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25.04.2015

21:31 Uhr

Ferdinand Piëch

Erfolg von Volkswagen gilt als sein Lebenswerk

Die Biografie von Piëch ist eng mit der VW-Historie verbunden. Als Enkel des Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche lag eine Karriere in der Branche nah. Über den „Autonarr“ hieß es früh, er habe „Benzin im Blut“.

VW-Patriarch Ferdinand Piëch mit Ehefrau Ursula Piëch: Beide haben am Samstag ihre Ämter im VW-Aufsichtsrat niedergelegt. dpa

VW-Patriarch Ferdinand Piëch mit Ehefrau Ursula Piëch: Beide haben am Samstag ihre Ämter im VW-Aufsichtsrat niedergelegt.

Wolfsburg/BerlinFerdinand Piëch war der unangefochtene Herrscher im VW-Reich - bis ihn ein rätselhafter Machtkampf um die Zukunft von Vorstandschef Martin Winterkorn aus dem Sattel hob.

1963: Der Maschinenbauer und Enkel des VW-Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche startet seine Laufbahn bei Porsche.

1972: Piëch wechselt zu Audi. Dort arbeitet er sich Schritt für Schritt zum Technikvorstand hoch. Schon früh sagt man über ihn, er sei ein leidenschaftlicher Autonarr und habe „Benzin im Blut“.

Wichtige Zitate Ferdinand Piëchs

„Ich bin auf Distanz zu Winterkorn.“

Dieser kurze, aber eindeutige Satz von VW-Aufsichtsratschef und Firmenpatriarch Ferdinand Piëch vom 10. April 2015, löste die Debatte um VW-Chef Martin Winterkorn aus. Winterkorn galt kurz zuvor noch als unumstrittener Herrscher im VW-Reich sowie als sicherer Nachfolger von Piëch. Den Machtkampf entschied am 17. April 2015 zunächst Winterkorn für sich. Das Präsidium des Aufsichtsrat erklärte die Bereitschaft, den Vertrag des Managers über das Jahr 2016 hinaus zu verlängern.

„Nicht wirklich, aber immer noch besser als die anderen.“

Dass Ferdinand Piëch mit der Entwicklung von Volkswagen nicht zufrieden war, verdeutlichte er im März 2014 mit einer kurzen, aber deutlichen Aussage. Auf die Frage, ob er den VW-Konzern auf einem guten Weg sehe, antwortete er schlicht: „Nicht wirklich, aber immer noch besser als die anderen.“ Damit spielte er darauf an, dass es beim Autohersteller nach Jahren des Erfolgs nicht mehr rund lief. So brachen unter anderem verschiedene Auslandsgeschäfte ein und die Rendite näherte sich der Nulllinie. Besonders ärgerte sich Piëch damals darüber, dass Volkswagen in den USA trotz hoher Investitionen im Vergleich zur Konkurrenz weiter an Boden verlor.

„Guillotinieren werde ich erst, wenn ich sicher bin, wer es war.“

Im September des Jahres 2013 tauchten Gerüchte über einen angeblich bevorstehenden Abschied Ferdinand Piëchs aus gesundheitlichen Gründen auf. Zudem hieß es, dass der bisherige Konzernchef Martin Winterkorn als Piëchs Nachfolger feststehen würde. Sowohl der VW-Patriarch, als auch Konzern und Betriebsrat dementierten die aufkommenden Gerüchte. Piëch sagte dazu: „Totgesagte leben länger.“ . Außerdem fügte er hinzu, dass er klären wolle, wer der Urheber der Gerüchte war : „Guillotinieren werde ich erst, wenn ich sicher bin, wer es war.“

„Ich bin der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Volkswagen AG, ich bin nicht der Retter von Porsche.“

Um die Übernahme von Porsche zu finanzieren, stimmten die VW-Aktionäre im Dezember 2009 nach langer Debatte einer milliardenschweren Kapitalerhöhung zu. Trotz großer Kritik vieler Kleinaktionäre beschloss die Mehrheit der Stammaktionäre damit einen Vorratsbeschluss zur Ausgabe von bis zu 135 Millionen neuer, stimmrechtsloser VW-Vorzugsaktien. Dem Vorwurf, er habe Interessenkonflikte sowie der Kritik, dass die Kapitalerhöhung über Vorzugsaktien erfolgen solle und damit die Stammaktionäre schütze, entgegnete Piëch mit den Worten: „Ich bin der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Volkswagen AG, ich bin nicht der Retter von Porsche.“ Zuvor hatte Porsche Millionenschulden angesammelt, als sie versucht hatten, VW zu übernehmen.

„Zwölf ist eine gute Zahl.“

Mit dem simplen Satz „Zwölf ist eine gute Zahl" sorgte VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch kurz vor der IAA des Jahres 2009 für Aufsehen. Das Produktportfolio des Volkswagen Konzerns bestand damals noch aus neun Marken, inzwischen hat sich Piëchs Zitat bewahrheitet: Mit der Komplettübernahme der schwedischen Lkw-Tochter Scania im Jahr 2014 hat Volkwagen das Marken-Dutzend voll gemacht. Zum Konzern gehören die Marken Volkswagen, Audi, Seat, Skoda, Bentley, Bugatti, Lamborghini, Porsche, Ducati, Volkswagen Nutzfahrzeuge, Scania und Man.

