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27.09.2012

01:25 Uhr

Fehlende Nachfrage

Arcelor-Mittal will Hochöfen stilllegen

Deutsche Autobauer beziehen Bleche aus dem Arcelor-Mittal-Stahlwerk in Florange. Jetzt sollen dessen Hochöfen einem Zeitungsbericht zufolge stillgelegt werden. Unterzeichnet sei aber noch nichts.

Ein Gewerkschaftsmitglied bei einem Krisentreffen von ArcelorMittal. AFP

Ein Gewerkschaftsmitglied bei einem Krisentreffen von ArcelorMittal.

ParisDer angeschlagene Stahlkonzern Arcelor-Mittal hat einem Medienbericht zufolge die endgültige Schließung des Hochofen-Standorts im lothringischen Florange bestätigt. Wie die französische Zeitung "Libération" ohne Angaben von Quellen berichtete, informierte die Konzernleitung die Regierung in Paris über die Stilllegung der beiden Hochöfen des Werks. Die beiden Hochöfen in Florange beschäftigen rund 550 Angestellte. Sie sind seit Juni beziehungsweise Oktober vergangenen Jahres geschlossen.

Die Zeitung berichtete weiter, dass "die Regierung seit drei Wochen in fortgeschrittenen Verhandlungen steht", um Arcelor-Mittal zum Verkauf der Hochöfen zum symbolischen Preis von einem Euro zu bewegen. Der Stahlkonzern würde einen Aufschub von "mehreren Monaten" für die Suche nach einem Käufer gewähren.

Es sei aber "noch nichts unterzeichnet" und es seien "schwierige" Verhandlungen, heißt es in dem Bericht weiter. Industrieminister Arnaud Montebourg will am Donnerstag nach Florange reisen.

Anfang Juni hatte das Präsidialamt in Paris angekündigt, dass sich eine unabhängige Expertengruppe mit der Zukunft des Arcelor-Mittal-Stahlwerks in Florange beschäftigen soll. Die Arbeitsgruppe sollte die Entwicklung des Stahlmarktes untersuchen und "alle möglichen Perspektiven" für das Werk prüfen.

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Der weltgrößte Stahlkonzern fordert daher von der Politik Konjunkturprogramme.

Beschäftigte des Stahlwerks in Florange forderten seit Monaten mit Protestaktionen aller Art das Wiederanschalten der zwei Hochöfen, die wegen fehlender Nachfrage nach Flüssigstahl abgeschaltet wurden. Die Gewerkschaften befürchten, dass die Fabrik ohne Wiederaufnahme der Flüssigstahl-Produktion letztlich ganz geschlossen werden könnte. Derzeit werden in dem Werk mit seinen rund 5000 Mitarbeitern Bleche für die Automobil-Industrie hergestellt - unter anderem für die deutschen Autobauer Volkswagen, Mercedes-Benz und Audi.

Der aus Indien stammende Stahlmagnat Lakshmi Mittal hatte 2007 mit einer feindlichen Übernahme den gesamten Konzern Arcelor - an dem neben Frankreich auch Luxemburg und Belgien Anteile hielten - unter seine Kontrolle gebracht.

Die einst florierende Schwerindustrie in der ostfranzösischen Grenzregion ist seit den 80er Jahren im Niedergang. Die Förderung von Kohle und Eisenerz wurde eingestellt, die meisten Hochöfen und Walzstraßen wurden stillgelegt.

Von

afp

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