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14.07.2012

08:47 Uhr

Farnborough

Trübe Aussichten für die Rüstungsbranche

VonLukas Bay

Während Airbus und Boeing Milliardenaufträge einsammeln, fehlen der Rüstungsbranche auf der Luftfahrtmesse in Farnborough die großen Deals. Die wichtigsten Kunden sind klamm. Und im Ausland ist die Konkurrenz groß.

Der russische Kampfjet Yak-130 feiert auf der Farnborough Luftfahrtmesse sein Debut. AFP

Der russische Kampfjet Yak-130 feiert auf der Farnborough Luftfahrtmesse sein Debut.

London/DüsseldorfAuf der Luftfahrtmesse im britischen Farnborough haben die Rüstungskonzerne traditionell einen großen Auftritt - nicht nur bei der Flugshow zum Auftakt. Doch dieses Jahr stehen die Rüstungsriesen im Schatten der zivilen Luftfahrt. Während Airbus und Boeing Milliardenaufträge einsammeln, ringt die Rüstungsbranche um die großen Deals. Mit der Eurokrise sind die Etats der wichtigsten europäischen Kunden zusammengeschmolzen. Großaufträge aus Südeuropa sind in nächster Zeit nicht mehr zu erwarten. Im Gegenteil: Sogar um die Bezahlung bestehender Aufträge ist längst nicht mehr sicher.

Zuletzt war Spanien mit einer Zahlung an das Eurofighter-Konsortium in Verzug geraten. Die Lieferung von 46 bestellten Kampfjets wurde vorübergehend zurückgestellt. Keine guten Nachrichten für das Eurofighter-Konsortium von Finmeccanica, BAE Systems und EADS. Um die Unsicherheiten in Europa zu umgehen, sucht das Konsortium neue Kunden in den Golfstaaten. Mit dem Oman wurde bereits vor der Messe über einen Kauf von Thyphoon-Jets verhandelt - nun werden auch Gespräche mit dem Emirat Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten geführt.

Wer die Welt mit Waffen ausrüstet

Das Ranking

Einmal jährlich erstellt das Magazin „Defense News“ ein Ranking der größten Rüstungskonzerne der Welt. Die Liste ist dominiert durch US-Konzerne, allerdings werden chinesische Rüstungsriesen wie China South Industries, China State Shipbuilding und China Aerospace Science wegen unsicherer Datenlage nicht im Ranking aufgeführt. Handelsblatt Online zeigt, welche zehn Unternehmen 2011 zu den größten Waffenproduzenten der Welt gehörten.

Platz 10

United Technologies (USA) - 11,0 Milliarden Dollar Umsatz in der Militärsparte

Der US-Mischkonzern gehört zu den größten Unternehmen der Welt und mischt auch im Rüstungsgeschäft kräftig mit. Zum Portfolio der US-Amerikaner gehören Hubschrauber für die zivile und militärische Luftfahrt, Raketenantriebe, aber auch Klimaanlagen. Die Militärsparte macht knapp 20 Prozent des Umsatzes aus.

Platz 9

L-3 Communications (USA) - 12,52 Milliarden Dollar

Die US-Firma aus New York erlangte zuletzt als einer der Marktführer für Körperscanner einige Bekanntheit. Vor allem aber stellt L-3 Kommunikationslösungen sowie Navigationssysteme und -geräte für militärische Zwecke her. Das macht den Konzern laut „News Defense“ zum weltweit neuntgrößten Hersteller von Kriegsgerät - mit einem Umsatz in diesem Sektor von 12,52 Mrd. Dollar im Jahr 2011. Kriegsgerät macht fast 83 Prozent am Gesamtumsatz aus.

Platz 8

Finmeccanica (Italien) - 14,58 Milliarden Dollar

Auch der italienische Finmeccanica-Konzern gehört zu fast einem Drittel dem Staat. Im zivilen Bereich baut das Unternehmen unter anderem U-Bahnen, Lokomotiven und Verkehrsleitsysteme. Im militärischen Bereich gehören Hubschrauber, Lenkwaffen und Panzer zum Portfolio. Im Jahr 2011 setzte Finmeccanica 14,58 Mrd. Dollar mit Kriegsgerät um (knapp 61 Prozent Gesamtanteil).

Platz 7

EADS (Westeuropa) - 16,10 Milliarden Dollar

Auf Platz sieben der Top 10 landet der von Deutschland und Frankreich kontrollierte Luft- und Raumfahrtkonzern EADS. Er bietet neben zivilen Verkehrsflugzeugen (Airbus-Reihe) sowie Trägerraketen (Ariane) und Satelliten Militärflugzeuge (zum Beispiel Eurofighter, im Bild) und Sicherheitslösungen an. Mit militärischen Produkten erwirtschaftete EADS 2011 laut „Defence News“ knapp 16,10 Mrd. Dollar. Das entspricht knapp 24 Prozent Anteil am Gesamtumsatz.

Platz 6

Northrop Grumman (USA) - 21,4 Milliarden Dollar

Schlagzeilen machte Northrop Grumman als US-Partner von EADS bei der Bewerbung um einen Milliardenauftrag zum Bau von Tankflugzeugen für das US-Militär. Der Konzern mit seinen mehr als 75.000 Mitarbeitern erzielte in seinem militärischen Segment 2011 einen Umsatz von 21,4 Mrd. Dollar und ist damit der sechstgrößte Rüstungskonzern der Welt. Rüstung macht an seinem Umsatz 81 Prozent aus. Zu den bekanntesten Produkten zählt der Tarnkappenbomber B-2 (im Bild) oder die Atom-U-Boote.

