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03.01.2014

18:17 Uhr

Fast 23 Prozent weniger

Volkswagen-Absatz in den USA bricht ein

Der amerikanische Automarkt floriert. Nur nicht für Volkswagen. Mangels neuer Modelle haben die Wolfsburger gerade erobertes Terrain wieder verloren, denn die Konkurrenz konnte teils kräftig zulegen.

Passat-Fertigung im US-Werk Chattanooga, Tennessee: Volkswagen muss auf dem US-Automarkt einen neuerlichen Dämpfer hinnehmen. dpa

Passat-Fertigung im US-Werk Chattanooga, Tennessee: Volkswagen muss auf dem US-Automarkt einen neuerlichen Dämpfer hinnehmen.

HerndonVolkswagen fällt nach einer grandiosen Aufholjagd im wichtigen US-Automarkt wieder zurück. Das erschwert es den Wolfsburgern, ihr Ziel zu erreichen, bis spätestens 2018 zur weltweiten Nummer eins der Autobranche aufzusteigen.

Nicht zuletzt mangels neuer Modelle schrumpften die Verkäufe der Marke VW im vergangenen Jahr um annähernd 7 Prozent auf 408.000 Stück, wie das Unternehmen am Freitag bekanntgab. So musste sich der inzwischen drei Jahre alte US-Passat jüngeren Konkurrenten wie dem Ford Fusion – dem US-Schwestermodell des Mondeo – geschlagen geben.

Im Jahresverlauf lief das VW-Geschäft immer schlechter. Das gipfelte im Dezember in einem Einbruch von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Zum Teil dürfte daran auch das schlechte Wetter schuld gewesen sein, das Kunden vom Besuch beim Händler abhielt.

Wie Ferdinand Piëch einen Weltkonzern schuf

1990er-Jahre

1993: Als Ferdinand Piëch im Januar 1993 den Vorstandsvorsitz von VW übernimmt, kämpft der Konzern mit einem Einbruch des Nordamerikageschäfts, hohen Kosten und Verlusten. Der neue Chef holt den Sanierer José Igancio López nach Wolfsburg. Weil der Spanier Betriebsgeheimnisse mitgenommen haben soll, entbrennt ein langwieriger Rechtsstreit mit seinem alten Arbeitgeber General Motors.
1997: Dank Piëchs Internationalisierungsstrategie laufen fast zwei von drei Autos im Ausland vom Band. 
1998: Mit der Übernahme der Marken Bentley (Foto) und Bugatti steigt Volkswagen ins Luxussegment ein. 
1999: Der Lupo kommt als erstes Drei-Liter-Auto auf den Markt. Im gleichen Jahr übertrifft Volkswagen als erster europäischer Hersteller die Schwelle von 100 Millionen produzierten Fahrzeugen

2000

Mit der im Juni eröffneten Autostadt setzt Piëch sich und dem VW-Konzern ein Denkmal in Wolfsburg. 

2001

Mit dem Luxusmodell „Phaeton“ erweitert VW das Oberklassenangebot. Für die Produktion des Kompaktvans Touran wird mit der IG Metall ein eigenes Tarifmodell entwickelt.

2002

Volkswagen übernimmt die schwedische Scania komplett und stärkt damit das Lkw-Geschäft. Der Aufsichtsrat wählt im April des Jahres Bernd Pischetsrieder zum Vorstandschef. Piëch übernimmt den Vorsitz im Aufsichtsrat.

2007

Im Januar tritt Martin Winterkorn das Amt des Vorstandsvorsitzenden an. Der VW-Konzern liefert 6,2 Millionen Fahrzeuge aus - so viele wie noch nie zuvor. Insbesondere in China, Brasilien und Osteuropa vermeldet VW Zuwächse von bis zu 32 Prozent im Vorjahresvergleich.

2009

Der von VW gesponserte VfL Wolfsburg gewinnt die Deutsche Fußball-Meisterschaft.

2011

Volkswagen legt in Silao in Mexiko den Grundstein für ein neues Motorenwerk. Nach zweijähriger Bauzeit eröffnet in den USA das neue Werk in Chattanooga mit einer Jahreskapazität von 150 000 Autos.

2012

VW hält über eine Holding 100 Prozent der Anteile an der Porsche AG, die als eigenständige Marke geführt wird - der integrierte Konzern von Volkswagen und Porsche entsteht.

Dies bekamen auch die zwei Erzrivalen Toyota und General Motors zu spüren, mit denen VW um die Weltspitze ringt. Sie verzeichneten in den USA 2 beziehungsweise 6 Prozent weniger Dezember-Verkäufe. Dagegen konnten Ford und Chrysler im gleichen Maße zulegen. Aufs Jahr gesehen verkauften alle diese Hersteller allerdings zwischen 7 und 11 Prozent mehr Wagen.

VW verlor damit Marktanteile. Im vergangenen Jahr hatten die Wolfsburger noch das beste Ergebnis in vier Jahrzehnten eingefahren. Seit 2009 hatte die Marke ihre Verkäufe im Land in einem Kraftakt mehr als verdoppelt. Damals neue Modelle wie Passat und Jetta und Preissenkungen lockten die US-Kunden an. 2013 aber kehrte Ernüchterung ein.

Für einen Lichtblick sorgte die Premiumschwester Audi, die sowohl im Dezember als auch im Gesamtjahr mehr Wagen loswurde und das beste Ergebnis ihrer Geschichte in den USA einfuhr. US-Chef Scott Keogh zeigte sich auch für das neue Jahr optimistisch. Die Rivalen BMW und Daimler liegen bei den Verkäufen in den USA allerdings vor Audi.

Bei VW steht noch die Entscheidung über einen neuen Geländewagen speziell für den nordamerikanischen Markt aus, der einen deutlichen Schub bringen dürften. Schon Anfang 2013 hatte VW seine Studie Crossblue auf der Automesse in Detroit vorgestellt.

Dabei könnte gerade das US-Geschäft einen zusätzlichen Schub vertragen. Nach Jahren des steilen Wachstums kommt die Kernmarke Volkswagen Pkw dort ins Schlingern. Zweistellige Absatzrückgänge zwischen September und November ließen bereits vor den Dezember-Zahlen die Alarmglocken schrillen. Zum Januar übernimmt mit Michael Horn ein neuer Manager das Konzerngeschäft in den USA. Vorgänger Jonathan Browning wolle aus persönlichen Gründen in seine Heimat Großbritannien zurückkehren.

Kommentare (10)

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Sarina

03.01.2014, 16:49 Uhr

Kein Wunder, denn VW baut Autos hässlich wie die Nacht, weshalb sie wohl meistens in schwarz geordert werden. Die Töchter Skoda und Seat sind allemal besser .... und dazu noch günstiger zu haben!

UmlandtGerhard

03.01.2014, 17:24 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Der_ErfolgReiche

03.01.2014, 17:50 Uhr

Das VW KonzernManagement ist überaltert. Die Autos optisch nicht mehr zeitgemäß u. entsprechen den Rentnern im Vorstand.
Da ist die neue Mercedes C-Klasse optisch u. techn. um Längen vorraus.
Tja Herr Piech, dass mit 2018 wird nichts!

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