnet. Hätte Ritter "Aromen" deklariert, hätte sich niemand aufgeregt. Das ist schon etwas "schitzofren" und "zu hart" für ein harsches Testurteil.

Das allerdings immer mehr Nahrungsmittel mit Aromen durchdrungen werden, die nicht "natürliche Aromen" sind, ist schon ein kleiner Gau. "Natürliche Aromen" OK, aber "Aromen" ohne Naturbezüge/Verfahren gehören m.E. in Gegenstände, aber nicht in Lebensmittel.

Die Aromadurchdringung führt auch dazu, dass Kunden immer mehr sensorisch abstumpfen und kräftiger geschmacklich empfinden müssen. Auch können "Minderqualitäten" so im Geschmackseindruck erhöht werden. Das alles ist nicht unbedingt schön.

Die meisten Vollmichsorten bei Schokoladen enthalten "Aromen" und/oder künstl. Vanille "Vanillin" als Aromaangabe. Es kostet wenig mehr und nordet den Geschmack auf. Die "guten Sorten" verwenden richtige Vanille - diese müssen allerdings gesucht werden und sind etwas teurer als die preiswerten Schokoladen.

Genuss

29.11.2013, 21:46 Uhr

Ich hab schon vor Jahren Ritter Sport Schokolade als minderwertigen Luxusartikel (geschmacklich) aussortiert...

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