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02.11.2012

13:47 Uhr

Fiats Sparkurs

Der stille Tod von Lancia

VonLukas Bay

Eine Legende wird langsam beerdigt. Weil die italienische Traditionsmarke Lancia die Erwartungen des Mutterkonzerns nicht erfüllen kann, wird die Produktion massiv gekürzt. Fiat-Chef Marchionne hat bereits neue Pläne.

Eine der letzten Neuigkeiten: 2009 präsentierte Lancia auf dem Autosalon in Genf den neuen Delta 200 HP. ap

Eine der letzten Neuigkeiten: 2009 präsentierte Lancia auf dem Autosalon in Genf den neuen Delta 200 HP.

Die Todesanzeige einer Traditionsmarke verbirgt sich auf Seite 10 des Fiat-Analystenberichtes zu den aktuellen Quartalszahlen. Unter dem Punkt "Reduce/curtail Lancia exposure" skizziert der italienische Autobauer nüchtern den Rückbau der italienischen Automarke Lancia. Die Produktion solle schrittweise reduziert werden, steht dort. Künftig werde nur noch das Modell Ypsilon gefertigt - in Polen. "Wir dürfen uns nicht mehr der Illusion hingeben, dass wir Lancias historisches Image wieder aufbauen können", erklärte Fiat-Chef Sergio Marchionne. Es ist das unrühmliche Ende einer über 100-jährigen Geschichte von Lancia in Italien.

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Mit dem Lancia Thema schickt Fiat eine faszinierend altmodische Limousine auf den Markt, die alles anders macht, - und genau deshalb überzeugt. Ein bisschen fühlt man sich wie beim Film "Miss Daisy und ihr Chauffeur".

Eine Geschichte, die 1906 begann und deren goldene Momente weit in den 60er-Jahren liegen. Mit den Modellen "Flaminia", "Flavia" und "Fulvia" galt Lancia als Inbegriff der italienischen Eleganz. Mit dem Sportwagen Stratos HF schrieben die Italiener ab 1978 Rallyegeschichte, gewannen mehrfach die Rallye Monte Carlo. Von der ruhmreichen Geschichte ist heute allerdings nicht mehr viel geblieben. Zuletzt hatte Fiat versucht, Lancia durch eine Kooperation mit Chrysler wiederzubeleben. Die italo-amerikanische Zusammenarbeit brachte unter anderem das Model Thema hervor, das allerdings in der Gunst der Kunden nicht sonderlich hoch im Kurs stand. Zu offensichtlich war die die Umetikettierung des amerikanischen Autodesigns. Auch künftig werden Lancia-Modelle bestenfalls Chrysler-Modelle mit anderem Namen sein.

Statt auf den verblassten Glanz von Lancia will sich Fiat darum künftig auf seine Nobelmodelle von Alfa Romeo, Jeep und Maserati konzentrieren. In Modena soll ab dem kommenden Jahr auch der Alfa 4C produziert werden, im Werk Gruliasco bei Turin wollen die Italiener zwei Maserati-Modelle fertigen. Ein neuer Geländewagen ist ebenfalls in Planung.

Für Marchionne ist die neue Premiumstrategie alternativlos, denn im Volumengeschäft fährt Fiat seit Monaten Millionenverluste ein. Innerhalb von drei Monaten sind die Schulden von Fiat von 1,3 auf 6,7 Milliarden Euro angewachsen. Erst für 2016 gehen die Italiener davon aus, den Break Even Point in Europa zu erreichen. Im dritten Quartal führ die Fiat-Gruppe zwar einen Gewinn von 286 Millionen Euro ein, doch das ist vor allem dem guten Ergebnis der US-Tochter Chrysler zu verdanken.

Kommentare (7)

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Kapturak

02.11.2012, 13:56 Uhr


Alfa und Maserati könnten ein großes Potential haben. Aber nicht mit Fiat und Marchionne. Er hat einfach keine Ahnung, was die Kunden wollen (siehe Lancia).

pizzarro53

02.11.2012, 14:16 Uhr

Wer die alten US-Chrysler-Kisten zu Lancias macht und die letzten Jahre nur häßlich Autos designt hat (Lancia Delta neu), der muss sich nicht wundern, dass die Marke verwässert und den Bach runter geht. Ich hatte noch eine alten Lancia Delta, das war noch italienisches Design, aber bei FIAT / Lancia wird heute nichts mehr designt (500L!!!!), schade aber auch. Sind die Designer dort blind (nebenan Ferrari / Alfa / Maserati)???

LANCIADELTAINTEGRALE

02.11.2012, 14:52 Uhr

Ich fahre selbst nen Italiener. Der Fiatkonzern fällt in meiner Wahrnehmung durch vier Dinge auf. 1. Chrysler/Lancia Umetikettierung. 2. Heimlich still und leise alles bei Alfa vom Markt genommen was schön und sportlich war, wobei der 159 dabei schon ewig läuft. 3. Eine ständige minimale Veränderung des Modells Grande Punto unter Wechselung des genauen Namens. (Wie heißt der gerade?)4. Seit Jahren wenig Investition in neue Modelle. Wenn selbst meine Mutter das merkt sollten die Manager lieber andere Wege einschlagen.

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