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18.01.2010

08:50 Uhr

Fiat

Gewerkschaft protestiert gegen Werksschließung

VonKatharina Kort

Im sizilianischen Autowerk des Konzerns steht ein Streik bevor. Das Werk soll 2010 geschlossen werden. Die Regierung Berlusconi hat unterdessen weitere Infrastrukturprojekte für den Süden des Landes angekündigt. Doch bislang liegen die Pläne auf Eis.

Fiat-Chef Sergio Marchionne: "In dieser Situation über eine Rehabilitierung zu sprechen, ist verrückt." Quelle: ap

Fiat-Chef Sergio Marchionne: "In dieser Situation über eine Rehabilitierung zu sprechen, ist verrückt."

MAILAND. Während der italienische Autokonzern Fiat mit seiner neuen US-Tochter Chrysler erste Fortschritte macht, droht ihm nun Ärger in der Heimat: Die Gewerkschaft FIM hat einen Streik für Anfang Februar angekündigt, um gegen die geplante Schließung des sizilianischen Werks von Termini Imirese im Jahr 2012 zu protestieren, in dem heute der "Lancia Ypsilon" hergestellt wird.

Fiat-Chef Sergio Marchionne trifft mit seinen Schließungsplänen einen empfindlichen politischen Nerv. Denn an dem geographisch äußerst weit vom Hauptsitz Turin gelegenen Werk im strukturschwachen Sizilien hängen 1 400 Arbeitsplätze und noch viel mehr Wählerstimmen. Der Minister für Wirtschaftsentwicklung Claudio Scajola hat bereits eine Task Force für die Rettung des Standorts einberufen, die am 29. Januar zusammentreten wird.

Bisher lässt sich Marchionne, der die Autowelt Anfang des vergangenen Jahres mit der Übernahme von Chrysler überrascht hat, nicht von dem politischen Druck aus Rom beirren. "Derzeit schicken wir Autoteile nach Sizilien, dort bauen wir sie zusammen und schicken sie wieder zurück. Die einzigen, die daran verdienen sind die Logistikunternehmen rund um das Werk", erklärte Marchionne diese Woche gegenüber Journalisten auf der Automesse in Detroit seine Entscheidung, den Standort zu schließen. "Das hat nichts mit der Qualität der Arbeiter zu tun. Die Fabrik steht am falschen Ort", sagte Marchionne, der zuvor halb im Scherz gesagt hat, die einzige Lösung des Problems bestünde darin, Sizilien nach Piemont zu verlagern.

Marchionne weist auch darauf hin, dass Fiat das Werk viele Jahre vor seinem Amtsantritt vor fünf Jahren eröffnet hat, weil die Regierung dem Unternehmen damals wichtige Verbesserungen bei der Infrastrukur zugesagt hatte, die bis heute auf sich warten lassen. Hinzu komme die schwierige Konjunkturlage insgesamt: "In dieser Marktsituation über eine Rehabilitierung des Werks in Termini Imirese zu sprechen, ist verrückt", sagte er. Marchionne will versuchen, andere Unternehmen im derzeitigen Fiat-Werk anzusiedeln.

Minister Scajola will sich nicht völlig geschlagen geben: "Ich bleibe davon überzeugt, dass Termini Imirese ein industrieller Pol bleiben muss und dass er weiterhin im Automobilsektor operieren kann", ließ der Minister wissen und verspricht erneut Verbesserungen der Infrastruktur. Das größte Infrastrukturprojekt der amtierenden Regierung von Silvio Berlusconi ist bisher die Brücke über die Meerenge von Messina, die Sizilien mit dem Festland verbinden soll. Doch die Arbeiten haben noch nicht begonnen.

Außerhalb Siziliens hat sich Fiat in jüngster Zeit angesichts der Krise relativ gut halten können. Vor allem dank der Abwrackprämien in verschiedenen Ländern konnten die Italiener mit ihren kleinen Spritsparenden Autos die Zahl der zugelassenen Autos um 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern.

In den USA, wo Fiat mit 20 Prozent der Anteile die Kontrolle über den fast pleitegegangenen Autobauer Chrysler ausübt, will Marchionne vor allem die Kleinwagentechnologie von Fiat für Chrysler nutzen. Marchionne, der gleichzeitig Chef beider Konzerne ist, rechnet vor, dass Chrysler in den USA 1,1 Mio. und weltweit 1,65 Mio. Autos verkaufen muss, um im laufenden Jahr wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Das ist ambitioniert, sind doch 2009 die Verkäufe weltweit um mehr als ein Drittel auf weniger als eine Million Autos gesunken.

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