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27.10.2011

17:43 Uhr

Familienunternehmen Agro Vim

Letzte Hoffnung Mittelstand

Der griechische Staat ist wie gelähmt. Das hält findige Mittelständler nicht davon ab zu investieren. Firmen wie der Feinkost-Exporteur Agro Vim sind die größten Hoffnungsträger - mit Kunden wie Metro und Rewe.

Griechischer Feinkost-Exporteur: Kostas Peimanidis mit einer Auswahl der Agro Vim-Produkte. Alexia Tsagkari

Griechischer Feinkost-Exporteur: Kostas Peimanidis mit einer Auswahl der Agro Vim-Produkte.

AthenJenny Gyftea ist eine Kämpferin. Das hat sie von ihrem Vater, sagt sie. Sein Motto: Erst nachdenken, dann loslaufen – gerade wenn es stürmt. Und Gyftea läuft. Gegen den Wind. Zusammen mit ihrem Mann Kostas Peimanidis stemmt sie sich gegen die Widerstände, gegen die knausrigen Banken, den sturen Staat. Zusammen führen sie das Familienunternehmen Agro Vim, der Olivenöl nach ganz Europa exportiert, in die USA, Japan, seit neustem auch nach Südamerika und bald nach China.

Das Öl hat so viele Preise gewonnen, dass ihre Liste eine ganze DinA4-Seite füllt. Wenn die Krise nicht wäre, Gyftea und ihr Mann wären das glücklichste Unternehmerpaar in der südlichen Festlandregion Messinia – gilt doch die Nahrungsmittelbranche als Hoffnungsträger. Tatsächlich drücken die Sorgen so, dass Gyftea, die gestandene Unternehmerin, manche Nacht nicht schläft. Doch ihren Mut verliert sie nicht.

Ihr größtes Problem sind  die klammen Banken. Um ein Fünftel haben die Hausbanken Agro Vim die Kreditlinien gekürzt, obwohl der Öl-Export boomt. Dabei muss Gyftea jedes Jahr den Bauern die Ernte abkaufen, Oliven für sechs Millionen Euro liegen dann im Lager. „Wir finden keine Bank, die die Vorfinanzierung übernimmt“, sagt sie.

Sie muss tricksen: Bauern bekommen ihr Geld später, sie managt die Bargeldströme professioneller denn je, bittet langjährige Kunden, Geld schneller zu überweisen. „Das können wir nur machen, weil wir schon 25 Jahre im Geschäft sind“, sagt sie. „Die Kunden vertrauen uns.“

Zweites Problem: der Staat. „Erst haben wir 18 Prozent Steuern auf unsere Produkte kalkuliert, dann waren es plötzlich 25 Prozent“, sagt sie. Dazu Gewinnsteuer, mehrere Krisen-Steuern. Plötzlich waren 60 Prozent des Gewinns beim Finanzamt. Zugesagte EU-Subventionen  für ein bereits gebautes Logistikzentrum bleiben beim Staat hängen, das Elektrizitätswerk braucht Monate, um ein geplantes Solar-Dach zu genehmigen. „Ich würde sogar in einem Jahr meinen gesamten Gewinn zahlen, wenn ich wüsste, es hilft dem Land – und wenn ich dann endlich Planungssicherheit hätte“, sagt sie.

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