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09.01.2008

17:05 Uhr

Ferdinand Piëch sagt im VW-Prozess aus

Ein König und zwei lästige Untertanen

VonJan Keuchel

Der Prozess um Korruption bei VW geht in die nächste Runde. Am Mittwoch war Firmenpatriarch und Autokönig Ferdinand Piëch als Zeuge geladen und sagte aus. Die Angeklagten hofften auf Strafmilderung, falls sich der Verdacht auf Piëchs Mitwisserschaft erhärten sollte.

Autokönig Ferdinand Piëch sagt vor dem Landgericht Braunschweig aus. Quelle: Reuters

Autokönig Ferdinand Piëch sagt vor dem Landgericht Braunschweig aus. Quelle: Reuters

BRAUNSCHWEIG. Dies ist eine kleine Geschichte, die von Größe handelt. Man könnte auch sagen: von Maßen und Maßstäben. Sie handelt von einem, der oft König genannt wird eines Reiches von ordentlichen Ausdehnungen, der sich aber nun, da sich in diesem Reich böse Dinge zugetragen haben, in die Provinz herab begeben und sich dort fragen lassen muss, ob er von den Machenschaften wusste (oder ob er sie gar befohlen hat). Und der jetzt, am Mittwoch, vom Rücksitz einer schwarzen Tiguan-Limousine, auf einen einfachen, farblosen Zeugenstuhl wechselt - wo er zu schweigen oder aber die Wahrheit zu sagen hat. "Wenn nicht", belehrt ihn Richterin Gerstin Dreyer, "machen Sie sich strafbar".

Die Rede ist von Ferdinand Piëch, dem Großen, dem VW -Aufsichtsratschef und Porsche -Enkel, dem deutschen Autokönig. Im großen Saal des Landgericht Braunschweigs wirkt er einfach nur wie ein kleiner Mann im edlen, dunkelblauen Zwirn. Vielleicht ein Meter dreiundsiebzig. Wenn der 70-jährige lächelt, und das tut er mechanisch, sieht es so aus, als blecke er die Zähne. Die Augen schauen dabei wolf-wachsam in die Menge. Auf Zurufe der Fotografen reagiert er nicht. Er gibt sich nicht zum Abschuss frei.

Der VW -Korruptionsprozess geht in die nächste Runde, Piëch ist als Zeuge geladen, aber es wird auch darum gehen, ob er selbst von Huren auf Firmenkosten und Bakschisch für Betriebsräte wusste. Keine Frage, er empfindet seinen Auftritt hier als Belästigung. "Die Volkswagen AG", gibt er gleich seinen Maßstab für dieses Verfahren zum besten, "hat eineinhalb Mal so viele Mitarbeiter wie Braunschweig Einwohner."

Aber so ist das nun mal in Gerichtssälen, in Strafprozessen: Sie zwingen auch Könige ins Normalmaß. Angeklagte, einst mächtig, oder Zeugen, noch mächtig - hier sind sie ihrer Unantastbarkeit beraubt. Hier können sie vielleicht schweigen oder lügen: aber sie müssen auf dieselben unbequemen Bänke und Stühle, auf die jeder muss. Und sie müssen sich Zurechtweisungen gefallen lassen, auch wenn sie diese nur äußerst selten erfahren. "Nun lassen Sie mich mal", unterbricht Anwalt Wolfgang Kubicki einmal Piëchs Redefluss. Da schaut der Firmenlenker indigniert.

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