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30.05.2017

14:31 Uhr

Ferdinand Piëch

Der Patriarch ist wieder da

VonStefan Menzel

Zwei Jahre hatte Ferdinand Piëch einen Bogen um das Aktionärstreffen der Porsche SE gemacht. Zu seiner Wiederwahl in den Aufsichtsrat des VW-Großaktionärs ist er wieder da. Aber wie lange bleibt er?

Der im Groll aus fast allen Volkswagen -Gremien ausgeschiedene frühere Firmenpatriarch nahm an der Hauptversammlung des VW-Großaktionärs Porsche SE persönlich teil. dpa

Ferdinand Piëch

Der im Groll aus fast allen Volkswagen -Gremien ausgeschiedene frühere Firmenpatriarch nahm an der Hauptversammlung des VW-Großaktionärs Porsche SE persönlich teil.

StuttgartIn diesem Jahr ist das Familientreffen perfekt. Die beiden vorangegangenen Hauptversammlungen der Porsche SE hat Ferdinand Piëch ausfallen lassen. Doch an diesem Tag ist er wieder da: Der 80-Jährige betritt die Stuttgarter Arena und nimmt auf der Bühne in der hinteren Reihe Platz, zwischen Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück und seinem Vetter Hans-Peter Porsche. „F.K. Piëch“ steht auf dem Namensschild, „K“ für seinen selten benutzten zweiten Vornamen Karl. Auf der Hauptversammlung muss alles korrekt sein. Ferdinand Piëch ist nicht allein gekommen, er hat auch seine Ehefrau Ursula mitgebracht: Sie setzt sich ins Publikum, gleich vorn in der dritten Reihe.

Der Sitz im Aufsichtsrat der Porsche-Familienholding ist das letzte Mandat von Ferdinand Piëch im Volkswagen-Imperium. Nach dem Streit mit dem damaligen VW-Konzernchef Martin Winterkorn hatte er sich schon vor zwei Jahren aus den Führungsgremien in Wolfsburg zurückgezogen.

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An diesem Dienstag stellt sich der Volkswagen-Patriarch zur Wiederwahl, für fünf weitere Jahre soll er den Aufsichtsrat der börsennotierten Porsche SE gewählt werden. In der Holding haben die Familien Piëch und Porsche ihre Anteile an Volkswagen gebündelt, in Wolfsburg halten sie 52,2 Prozent der Stimmrechte und sind dort deshalb die entscheidenden Anteilseigner. Nicht nur die Rückkehr von Ferdinand Piëch ist ein Thema in Stuttgart. Auch der Diesel-Skandal wird auf der Hauptversammlung lebhaft diskutiert.

Doch es kann gut sein, dass Ferdinand Piëch nicht mehr allzu lange im Aufsichtsrat der Porsche-Holding sitzen wird. Seinen Anteil von knapp 15 Prozent am Familienunternehmen hatte er im April zum überwiegenden Teil an seinen Bruder Hans Michel Piëch verkauft. So lange die Transaktion nicht förmlich abgeschlossen ist, will der langjährige Volkswagen-Chef dem Aufsichtsrat weiter angehören und stellt sich deshalb zur Wiederwahl bei der Porsche SE. In Stuttgart wird damit gerechnet, dass der Verkauf zum Jahresende unter Dach und Fach ist. Danach könnte Ferdinand Piëch auch sein Mandat bei der Porsche-Holding niederlegen – und seinen Rückzug perfekt machen.

Die Familien-Holding ist nur ein kleines Unternehmen, gerade einmal 30 Beschäftigte arbeiten für die Porsche SE. Die Anteile an Volkswagen sind fast die einzige wesentliche Beteiligung. Wohl und Wehe hängen deshalb auch in Stuttgart ganz entscheidend an der Entwicklung des Volkswagen-Konzerns – und in der aktuellen Situation dreht sich auch bei Porsche alles um die Folgen der Dieselaffäre. Auch personell gibt es eine enge Verbindung zwischen Volkswagen und der Porsche SE. VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch ist Vorstandsvorsitzender der Familien-Holding, Volkswagen-Chef Matthias Müller sitzt in Stuttgart ebenfalls im Vorstand.

Ferdinand Piëch – zur Person

Gebürtiger Wiener

Ferdinand Piëch wird am 17. April 1937 in Wien geboren. Seine Mutter ist Louise Piëch, eine Tochter des berühmten Ferdinand Porsche, des Begründers der Dynastie. Mit Anton Piëch hat sie zwar einen Rechtsanwalt geheiratet, doch die Verbindungen zur Autowelt und die Traditionen der Porsches sind auch in dieser Familie immer spürbar.

Maschinenbau-Studium

Ferdinand Piëch will das Erbe seines gefeierten Großvaters antreten. In Zürich legt der junge Mann den Grundstein für seine spätere automobile Karriere und studiert dort Maschinenbau.

Ingenieur bei Porsche in Stuttgart

Nach dem Studium startet Piëch 1963 bei Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen als Entwicklungsingenieur und bleibt dort bis 1972.

