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29.11.2012

11:38 Uhr

FAW-Volkswagen

VW will Kooperation in China verlängern

Seit mehr als 20 Jahren bauen Volkswagen und FAW gemeinsam Autos. Nun wollen die Wolfsburger die Kooperation mit den Chinesen offenbar verlängern. Denn das Riesenreich der Mitte spielt für VW eine Schlüsselrolle.

Fertigung im Werk von FAW-Volkswagen in Changchun im Jahr 2004 dpa

Fertigung im Werk von FAW-Volkswagen in Changchun im Jahr 2004

PekingVolkswagen will seine Kooperation mit dem chinesischen Autobauer First Automotive Works (FAW) deutlich früher als erwartet verlängern. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa wird davon ausgegangen, dass eine Vereinbarung über die Fortsetzung des 2016 auslaufenden Vertrages für ihr Gemeinschaftsunternehmen schon im kommenden Jahr unterzeichnet wird. Beide Unternehmen bemühten sich am Donnerstag, einen Schlussstrich unter Spekulationen über angebliche chinesische Patentrechtsverletzungen zu ziehen.

Es werde angestrebt, „vorzeitig“ den Vertrag über das Joint Venture FAW-Volkswagen im nordostchinesischen Changchun zu vereinbaren, teilte Volkswagen in Peking mit. Es sei geplant, „das Produktportfolio zu erweitern und gemeinsame neue Tätigkeitsfelder zu erschließen“. Darauf hätten sich VW-Vorstandschef Martin Winterkorn und der Präsident der FAW-Gruppe, Xu Jianyi, bei einer Aufsichtsratssitzung von FAW-Volkswagen in Foshan geeinigt.

Auch die Patentsituation bei Motoren und Getrieben sei angesprochen worden, hieß es in der gemeinsamen Pressemitteilung des Gemeinschaftsunternehmens und der Volkswagen-Gruppe in China. FAW-Chef Xu Jianyi habe betont, die langjährige Partnerschaft habe sich im gegenseitigen Vertrauen und Respekt entwickelt. „Im Rahmen dieser Zusammenarbeit habe kein Partner die Rechte des anderen verletzt“, wurde der FAW-Chef zitiert. Diese guten Erfahrungen seien ein solides Fundament für die künftige Zusammenarbeit.

Neuer Dreijahresplan: Volkswagen plant China-Offensive

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Volkswagen plant China-Offensive

Mit Rekordinvestitionen will der Konzern der Weltspitze ein Stückchen näher kommen.

China ist für die Volkswagen-Gruppe weltweit der größte Einzelmarkt. Das ist entscheidend für das Ziel, bis 2018 zum Weltmarktführer aufzusteigen. Fast jedes dritte Auto des Konzerns wird heute in China verkauft. Volkswagen hat in China zwei Joint Ventures. Mit FAW baut VW in Changchun im Nordosten des Landes und in Chengdu im Südwesten Autos der Marken Volkswagen und Audi. Die Zusammenarbeit war Ende der 1980er Jahre vereinbart worden. Seit 1991 hat das Joint Venture mehr als sechs Millionen Autos gebaut.

In Branchenkreisen hieß es, beide Seiten strebten eine Verlängerung über 20 oder 25 Jahre an. Der neue Vertrag wird aber keine neue Verteilung der Anteile oder Gewinne bringen. Volkswagen hat bisher 40 Prozent, würde seinen Anteil nach Medienberichten aber gerne auf 49 Prozent erhöhen. Die Gespräche darüber laufen getrennt von der Verlängerung des Joint Venture-Vertrages. Branchenkenner schilderten, dass sich eine Neuverteilung der Anteile schwierig gestalten würde.

