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15.01.2013

20:05 Uhr

Fiat-Chef Marchionne

„Wir verkaufen zu lächerlichen Preisen“

Die Krise auf dem Automarkt macht dem italienischen Autobauer zu schaffen. Die Umstellungen würden „sehr schmerzhaft“ werden, so Fiat-Chef Marchionne. Weitere Werke sollen aber nicht dicht gemacht werden.

Ein Fiat 500 L bei der North American International Auto Show (NAIAS) in Detroit. dpa

Ein Fiat 500 L bei der North American International Auto Show (NAIAS) in Detroit.

DetroitFiat-Chef Sergio Marchionne will den italienischen Autohersteller ohne weitere Werksschließung durch die europäische Absatzkrise steuern. Wenn die überschüssige Kapazität in Europa für die Produktion anderer Marken des Fiat-Chrysler-Konzerns genutzt werde, müsse keine Fabrik dicht machen, sagte Marchionne am Dienstag (Ortszeit) auf der US-Automesse in Detroit. Die dazu notwendigen Umstellungen würden aber „sehr schmerzhaft“.

Im November 2011 hatte Fiat die Produktion in einem Werk auf Sizilien gestoppt. Vergangenen Monat kündigte der Konzern an, seine wichtige Fabrik im italienischen Melfi für eine Milliarde Euro umzurüsten, um von 2014 an zwei neue Modelle zu bauen: ein Einstiegsmodell der Marke Jeep und einen neuen Typ des Fiat 500.

Auch in China wird Jeep demnächst Autos bauen. Der Fiat-Konzern und sein chinesischer Partner GAC einigten sich am Dienstag auf einen entsprechenden Ausbau des Gemeinschaftsunternehmens. In den nächsten Jahren solle eine Reihe von Modellen in China eingeführt werden, hieß es in einer Mitteilung. Jeep macht den Anfang, soll in China aber nur für den dortigen Markt produzieren.

Auf dem Heimatkontinent seien harte Einschnitte notwendig, um die Krise bei Europas Massenherstellern in den Griff zu bekommen, sagte Marchionne. Er schätzt, dass die Branche 2012 insgesamt bis zu fünf Milliarden Euro Verlust eingefahren habe. Fiat selber hatte zuletzt ein Minus von 700 Millionen Euro prognostiziert. Hersteller wie Peugeot, Opel oder Ford ächzen unter gewaltigen Überkapazitäten. VW-Chef Martin Winterkorn hatte in Detroit die Zahl von drei Millionen Autos genannt.

Die größten Autohersteller in Europa

Platz 10

Nissan - 239.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Im Vergleich zum Vorjahr büßen die Japaner Marktanteile ein. Die Zahl der Neuzulassungen schrumpfte um drei Prozent.

Platz 9

Toyota - 295.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Weltweit gehören die Japaner zu den größten Autokonzernen. In Europa stagnieren die Absätze allerdings. Im Vergleich zum Vorjahr wurden ein Prozent weniger Neuwagen verkauft.

Platz 8

Daimler - 349.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Der deutsche Premiumhersteller kann sich freuen: Als einziger Hersteller in der europäischen Top Ten verkauften die Stuttgarter mehr Autos als im Vorjahr. Die Verkäufe legten um ein Prozent zu.

Platz 7

BMW - 421.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Trotzdem kann BMW die Premiumkrone auch in Europa behaupten. Die Münchner verkauften zwar ein Prozent weniger Neuwagen als im Vorjahr - doch das ist immer noch besser als die Konkurrenz.

Platz 6

Fiat - 456.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Sorgenfalten von Fiat-Chef Sergio Marchionne dürften zunehmen. Mit einem Minus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr befinden sich die Italiener in einer der tiefsten Absatzkrisen der Unternehmensgeschichte.

Platz 5

Ford - 533.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch für den US-Autobauer, dessen größtes Werk in Europa nördlich von Köln liegt, sind die Verkäufe in Europa eingebrochen. 11 Prozent weniger Fahrzeuge wurden an den Mann gebracht.

Platz 4

General Motors - 573.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Zahlen sind besorgniserregend. So besorgniserregend, dass zuletzt auch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke gehen muss. In Europa brachen die Verkäufe des US-Riesen im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent ein.

Platz 3

Renault - 583.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Noch schlimmer trifft es den französischen Autoriesen Renault. Satte 17 Prozent weniger Autos konnten die Franzosen im ersten Halbjahr absetzen. Die Regierung denkt bereits über Staatshilfen für die angeschlagene heimische Autoindustrie nach.

Platz 2

Peugeot/Citroën - 827.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch der größte französische Autobauer klagt über Absatzprobleme und kündigte zuletzt an, 8000 Stellen streichen zu wollen. Im ersten Halbjahr schrumpften die Verkäufe um 14 Prozent.

Platz 1

Volkswagen - 1,66 Millionen Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Es ist einsam an der Spitze: Die Wolfsburger deklassieren die Konkurrenz um längen. Im schwierigen europäischen Massenmarkt verliert Volkswagen zwar ein Prozent - doch insgesamt nehmen die Marktanteile zu.

Marchionne prangerte das Vorgehen der ganze Branche an, zu lange blind auf Absatzwachstum gesetzt zu haben. Einige Hersteller hätten Wagen auf Halde produziert - aber auch die seien irgendwann überfüllt. „Wer soll all die Autos kaufen?“, fragte er. Außerdem lasse das entstandene Überangebot die Margen purzeln. „Wir verkaufen zu lächerlichen Preisen“, sagte Marchionne, der auch Präsident des europäischen Branchenverbands ACEA ist.

Von

dpa

Kommentare (7)

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Johann

16.01.2013, 08:30 Uhr

Sind ja auch lächliche Autos von lächerlicher Qualität.

F2003ga

16.01.2013, 08:59 Uhr

Ein sehr qualifizierter Kommentar und die Rechtschreibung ist ebenfalls super :-)

Joachim

16.01.2013, 08:59 Uhr

@ Johann: Pflegen Sie ruhig weiter Ihre Vorurteile.

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