Aufstieg zum Audi-Chef

Nach 1972 beginnt seine wichtige Zeit bei Audi, wo er 20 Jahre lang tätig ist und wo er bis zum Vorstandsvorsitzenden aufsteigt. Die zwei Jahrzehnte in Ingolstadt sind eine wichtige Grundlage für das, was danach noch kommen sollte.

Karriere bei Volkswagen

1992 wechselt Piëch nach Wolfsburg und übernimmt dort das Amt des Vorstandschefs. Zehn Jahre prägt er in der VW-Zentrale das Geschäft von Europas größtem Automobilkonzern, danach wechselt er auf den nicht minder einflussreichen Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden. Länger als ein Jahrzehnt besetzt er die Position des Chefkontrolleurs im Volkswagen-Konzern und bestimmt auch von dort mit, was im Unternehmen passiert und welche Autos gebaut werden. Bis zu jenem verhängnisvollen 25. April 2015, der das Ende von Piëch beispielloser Karriere im VW-Konzerns bedeutete.

Riss zwischen Winterkorn und Piëch

Eigentlich galten die beiden als enge Verbündete, die jahrelang gut zusammenarbeitet haben. Der damalige VW-Chef Winterkorn als Verantwortlicher für das Tagesgeschäft, Piëch im Aufsichtsrat als oberster Kontrolleur und Stratege. Doch Anfang 2015 war der Riss zwischen beiden immer offensichtlicher geworden. „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn“, ist das berühmte Zitat von Piëch gewesen, das im Normalfall sofort das Karriereende seines Nachfolgers bedeutet hätte. Der große Familienpatriarch dürfte immer mehr an den Fähigkeiten Winterkorns gezweifelt haben. Wahrscheinlich wollte er auch verhindern, dass der damalige VW-Vorstandsvorsitzende ihn als Chef des Aufsichtsrates beerbt. Das Land Niedersachsen, der mächtige Betriebsrat und andere wichtige Vertreter der Familien Porsche und Piëch sprachen sich gegen die Ablösung von Martin Winterkorn aus. Sie waren zufrieden mit dessen Arbeit. Sie sahen keinen Grund dafür, den Vertrag des langjährigen Vorstandsvorsitzenden aufzukündigen. Angesichts dieser Isolation zog Ferdinand Piëch die Konsequenz: Er legte sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender nieder und zog sich zugleich aus dem Kontrollgremium zurück. Familie, Land und Betriebsrat – sie waren plötzlich alle auf Distanz zu Ferdinand Piëch.

VW-Dieselaffäre

Heute ist klar, dass Piëch zumindest schon im Frühjahr 2015 von der Dieselaffäre gewusst haben muss, wie seine Aussage vor der Staatsanwaltschaft Braunschweig belegt. Ferdinand Piëch will andere wichtige Aufsichtsratsmitglieder damals angeblich über die heraufziehende Dieselaffäre informiert haben. Die Aufsichtsräte widersprechen energisch, darunter auch Piëchs Cousin Wolfgang Porsche. Der Streit über diese Aussage hat den Riss in der Familie während der vergangenen Wochen noch größer werden werden lassen.

Seit Mitte des Monats interessieren sich die Stuttgarter Staatsanwälte für Pötsch und Müller. In ihrer Rolle als Porsche-Vorstandsmitglieder könnten sie die Aktionäre der Familienholding zu spät über die Diesel-Probleme bei Volkswagen informiert haben. An der Börse war das Porsche-Papier wie die VW-Aktie nach dem Bekanntwerden des Skandals massiv eingebrochen.

Auf der Hauptversammlung stellt sich Hans Dieter Pötsch gegen die Ermittlungen der Stuttgarter Staatsanwälte. „Die Porsche SE ist davon überzeugt, dass keines ihrer Organmitglieder gegen kapitalmarktrechtliche oder strafrechtliche Vorschriften verstoßen hat“, sagte der Vorstandschef der Porsche SE. Näheres zum Gegenstand der Strafanzeige und des Ermittlungsverfahrens sei der Porsche-Holding bis heute nicht bekannt, ergänzte er. Ausgangspunkt des Verfahrens war eine Anzeige der Finanzmarktaufsicht BaFin.

Kommentare (3)

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Frau Edelgard Kah

30.05.2017, 16:04 Uhr

Sehr geehrter Herr Menzel,

für uns Bürger gibt es auf dieser Welt kein Thema, das uns mehr interessieren und bewegen würde als die Besetzug eines Aufsichtsratspostens bei der Firma Porsche. Wir haben keine anderen Probleme und Sorgen und bitten, dem genannten Thema mehrere Sonderausgaben Ihres Blattes zu widmen.

Herr Lothar Bitschnau

30.05.2017, 16:33 Uhr

Ferdinand Piëch hat als Unternehmer die deutsche Wirtschaftsgeschichte maßgeblich mitgeprägt und den weltgrößten Autokonzern bisher zusammengehalten.
Er hat Achtung und Anerkennung verdient.
Ohne auf Zynismus zu greifen wie Fr. Menzel, danke ich für diesen Beitrag.

Herr Lothar Bitschnau

30.05.2017, 16:34 Uhr

... Sorry, meinte Frau Kah

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