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26.01.2012

15:41 Uhr

Fiat-Werbespot

Marchionnes doppeltes Spiel

VonSebastian Schaal

In einem Werbespot zum neuen Panda packt Fiat die Italiener dort, wo sie am empfindlichsten sind: ihrem Nationalstolz. Doch das Filmchen betreibt vor allem eines: Augenwischerei.

Fiat-CEO Sergio Marchionne: ein doppeltes Spiel. Reuters

Fiat-CEO Sergio Marchionne: ein doppeltes Spiel.

DüsseldorfDie Italiener sind ein stolzes Volk. So kann man ihnen auch mit Werbung imponieren, die eben genau jenen Nationalpathos anspricht und die Menschen bei ihrer Ehre packt. Wer davon spricht, dass "in Italien die Menschen jeden Tag aufstehen und mit all ihrem Talent an die Arbeit gehen", der hat eigentlich schon gewonnen. Noch besser: "Ihre Leidenschaft, ihre Kreativität, und vor allem ihr Verlangen, Dinge herzustellen, die gut gemacht sind." Wunderbar.

Die größten Autohersteller

General Motors

Der Autobauer hat im Jahr 2011 insgesamt 9 Millionen Fahrzeuge abgesetzt und war damit Spitzenreiter der Branche. Auch bei der Forschung ist GM vorn mit dabei: Das Budget dafür beträgt 6,9 Milliarden Dollar (2010).

Volkswagen

Platz zwei beim Absatz: 8,4 Millionen Stück, bei der Forschung auf Platz drei (6 Milliarden Dollar).

Toyota

Platz drei: 8 Millionen Fahrzeuge haben die Japaner abgesetzt. Toyota ist auch bei der Forschung Spitze: Der japanische Konzern gab mit 8,5 Milliarden Dollar so viel für die Forschung aus wie keiner der Mitbewerber.

Hyundai

Platz vier für die Koreaner (mit Kia): 6,1 Millionen Stück, bei der Forschung mit 5,7 Milliarden Dollar ebenfalls Vierter.

BMW

Mit 1,7 Millionen abgesetzten Fahrzeugen auf Platz zwölf, bei der Forschung mit einem Budget von 4,1 Milliarden Dollar auf Platz acht.

Daimler

Platz 13 bei den Auslieferungen: 1,4 Millionen Stück, bei der Forschung auf Platz sieben (4,6 Milliarden Dollar).

Quellen: Ernst & Young (Absatz), Booz & Company, Unternehmensangaben (Forschungsausgaben)

Auf diese Karte setzt auch Fiat in einem neuen Werbespot für den Kleinwagen Panda, der derzeit in Italien über die Bildschirme flimmert. Aus diesem stammen auch die oben genannten Zitate. Noch mehr davon? "Wir können entscheiden, welches Italien wir sein wollen." Patriotische Worte in einem Land, das sich im Umbruch befindet. Klingt aber eher nach dem Wahlplakat eines Politikers.

Freilich liefert der Werbespot auch die Antwort, welches Italien sich Fiat vorstellt. Harte Arbeit, noch ein guter Spruch ("Die Dinge, die wir machen, machen uns") und dann - mit dem neuen Panda im Bild - "Das ist das Italien, das wir mögen". Ein krönender Abschluss, wenn man denn das Design des Panda mag. Nur leider ist (fast) alles Augenwischerei.

Firmenchef Sergio Marchionne zeichnet in dem Werbespot ein Bild, wie er das Unternehmen und das Land gerne sehen würde. Doch mit den Fakten ist es nicht zu vereinen: Das sizilianische Werk Termini Imerese hat Marchionne geschlossen. 1.500 Menschen haben ihre Arbeit in der Fabrik verloren, rund 500 weitere in umliegenden Zulieferbetrieben. Der Grund: Die Autos aus der Fabrik waren einfach 1.000 Euro teurer als die von anderen Standorten.

Kommentare (7)

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flyte

26.01.2012, 16:14 Uhr

Der neue, im Film beworbene Panda wird - im Unterschied zum Vorgänger - wieder in Italien gebaut, nämlich im Werk Pomigliano. Das sollte im Artikel korrigiert werden...

Account gelöscht!

26.01.2012, 16:35 Uhr

Marchionne: Wenn Inkompetenz das Sagen hat. Von Umberto Agnelli kurz vor seinem Ableben zum Vorstandsvorsitzenden berufen, von John Elkan, der (ähnlich seines Großonkels) nun wahrlich keinen Durchblick hat, gehalten, kann man Marchionne als Produkt der Verlegenheit und Inkompetenz der Fiataktionäre begreifen.
Selbstbeweihräucherung, wie sie in Italien in der jüngsten Zeit gang und gäbe ist, ist immer ein Zeichen von Dekadenz einer Gesellschaft. Diejenigen, die es wirklich können, arbeiten und liefern gute Arbeit ab und halten das Maul. Der Lob, Zeichen von hoher Anerkennung für gute Leistung, muss immer von den Anderen kommen. Armes Italien.

Account gelöscht!

26.01.2012, 17:18 Uhr

Der ADAC hat irgendwann in 2010 festgestellt, daß im Kia Picanto mehr deutsche Teile sind als im BMW X5. So what? Diese Kritik an Fiat ist spießbürgerlich und kleinlich.

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