„Zur Zeit noch. Streichen Sie das 'noch'!"

Mit diesen Worten antwortete Ferdinand Piëch im Übernahmekampf zwischen Porsche und VW im Jahr 2009 auf die Frage, ob der damalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking noch sein Vertrauen genieße. Für Wiedeking gab es nach dieser Aussage des VW-Patriarchen und nach monatelangen Verhandlungen über eine mögliche Kooperation der beiden Konzerne keine Zukunft mehr bei Porsche. Im Juli 2009 trat Wiedeking von seinem Posten im Aufsichtsrat zurück und machte den Weg für eine gemeinsame Zukunft der Autobauer frei.

„Zwei Kranke in einem Doppelbett oder gar drei ergeben noch keinen Gesunden."

Mit diesen Worten entgegnete der VW-Patriarch am 11. Mai 2009 gelassen einer möglichen Kooperation von Fiat, Opel und Chrysler. Die drei Autohersteller hätten zu unterschiedliche Unternehmenskulturen, die eine erfolgreiche Kooperation verhinderten. Zudem war sich Piëch damals sicher, dass eine funktionierende Allianz etwa 15 Jahre Zeit brauche, genau wie beim Zusammenschluss von Volkswagen und Audi im Jahr 1969. Im Juni 2009 übernahm Fiat dann 20 Prozent der Anteile von Chrysler.

„Ich kenne kein Unternehmen in Deutschland, wo jemand mit zehn Arbeitnehmer-Gegenstimmen überleben konnte.“

Als es im März 2006 um die Zukunft des damaligen VW-Chefs Bernd Pischetsrieder ging, äußerte sich Ferdinand Piëch im Wall Street Journal Europe deutlich über Mehrheiten für die Vertragsverlängerung Pischetsrieders. Bedeutend war auch Piëchs Zusatz: „Es ist wirklich eine offene Frage." Ein halbes Jahr später war die Frage dann geklärt: Bernd Pischetsrieder verließ den Wolfsburger Autokonzern zum 31. Dezember 2006 und wurde von Martin Winterkorn abgelöst.

1988: Piëch wird Chef der Ingolstädter VW-Tochter Audi. Viele Branchenkenner meinen, Piëch habe den Grundstein für den Aufstieg der Marke in die Oberklasse zu BMW und Daimler gelegt - mit technischen Innovationen, die ohne seine Beteiligung kaum vorstellbar sind.

1993: Inmitten einer schweren Krise kommt Piëch nach Wolfsburg an die VW-Konzernspitze. Der Autobauer gilt damals als Übernahme-Kandidat, Massenentlassungen stehen im Raum. Der von Piëch geholte Personalchef Peter Hartz wendet dies zusammen mit Betriebsrat und Gewerkschaft ab. Auch an der Konzernspitze setzt er auf Qualität und neue Konzepte. Entwicklungen wie das Ein-Liter-Auto oder der Super-Sportwagen Bugatti Veyron wurden oft in einem Atemzug mit Piëch genannt.

2002: Piëch wechselt von der Vorstands- an die Aufsichtsratsspitze von Volkswagen. Sein Nachfolger im Vorstand wird der frühere BMW-Chef Bernd Pischetsrieder, der 2006 gehen muss. An die Stelle des Ex-BMW-Mannes setzt er den langjährigen Vertrauen Martin Winterkorn.

2008/2009: In der Übernahmeschlacht mit Porsche gelingt es VW am Ende, den Spieß umzudrehen: VW übernimmt nach monatelangem Tauziehen das Ruder bei dem Sportwagenbauer aus Stuttgart. Piëch gilt als wichtiger Strippenzieher hinter den Kulissen. Im August 2012 schlüpft das operative Geschäft von Porsche komplett unter das VW-Konzerndach.

2011: Die Mehrheitsübernahme des Münchner Lastwagenbauers MAN ist Piëchs nächster Coup. Es gibt aber auch Kritik an seiner Machtfülle: Skeptiker monieren etwa die Miteigentümerschaft von Porsche.

2012: Am 17. April feiert Piëch seinen 75. Geburtstag. Allmählich stellt sich die Frage nach einem Chefaufseher in der Zeit nach ihm. Vorstandschef Winterkorn gilt vielen bereits als gesetzter Kandidat. Piëchs Ehefrau Ursula zieht ebenfalls in den VW-Aufsichtsrat ein.

April 2015: In einem „Spiegel“-Interview rückt Piëch von Winterkorn ab. Die Auto-Welt rätselt, warum er an seinem Vertrauten öffentlich zweifelt. Nach zweiwöchigem Machtkampf verliert Piëch seinerseits das Vertrauen der übrigen Aufseher und gibt seinen Rücktritt aus dem Gremium bekannt - eine Entwicklung, die für viele undenkbar schien.

Von

dpa

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