Die größten Autohersteller in China

Methodik

Einmal pro Quartal erstellen die Wirtschaftsprüfer von Ernst&Young ein Ranking der größten Autokonzerne nach Absatz. Wie die Autohersteller in China abgeschnitten haben. (Daten: 2. Quartal 2012)

Platz 10

BMW - 79.000 verkaufte Fahrzeuge

China gehört für die Münchener zu den wichtigsten Märkten der Welt. Im Vergleich zum Vorjahr konnte der Absatz im zweiten Quartal um satte 25 Prozent zulegen.

Platz 9

Peugeot-Citroën - 100.000 verkaufte Fahrzeuge

Während der Heimatmarkt schwächelt, können die Franzosen in Fernost ihre Verkäufe ausbauen - wenn auch schwächer als die Konkurrenz. Der Absatz legt um neun Prozent zu.

Platz 8

Kia- 120.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Koreaner können auch im Nachbarland ihren Erfolgskurs fortsetzen. Mit einem Wachstum von 26 Prozent gehören sie zu den erfolgreichsten Volumenherstellern in China.

Platz 7

Ford - 156.000 verkaufte Fahrzeuge

Ein fünftel des Absatzes machen die US-Amerikaner in China. Im Jahresvergleich legten die Verkäufe im Reich der Mitte um 16 Prozent zu.

Platz 6

Honda - 179.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Japaner sind der wachstumsstärkste Hersteller im Ranking. Der Umsatz kletterte im Jahresvergleich um satte 69 Prozent. Die Folgen der Flutkatastrophe scheinen überwunden zu sein.

Platz 5

Hyundai - 188.000 verkaufte Fahrzeuge

Wesentlich schwächer läuft das Geschäft dagegen für die koreanische Konkurrenz. Während Hyundai weltweit stark wächst, legten die Verkäufe in China im Jahresvergleich nur um vier Prozent zu.

Platz 4

Toyota - 231.000 verkaufte Fahrzeuge

Das Ziel ist klar: Der weltgrößte Autohersteller der Welt will auch im chinesischen Markt zurück auf die Spitzenplätze. Dem eigenen Anspruch wird Toyota mit einem Wachstum von 57 Prozent im zweiten Quartal fast schon wieder gerecht.

Platz 3

Nissan - 344.000 verkaufte Fahrzeuge

Doch im chinesischen Markt ist ein japanischer Konkurrent sogar noch stärker als Toyota. Weil das Wachstum mit 16 Prozent im Verhältnis schwächer ausfällt, schrumpft der Vorsprung.

Platz 2

Volkswagen - 666.000 verkaufte Fahrzeuge

Für keinen deutschen Hersteller ist der chinesische Markt wichtiger als für VW. Fast ein Drittel der Autoproduktion wird in China verkauft. Mit einem Wachstum von 19 Prozent blasen die Wolfsburger zum Angriff auf die Spitze.

Platz 1

General Motors - 672.000 verkaufte Fahrzeuge

Doch die Spitzenposition in China können immer noch die US-Amerikaner verteidigen - wenn auch knapp. Mit einem Wachstum von 14 Prozent bleibt der Konzern in China führend.

Vor zwei Wochen hatte das Wirtschaftsmagazin „Capital“ über eine Krise zwischen den Partnern berichtet. Es gebe Streit um die Verteilung der Anteile und angeblichen Patentklau. FAW soll demnach Konstruktionspläne für VW-Motoren und -Getriebe gestohlen und 30 besonders gute Mitarbeiter beim deutschen Partner abgeworben haben.

Außer mit FAW kooperiert Volkswagen in China noch mit Shanghai Automotive Industry (SAIC). Standorte sind Anting vor den Toren der Hafenstadt sowie 300 Kilometer nordöstlich in Yizheng und in der Stadt Nanjing. Bei seiner Expansion in China sind gemeinsam mit den chinesischen Partnern weitere Werke in Foshan, Ningbo, Tianjin und Ürümqi geplant. Ausländische Autobauer dürfen in China nicht alleine Autos bauen und auch keine Mehrheit an einem Joint Venture halten.

Von

dpa

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