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22.10.2016

09:02 Uhr

Familienvertreter im VW-Aufsichtsrat

„Verstehen unsere Aufgabe anders als Ferdinand Piëch“

Kritik an Bonuszahlungen und eine klare Abgrenzung zu Ferdinand Piëch: Die Familienvertreter im VW-Aufsichtsrat möchten anders sein als der große Firmenpatriarch. Ins operative Geschäft wollen sie sich nicht einmischen.

Die Familienvertreter Hans Michel Piëch und Wolfgang Porsche wollen ihre Rolle im VW-Aufsichtsrat anders interpretieren als der Firmenpatriarch. dpa

Ferdinand Piëch

Die Familienvertreter Hans Michel Piëch und Wolfgang Porsche wollen ihre Rolle im VW-Aufsichtsrat anders interpretieren als der Firmenpatriarch.

BerlinDie Familien Piech und Porsche stärken dem Volkswagen -Management den Rücken. Die VW-Aufsichtsräte Hans Michel Piëch und Wolfgang Porsche sagten dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“, sie wollten die Familien im Unternehmen nicht so vertreten wie Firmenpatriarch Ferdinand Piëch, der im vergangenen Jahr als Aufsichtsratschef zurückgetreten war.

„Wir sind anders, und wir verstehen unsere Aufgabe als Vertreter der Familien anders“, betonte Hans Michel Piëch laut Vorabbericht vom Samstag. Sie würden nicht ins operative Geschäft eingreifen, ergänzte er. „Unsere wichtigste Aufgabe ist es, die richtigen Personen für die Führung zu finden, und sie dann ihre Arbeit erledigen zulassen.“ Über die Porsche SE halten die Familien Porsche und Piech gut 52 Prozent an Volkswagen.

Heiße Schlacht um Volkswagen

Ein Machtkampf mit Folgen

Heute ist die Sache klar: Die Porsche AG ist eine VW-Tochter und zugleich ein Gewinnbringer für den Wolfsburger Konzern. Fast zwei Milliarden Euro überweist der Stuttgarter Bolidenbauer beispielsweise dieses Jahr an Volkswagen. Ende des vergangenen Jahrzehnts fehlte hingegen nicht viel und es wäre anders rum gewesen: Porsche hätte als VW-Großaktionär den Konzern nach seinem Gusto steuern können. 2008 erreichte die Übernahmeschlacht ihren Höhepunkt – der Prozess gegen Ex-Firmenchef Wendelin Wiedeking und dessen Vize Holger Härter ist letztlich eine späte Folge.

Schleichender Angriff

Seit 2005 baute Porsche – der lukrativste Autobauer der Welt – seine Beteiligung an VW schrittweise auf. Zunächst ging es um Produktions-Kooperationen und eine gute Anlage hoher Porsche-Gewinne. Später wurde klar: Es ging um die Mehrheit. Aber um welche Mehrheit? Wichtig ist hierbei ein Anteil von 75 Prozent – bei diesem Wert wäre ein sogenannter Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag im Bereich des Möglichen gewesen. VW sperrte sich heftig, vor allem Volkswagen-Patriarch Ferdinand Piëch war lange Zeit dagegen.

Überraschende Kehrtwende

Bis Anfang Oktober 2008 beteuerte die Porsche-Spitze, keine Beherrschung anstreben zu wollen. Am 26. Oktober 2008 dann die Kehrtwende: Porsche bestätigte, 75 Prozent an VW anzustreben, sofern die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen. Der VW-Kurs schnellte in zwei Tagen um das Fünffache nach oben. Das kam Porsche insofern gelegen, als der Wert seiner VW-Anteile deutlich stieg.

Das Scheitern

Die als größter Wurf der deutschen Industriegeschichte bejubelte Übernahmeabsicht scheiterte dennoch. Zwar hält die Porsche SE heute etwa 51 Prozent an VW, sie ist aber nur noch eine Beteiligungsgesellschaft – die Sportwagen-Produktion Porsche AG musste an die Wolfsburger verkauft werden, um die bei den Übernahmeschritten entstandenen Schulden decken zu können. Wiedeking und Härter mussten 2009 gehen.

In dem Gespräch stärkte Wolfgang Porsche auch die Position von VW-Markenchef Herbert Diess. „Wir werden Herrn Diess nach besten Kräften unterstützen“, sagte er. Beide Aufsichtsräte zeigten Verständnis für die Kritik an Bonuszahlungen für die VW-Vorstände während des Dieselskandals. „Mir wäre es am liebsten gewesen, man hätte für den Moment auf flexible Vergütungsteile ganz verzichtet“, sagte Porsche. Hans Michel Piëch sagte: „Für die Außenwirkung wäre es besser gewesen, wenn der Vorstand erst einmal verzichtet hätte.“

Von

rtr

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