Platz 5

Raytheon (USA) - 23,06 Milliarden Dollar

Der US-Konzern Raytheon stellt hauptsächlich Raketen und optische Militärsysteme her: Den Marschflugkörper „Tomahawk“ etwa, die Luft-Luft-Rakete „Sidewinder“ oder das Flugabwehrsystem „Patriot“. Das Unternehmen mit seinen mehr als 71.000 Mitarbeitern hat 2011 mit militärischen Gütern einen Umsatz von 23,06 Mrd. Dollar (93 Prozent Anteil am Umsatz) erzielt.

Platz 4

General Dynamics (USA) - 25,51 Milliarden Dollar

Der US-Konzern, der unter anderem schwere Militärfahrzeuge herstellt, setzte 2011 mit militärischen Gütern 25,51 Mrd. Dollar um und landet damit auf dem 4. Rang. Zu den Produkten gehören unter anderem Kriegsschiffe und U-Boote, Kampfflugzeuge sowie Lenkflugkörper und IT-Lösungen. 78 Prozent des Gesamtumsatzes machen die Kriegsgüter aus.

Platz 3

BAE Systems (Großbritannien) - 29,13 Milliarden Dollar

Platz drei nehmen die Briten ein: BAE Systems erzielte mit seinen 88.000 Mitarbeitern 2011 einen Umsatz im Rüstungsgeschäft von 29,13 Mrd. Dollar. Der größte Rüstungskonzern Europas (der in seinem zivilen Segment vor allem in der Luft- und Raumfahrt aktiv ist) stellt eine bunte Palette militärischen Geräts her: Von Kriegsschiffen über Raketensystemen bis zu Kampfflugzeugen. Hierbei kooperiert BAE zum Teil mit anderen Rüstungskonzernen, wie etwa mit Lockheed Martin bei der F-22 oder mit EADS beim Eurofighter. BAE hängt mit knapp 95 Prozent Kriegsanteil am Gesamtumsatz fast vollständig von Rüstungsaufträgen ab.

Platz 2

Boeing (USA) - 30,7 Milliarden Dollar

Der drittgrößte Rüstungskonzern ist Boeing - mit einem Umsatz laut „Defense News“ von 30,7 Mrd. Dollar im Rüstungsgeschäft, was knapp knapp 45 Prozent der Gesamtumsätze entspricht. Im zivilen Bereich konkurriert der 170.000 Mitarbeiter starke US-Konzern seit Jahren mit EADS/Airbus um die Vorherrschaft. Im Rüstungsgeschäft hat Boeing eine breite Palette an Flugzeugen und Lenkwaffen im Angebot: von der Transportmaschine C-17 über den Bomber B-52 Flying Fortress bis zum Tankflugzeug KC-767.

Platz 1

Lockheed Martin (USA) - 43,98 Milliarden Dollar

An der Spitze der Rüstungskonzerne steht Lockheed Martin. Der US-Konzern erwirtschaftete 2011 aus seiner Rüstungssparte 43,98 Mrd. Dollar. Knapp 95 Prozent der Umsätze erwirtschaftet das Unternehmen mit Kriegsgerät: Lockheed Martin stellt einerseits Kampfflugzeuge und -bomber her, darunter die F-16 und die neue, milliardenteure F-22A Raptor. Daneben produziert der Konzern Aufklärungsmaschinen wie die auch von der Bundeswehr genutzte P-3 sowie Luftschiffe. Rein deutsche Hersteller sind im Ranking der größten Rüstungskonzerne nicht in der Top-10.

Die europäischen Rüstungskonzerne brauchen dringend gute Nachrichten. Im Geschäft mit Kampfjets ist der Preiskampf ausgebrochen, bei der Entwicklung einer konkurrenzfähigen Drohne hängen die Europäer hinterher. "Wir müssen dringend wettbewerbsfähiger werden", sagte Finmeccanica-Chef Guisseppi Orsi. Anfang der Woche hatte das italienische Rüstungsimperium bekannt gegeben, sich künftig vollständig auf das Luftfahrt- und Rüstungsgeschäft konzentrieren zu wollen. Bereiche, die nicht zum Kerngeschäft gehören, sollen für mehr als eine Milliarde Euro verkauft werden.

Europas Rüstungskonzerne wollen sich vor allem international besser aufstellen. Dort wartet das große Geschäft - doch der Preis spielt oft noch eine wichtigere Rolle als politische Seilschaften. Im Januar hatte der Rafale des französischen Flugzeugbauers Dassault dem Eurofighter-Konsortium einen 20 Milliarden-Dollar-schwere Rüstungsdeal über 126 Kampfjets mit Indien vor der Nase weggeschnappt. In Farnborough wirbt der Branchenriese Lockheed-Martin massiv für den F-35 Joint Strike Fighter. Dem Eurofighter Typhoon gehen die Käufer aus.

Während die europäischen Hersteller mit einem schwachen Heimatmarkt zu kämpfen haben, stützt das US-Militär trotz sinkender Ausgaben die US-Hersteller. Zum Beginn der Messe wurde ein Milliardengeschäft mit einer Tochter des Industriekonzerns United Technologies abgeschlossen. Sikorsky Aircraft habe einen Fünf-Jahres-Vertrag im Wert von 7,3 Milliarden Dollar unterzeichnet. Die UTC-Tochter soll unter anderem das Heer, die Marine und die Luftwaffe mit "Black Hawk"-Transporthubschraubern beliefern.

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